Holzverkauf und Holzpreise

Zweifel an Holzenergie – Drax fliegt aus grünem Index

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Die Diskussion um die Klimaneutralität von Holzenergie ist in der Finanzwelt angekommen. Wie der britische Guardian berichtet, wurde der Energieversorger Drax aus dem Index der umweltfreundlichsten Energieunternehmen der Welt, dem S&P Global Clean Energy Index, gestrichen, nachdem S&P Global Dow Jones seine Methodik geändert hatte.

Drax verstromt Holzpellets in umgebauten Kohlekraftwerken und ist der größte Abnehmer von Pellets aus Nordamerika. Das Unternehmen hatte versprochen, bis zum Ende des Jahrzehnts das weltweit erste „kohlenstoffnegative“ Energieunternehmen zu werden.

Schlag für Drax

Insofern ist der Rauswurf aus dem Index ein Schlag für Drax. Er folgt auf Bedenken des Finanzdienstleisters Jefferies, der seinen Kunden mitteilte, dass Bioenergie „unwahrscheinlich einen positiven Beitrag“ zur Bewältigung der Klimakrise leisten werde. Grund seien Unsicherheiten und schlechte Praktiken in einigen Teilen der Holzindustrie in Bezug auf Holzquellen, forstwirtschaftliche Methoden, Emissionen in der Lieferkette und hohe Emissionen bei der Verbrennung von Holz.

Drax sagt, durch die neue BECCS-Technologie könne man Holz sogar klimanegativ verbrennen. BECCS steht für Bioenergie mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung. Als Kronzeugen nennt Drax den Weltklimarat IPPC, der davon ausgehen, dass nachhaltige Biomasse sowohl als Anbieter von erneuerbarem Strom als auch aufgrund ihres Potenzials, mit BECCS negative Emissionen zu erzeugen, entscheidend für das Erreichen der globalen Klimaziele sei.

BECCS-Technologie – Retter oder Luftnummer?

Genau daran äußert Jefferies Zweifel. Denn eine flächendeckende Installation solcher BECCS-Anlagen scheine „herausfordernd“, so die Formulierung, um auszudrücken, dass man es schlicht für nicht machbar hält.

Denn auch die Klima-Denkfabrik Ember äußert Bedenken. Die BECCS-Technologie würde die britischen Stromkunden nach deren Brechnung in 25 Jahren 31,7 Mrd. Pfund kosten, ohne dass gewährleistet sei, dass BECCS in der der Gesamtbilanz wirklich klimanegativ ist.

Macht des Geldes

Der Aktienindex von Drax zeigte sich Mitte Oktober von den Bedenken des Finanzmarkts unbeeindruckt und stieg innerhalb einer Woche um 4,5 %. Noch im August stand der Kurs bei etwa 4,80 €, inzwischen bei knapp 6,20 €. Denn die britische Regierung wird an ihren milliardenschweren Förderungen für Drax festhalten, so die Einschätzung von Jefferies.

Die Entscheidung über den Index-Rauswurf von Drax zeigt zwei Sachverhalte. Erstens: Der Finanzsektor hat die Macht und den Willen, Investitionen in klimafreundliche Technologien zu lenken. Zweitens: Der Holzenergiesektor muss sich argumentativ und technologisch massiv weiterentwickeln, um im Wettbewerb um die besten Lösungen für die Zukunft nicht unter die Räder zukommen. Denn wenn der Finanzmarkt von ihrer Klimaneutralität nicht überzeugt ist, wird er der Holzenergie einfach den Geldhahn zudrehen.

Quelle: Guardian