Zwei Akkusägen im Vergleich

05. Januar 2021

Mit einer Kettengeschwindigkeit von 24 m/s und gestiegener Batteriepower haben Akkusägen mittlerweile ganz offiziell das Leistungsniveau kleiner Benzinmotorsägen erreicht. Wir haben die aktuellen Spitzenmodelle von Stihl und Husqvarna gegeneinander antreten lassen.

Die derzeit leistungsstärkste Akkumotorsäge von Stihl, die MSA 220, hatten wir bereits in der F&T Ausgabe 4/2020 ausführlich getestet. Im Herbst des Jahres kam das Pendant von Husqvarna endlich auf den Markt. Die Husqvarna 540i XP kannten wir schon von der Präsentation im Februar in Schweden und waren schon gespannt, die beiden Kontrahenten im direkten Vergleich zu haben.

Eckdaten

Von der Papierform her unterscheiden sich die Geräte gar nicht groß: Die Hersteller werben mit der identischen, gegenüber den Vorläufergenerationen deutlich verbesserten Kettengeschwindigkeit. Die dazu notwendige Antriebsleistung des E-Motors wird allerdings bei beiden nicht angegeben. Die Maschinengewichte liegen mit 3 kg gleichauf. Nominell scheinen auch die vorgesehenen Akkupacks mit der „300“ in der Typenbezeichnung ebenbürtig. Doch an dieser Stelle treten bereits die ersten Unterschiede zutage: Husqvarna hat in den BLi 300 mit 337 Wattstunden (Wh) ziemlich genau 20 % mehr Kapazität verbaut als Stihl im AP 300 S. Der Gewichtsunterschied beträgt jedoch nur rund 13 %.

Anwendungsbereiche

In der Christbaumkultur machen die Akkusägen eine richtig gute Figur
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Auch wenn es viele Kollegen immer noch nicht wahrhaben wollen – Akkusägen sind längst aus der Spielzeugabteilung zu den ernsthaften Werkzeugen umgeräumt worden. Sie spielen vor allem immer dann ihre prinzipbedingten Vorteile aus, wenn es gegenüber der reinen Sägenlaufzeit relativ lange Pausen gibt. Das ist z.B. bei Zimmereibetrieben oder beim Hochsitz- und Zaunbau der Fall. In der Jungbestandspflege macht sich zusätzlich der Effekt der Abgasfreiheit bemerkbar: Eingeschlossen in der „grünen Hölle“ atmet man ansonsten unweigerlich sehr viel Auspuffgase ein. Ist im Siedlungsgebiet Brennholz klein zu schneiden, danken es die Nachbarn, wenn die Maschinen wesentlich weniger Lärm verursachen. Allerdings hat der jüngste Leistungszuwachs bei beiden Sägen dazu geführt, dass der Bediener definitiv wieder einen Gehörschutz braucht – die Schallpegel liegen weit über 85 dB(A).

Um Haus und Hof, z.B. bei der heimischen Brennholzproduktion sind Akkusägen sozialverträgliche Helfer
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Eine unserer Testdisziplinen war diesmal jedoch auch in der klassischen Holzernte. Nicht zum Fällen, aber zum Entasten und Abzopfen von mittelstarkem Nadelholz lassen sich die beiden Geräte durchaus schon einsetzen. Die Akkukapazität der Husqvarna ermöglicht dabei einen Arbeitsrhythmus ähnlich wie bei benzinbetriebenen Sägen: Nach 30 bis 45 min ist der „Tank“ leer. So lange es im Wald keine sinnvolle Möglichkeit gibt, die Akkus wieder zu laden (das wäre erst beim Einsatz eines Elektrofahrzeugs kein Problem mehr) müsste man sich einige Batteriepacks mitnehmen. Das ist in der Anschaffungs erst einmal sehr teuer, kann sich aber über die Zeit amortisieren. Nichtsdestotrotz halten wir das noch nicht für das Haupteinsatzgebiet dieser Geräte. Es lassen sich aber ein paar Eigenschaften dabei schön herausarbeiten: Ohne den knatternden Verbrenner fällt plötzlich auf, welchen Stress dieser Lärmpegel doch verursacht – nicht zuletzt dann, wenn man mal mit seinem Rottenkollegen kommunizieren muss und bei der E-Säge einfach in diesem Moment kein Motor brummt. Der Unterschied ist trotz Gehörschutzpflicht immer noch enorm.

