Waldschutz

Zur Situation der Kurzschwanzmäuse in Bayern

Nach der starken Massenvermehrung der Kurzschwanzmäuse (insbesondere der Rötelmäuse) im vergangenen Winter, befinden sich in diesem Herbst die Populationen von Erd- und Feldmäusen auf hohem Niveau. Das berichtet die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in ihrem aktuellen Blickpunkt Waldschutz 16/2020.

Es muss auch in diesem Winter lokal mit erheblichen Schäden vor allem in Laubholzkulturen gerechnet werden. Auch in stark vergrasten Nadelholzkulturen traten im vergangenen Jahr vereinzelt Schäden durch Mäusefraß auf.

Gefährdet sind nicht nur Acker- und Wiesenaufforstungen, sondern auch Wiederaufforstungen auf Kalamitätsflächen durch Sturm und Borkenkäfer. Gerade im Grenzbereich zu landwirtschaftlich genutzten Flächen besteht die Gefahr der Einwanderung von Feldmäusen in die Kulturen. Daher sind wiederholte Sichtkontrollen der gefährdeten Kulturen zu empfehlen. Vor einer Bekämpfungsmaßnahme muss nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis und dem integrierten Pflanzenschutz eine Prognose vor Ort durchgeführt werden.

Weisen aktuell frische Fraßschäden in deutlichem Umfang auf eine Gefährdung durch Kurzschwanzmäuse hin, können diese als ausreichende Prognose angesehen werden. Sie müssen hinreichend dokumentiert sein. Eine weitere Prognose durch Schlagfallen oder Steckhölzer kann in diesen Fällen entfallen.

Zur Dokumentation der Prognose und Bekämpfungsentscheidung hat die LWF zwei Arbeitshilfen erstellt, die auf der Websiete der LWF bereitgestellt werden.

Die Gefährdung von Forstkulturen durch Schermäuse lässt sich nicht überregional einschätzen. Eine Zunahme der gemeldeten Schäden wurde allerdings in den letzten Jahren deutlich. Sobald erste Anzeichen einer Besiedelung der Kulturfläche mit Schermäusen sichtbar werden, sollten nach einer „Verwühlprobe“ rechtzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Hinweise zur Rodentizid-Anwendung bei forstschädlichen Kurzschwanzmäusen

Alle derzeit zugelassenen Rodentizide haben Zinkphosphid als Wirkstoff. Mit Stand 30.11. 2020 sind das gegen Erd-, Feld- und Rötelmäuse (inkl. Zulassungsende):

  • Ratron Gift-Linsen Forst (30.4.22);
  • Ratron Gift-Linsen (30.4.22);
  • Ratron Giftweizen (30.4.22).

Zusätzlich gegen Feldmäuse:

  • Arvalin (30.4.22);
  • Arvalin Forte (30.4.22);
  • Giftweizen ArvaStop (30.4.22).

Gegen Schermäuse:

  • Detia Wühlmausköder Neu (31.12.21);
  • Ratron Schermaus-Sticks (30.4.25);
  • Wühlmaus-Köder (31.12.21);
  • Wühlmausköder Arrex (31.12.21);
  • WÜHLMAUS-KÖDER RATZIA (31.12.21);
  • Wühlmausköder WUELFEL (31.12.21).

Die Anwendungsbestimmungen zu diesen Mitteln finden Sie in der Online-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Zusammenfassung der Anwendungsbestimmungen

Behandlung zwischen dem 1.11. und dem 28.2.:

  • Die Einschränkungen bezüglich der Natura2000-Gebiete (NT802-1) und Rastplätze Zugvögel (NT803-1) sollten vorab mit der örtlich zuständigen Unteren Naturschutzbehörde (UNB) abgeklärt werden.
  • Für die Dokumentation der Behandlung in N2000-Gebieten (NT802-1) hat die LWF eine Arbeitshilfe entwickelt.
  • Auf der Internetseite des Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz finden Sie die Karten der Bayerischen Schutzgebiete.
  • Die LWF empfiehlt, die Auskunft der Naturschutzbehörde zu dokumentieren.

Behandlung zwischen dem 1.3. und 31.10.:

  • Die Anwendungsbestimmungen zu den Vorkommen von Feldhamstern (NT820-1), Haselmäusen (NT820-2) und Birkenmäusen (NT820-3) müssen berücksichtigt werden.
  • Ebenso die Festlegungen zu Natura2000-Gebieten (NT802-1) und Rastplätze Zugvögel (NT803-1).
  • Beide Themenbereiche sollten vorab mit der örtlich zuständigen UNB abgeklärt werden. Für die Dokumentation der Behandlung in N2000-Gebieten (NT802-1) hat die LWF eine Arbeitshilfe entwickelt.
  • Bei der Anwendung von geeigneten Köderstationen (NT680) zur Bekämpfung entfallen die Anwendungsbestimmungen NT802-1 (Natura2000-Gebiete), NT803-1 (Rastplätze Zugvögel) und NT820-1 (Feldhamster), da aufgrund der Anforderungen an die Köderstation (NT680) so weit wie möglich vermieden wird, dass die Köder für den Feldhamster und Vögel zugänglich sind.

Einweg-Köderstationen gelten nicht als geeignet, da sie nicht hinreichend stabil und witterungsresistent sind.

Fazit

  • Behandlungszeitraum 1.11. bis 28.2. – Anwendungsbestimmungen: Verwenden Sie geeignete Köderstationen (NT680). Dann sind Sie mit Blick auf die genannten Anwendungsbestimmungen auf der sicheren Seite.
  • Behandlungszeitraum 1.3. bis 31.10. – Anwendungsbestimmungen: Bei Verwendung geeigneter Köderstationen (NT680) noch die Anwendungsbestimmungen zu den Hasel- (NT820-1) und Birkenmäusen (NT820-3) beachten.
Quelle: LWF/Red.