WaldÖkologie

Zweite Luchszählung im Pfälzerwald abgeschlossen

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

In den beiden letzten Winterhalbjahren hat die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) den Status der neu begründeten Luchspopulation im Pfälzerwald überprüft. Hier sind die Ergebnisse.

Im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojektes wurden mit Unterstützung der EU im Pfälzerwald von 2016 bis Frühjahr 2020 20 Luchse durch die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz frei gelassen. Nun galt es in der Endphase des Projektes Bilanz zu ziehen. Wieviel Luchse sind noch im Gebiet unterwegs, abgewandert oder gestorben? Wie viele Luchse wurden hier bereits geboren? Die erste Zählung wurde im Winterhalbjahr 2019/20 in einem 1.000 km² repräsentativem Teilgebiet des Pfälzerwaldes durchgeführt und wurde im vergangenen Winter 2020/21 wiederholt.

Wie ist die Vorgehensweise?

Im ersten Durchgang wurden zwischen Dezember 2019 und April 2020 im Pfälzerwald 67 systematisch verteilte Fotofallenstandorten mit je zwei gegenüberstehenden Fotofallen ausgewertet (Abb. 2). Im zweiten Durchgang wurden zwischen Dezember 2020 und April 2021 80 derartige Fotofallenstandorten angelegt (Abb. 2). Passierte ein Luchs die Fotofallen wurde dieser mit etwas Glück von beiden Seiten fotografiert. Anhand des individuellen Fleckenmusters können die Tiere auseinandergehalten und damit letztlich gezählt werden.

Zu den Ergebnissen

Im Referenzgebiet entstanden insgesamt 114 (2019/20) bzw. 111 (2020/21) Aufnahmen von Luchsen, die sich auf 11 selbstständige Luchse (plus 5 Jungtiere) im Jahr 2019/20 und 9 selbstständige Luchse (plus 2 Jungtiere) im darauffolgenden Jahr verteilten (Abb. 2). Die Verteilung der Luchse zeigt allerdings interessante Schwerpunkte und Lücken. Insbesondere im südöstlichen Teil des Pfälzerwaldes konnten in beiden Durchgängen trotz Kameraabdeckung keine Luchse dauerhaft nachgewiesen werden (Abb. ). Für die Luchspopulation des grenzüberschreitendes Biosphärenreservats Pfälzerwald / Nordvogesen ergibt sich somit unter Einbeziehung eines Pufferraums um das Kameranetz eine Populationsdichte von etwas über 0,5 Luchsen pro 100 km². Für den Durchgang von 2019/20 sind es etwas unter 0,5 Luchse pro 100 km² im Jahr 2020/21. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass ein oder zwei Tiere übersehen wurden. Größer dürfte die Unsicherheit allerdings nicht sein.

Überblick über die Fotofallen-Standorte des ersten (Winter 2019/20 links) und zweiten Durchgangs (Winter 2020/21 rechts). Standorte, an denen Luchse fotografiert wurden, sind je nach Häufigkeit mit unterschiedlich großen Kreis versehen. Alle anderen Standorte ohne Luchs- aber anderen Wildtieraufnahmen, sind mit einem kleinen Kreuz gekennzeichnet.
Foto: FAWF

Warum steigt Populationsdichte nicht?

Seit 2017 konnte jedes Jahr Nachwuchs dokumentiert werden und nur 5 Tiere sind nachweislich gestorben. Anhand der Ergebnisse müsste die Populationsgröße und -dichte im Untersuchungsgebiet angestiegen sein. Ist sie jedoch nicht, sie ist sogar leicht gesunken. Warum? Hierzu ist zu bedenken, dass das Referenzgebiet nicht die angrenzenden Regionen (z.B. Nordvogesen, Westrich und Donnersberg) umfasst, wo ebenfalls nachweislich Luchse aus dem Wiederansiedlungsprojekt umherstreifen. Es leben also deutlich mehr Luchse in und um den Pfälzerwald, als über das Referenzgebiet erfasst werden konnten. In den offeneren Landschaften um den Pfälzerwald bestehen eigenen Untersuchungen zufolge deutlich höhere Reh- und damit Beutedichten. Es bleibt also spannend.

Luchse werden weiter im Auge behalten

Erfreulich daher, dass mit dem Ende des LIFE-Luchs-Projektes im September 2021 an der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) das neu gegründete Koordinationszentrum Luchs und Wolf Rheinland-Pfalz (KLuWo) die noch jungen Luchspopulation im Südwesten Deutschlands weiterhin im Auge behalten wird.

Fazit: Die Populationsdichte steigt zwar nicht an, aber der Bestand breitet sich aus.

Quelle: Wald FAWF RLP