Beim Abtrennen vieler kleiner Fichtenäste ist ein spritziger Antrieb gefragt. In dieser Disziplin gewinnt eindeutig die Husqvarna, deren Motor deutlich schneller hochdreht. Das Kettengeräusch ist demnach auch noch mal aggressiver und vermeintlich läuft sie auch einen Ticken schneller. Bei der Stihl-Säge fühlt es sich dagegen eher wie ein „Sanft-Anlauf“ an. Das mag zwar den Akku schonen, stört hier jedoch den Arbeitsfortschritt. Die unterschiedlichen Sägeketten geben sich dagegen so gut wie nichts: Stihl setzt bei der MSA 220 auf die relativ großen Vollmeißel einer 3/8“ Picco-Kette. Bisher waren hier 1/4“ Picco im Einsatz. Husqvarna hat für die 540i XP sogar eine neue Teilung erfunden: Die .325“ mini läuft in einer schmalen Nut mit 1,1 mm. Die Halbmeißelzähne selbst sind aber auch größer als bisher im Akkubereich.

Bedienkonzepte

Neben der reinen Leistung entscheidet jedoch auch das Handling und die Wartungsfreundlichkeit bei so einem Werkzeug. Von der Optik und der Materialanmutung her erhebt die neue Schwedin ganz klar den Profianspruch: Der Kettenraddeckel besteht aus Magnesium, das Design kann durchaus als progressiv gelten. Demgegenüber wirkt das Gehäuse der Stihl MSA 220 noch eher ein bißchen wie Plastikspielzeug. Aber Details wie der werkzeuglose Ketten-Schnellspanner sind einfach unheimlich praktisch. Der Spannmechanismus der 540i will mit dem Kombischlüssel bedient werden und sitzt im Kettenraddeckel. Das bedeutet eine gewisse Fummelei jedes Mal, wenn dieser Deckel wieder aufgesetzt werden soll.

Der Kettenraddeckel aus Magnesium unterstreicht den profimäßigen Anspruch – der Kettenspanner im Deckel ist aber fummelig
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Über den seitlichen Entriegelungsknopf der Stihl für den Gashebel wurde schon viel geschrieben. Diese Art der Anlaufsicherung kennt man von anderen Elektrowerkzeugen auch. Viele Tester haben sich darüber mokiert, weil bei bestimmten Maschinenpositionen die Handhaltung unergonomisch werde. Husqvarna dagegen bleibt näher bei der gewohnten Bedienung einer Motorsäge. Die Gashebelsperre oben auf dem hinteren Handgriff muss zusätzlich nach vorne geschoben werden, bevor sie sich eindrücken lässt. Der Hersteller sagt, nachdem der Bediener normalerweise ohnehin von hinten zugreift, sollte das keinen Zusatzaufwand darstellen. Einige unserer Tester waren jedoch schon die Akkutechnik von Stihl gewohnt und empfanden diese Routine als störend und unpraktisch. Wir sind der Meinung: An beide Bedienkonzepte gewöhnt man sich innerhalb weniger Arbeitsstunden.

Als zusätzliches Sicherheitsfeature muss die Säge bei Husqvarna immer erst per Druckknopf eingeschaltet werden. Mit vier grünen Dioden informiert sie dann permanent über ihre Einsatzbereitschaft und den Ladezustand. Bei aktivierter Kettenbremse oder Überlastung blinkt daneben ein rotes Dreieck. Nach zwei Minuten Nichtbenutzung schaltet sie sich wieder ab. Auch dieser zusätzliche Knopfdruck wird von manchen schon als umständlich empfunden. Dem gegenüber ist die Stihl-Säge bei eingelegtem Akku eigentlich immer „scharf“. Das sehen andere Tester als Sicherheitsrisiko an. Als Baumkletterer würden wir in jedem Fall die 4-Punkt-Sicherheit der Huski bevorzugen. Auch der Batterieschacht bei Stihl musste schon einige Kritik über sich ergehen lassen. Weil der Akku von oben eingesteckt wird, kann dort natürlich auch Schmutz und Wasser eindringen. De facto handelt es sich dabei jedoch um Schönheitsfehler: Der Dreck fällt auch wieder raus und die Batteriepole sind entsprechend geschützt.

Foto: H. Höllerl
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Geschmackssache

Als Fazit lässt sich festhalten: Beide Sägen sind zu sehr guten Werkzeugen herangereift. Die Husqvarna punktet mit höheren Leistungsreserven und einer größeren Dynamik bei einem umfangreichen Sicherheitskonzept. Bei der Wartungsfreundlichkeit muss sie sich dagegen der Stihl geschlagen geben, die auch in der Anschaffung eine ganze Ecke günstiger ist. Bei der Entscheidung für das eine oder andere System muss der Kunde ja noch viel weiter denken: Mit den Akkus sollten sich ja nach Möglichkeit auch noch alle möglichen anderen Geräte betreiben lassen.

Nach dem Pegel im Kettenöltank muss man rechtzeitig schauen. Das Fenster der Husqvarna ist klein, der Füllstand aber leichter zu erkennen
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Die Reichweiten-

Angst schwindet

mit der Zeit
Heinrich Höllerl