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Zusatzqualifikation

Zusatzqualifikation Forstmaschinenführer

Das Niedersächsische Forstliche Bildungszentrum (NFBz) in Münchehof erprobt einen neuen Weg bei der Ausbildung von Forstmaschinenführern. Maßgeblich für die Fortbildung war viele Jahre lang das sogenannte Niedersächsische Modell, das die Arbeitsgemeinschaft forstwirtschaftlicher Lohnunternehmer (AfL) Niedersachsen 1999 zusammen mit dem NFBz entwickelt hat. Die Forstunternehmen stellen dabei – tarifvertraglich geregelt – einen jungen Forstwirt ein, der den praktischen Umgang mit Harvester, Forwarder und Seilschlepper im Betrieb erlernt. Die theoretischen Teile der Fortbildung und die Prüfung gemäß der 2009 eingeführten Bundesverordnung zum geprüften Forstmaschinenführer finden beim NFBz in Münchehof statt. Das aktuelle Problem dabei ist: Begannen früher jedes Jahr fünf bis acht Fahrer mit dieser Fortbildung, waren es zuletzt nur noch ein oder zwei.Das NFBz testet daher in Absprache mit der AfL Niedersachsen und der zuständigen Stelle eine Alternative. Sie entstand vor Jahren an der Waldarbeitsschule Kunsterspring in Brandenburg und wird heute z.B. auch in Sachsen-Anhalt angewandt. Bei diesem Modell wird die Forstmaschinenführer-Fortbildung in die Ausbildung zum Forstwirt integriert.Das macht in leicht abgewandelter Form nun auch das NFBz. An der „Zusatzqualifikation geprüfter Forstmaschinenfahrer“ können fünf bis zehn angehende Forstwirte ab dem zweiten Ausbildungsjahr teilnehmen. Den ersten Kurs dieser Art haben dieses Jahr sieben Azubis absolviert – sechs aus staatlichen Forstämtern, einer vom privaten Forstunternehmen Forstwirtschaft Wiegersen (Fowi).Wie NFBz-Arbeitslehrer Reinhard Mietschke erläutert, übernimmt die Schule mit ihren Großmaschinen und Simulatoren den gesamten praktischen Teil der Ausbildung, der beim Niedersachsen-Modell mit deutlich mehr Praxisstunden im Forstunternehmen stattfindet. Die sieben Teilnehmer haben in Münchehof zwei Wochen mit dem Seilschlepper gerückt, jeweils vier Wochen mit Forwarder und Harvester gearbeitet und haben sich weitere zwei Wochen mit der Theorie rund um die Betriebsorganisation und den umweltverträglichen Einsatz von Forsttechnik beschäftigt. Sie waren also zwölf Wochen länger am NFBz als ihre Azubi-Kollegen. Damit sie bei dieser Zusatzbelastung die Regelausbildung nicht vernachlässigen, sind gute Noten in der Zwischenprüfung und mindestens befriedigende Berufschulleistungen Voraussetzung für die Teilnahme. Außerdem ist wichtig, dass die jungen Leute ein Gefühl für die Arbeit mit Maschinen und die Kranbedienung mitbringen.Nächstes Jahr wird das NFBz die Zusatzqualifikation erneut anbieten. Nach den Prüfungen soll Ende 2016 entschieden werden, ob das Modell in Niedersachsen fest eingeführt wird oder nicht. Während die Zusatzqualifikation für staatliche Lehrlinge kostenfrei ist, erhebt das NFBz bei externen Teilnehmern Verwaltungskosten von 120 € pro Tag, insgesamt also 7 200 € – wenn alle Praxiszeiten gebucht werden. Die Forstunternehmer können das Maschinentraining auch im eigenen Unternehmen abwickeln. Außerdem erhalten sie beim Qualifizierungsfonds Forstwirtschaft (QfF) auf Antrag einen Zuschuss.

Oliver Gabriel

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