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Zum Tode von Professor Siegfried Häberle

Siegfried Häberle ist am 17.6.2018 im Alter von 88 Jahren in Göttingen verstorben. Seine Studenten und vor allem seine Doktoranden verneigen sich vor ihm in Hochachtung und Dankbarkeit.

Siegfried Häberle konnte auf ein erfülltes und ausgesprochen erfolgreiches Wirken in der forstlichen Praxis, vor allem aber als Professor in Lehre und Forschung, zurückblicken. Er leitete nach Professor Dr. Strehlke den traditionsreichen Lehrstuhl für Waldarbeit und Forstmaschinenkunde und das gleichnamige Institut fast 31 Jahre lang.

Als Sohn des Realschullehrers Georg Häberle wurde er am 16. November 1929 in Mühlacker geboren und besuchte erst die Schule in Altensteig, Kreis Calw. Als sein Vater 1944 in Serbien als vermisst galt, zog seine Mutter mit vier Kindern nach Mössingen bei Tübingen. In Tübingen absolvierte er ein ausgezeichnetes Abitur und lernte seine spätere Frau Brunhilde Heberle als Klassenkameradin kennen. Vom Wintersemester 1949 bis zum Sommersemester 1951 studierte er Naturwissenschaften an der Universität Tübingen, wechselte dann nach Freiburg, um 1954 sein Studium der Forstwissenschaft mit der Hochschulschlussprüfung abzuschließen. 1953 hat er seine Klassenkameradin Brunhilde geheiratet. Sie teilte mit ihm viele Interessen und war kritische Partnerin seiner mathematischen Ausflüge. Für Doktoranden, die gastfreundlich eingeladen waren, gab es nach dem Essen obligatorische Übungen zum Kopfrechnen.

Die forstliche Referendarzeit leistete Siegfried Häberle im Forstdirektionsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern ab und beendete sie 1957 mit der großen Forstlichen Staatsprüfung. Nach zwei Jahren Tätigkeit als Forsteinrichter bei der Städtischen Waldinspektion Freudenstadt begann er als wissenschaftlicher Assistent am 1. April 1959 seine Arbeit am neu gegründeten Institut für Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Leiter des Instituts war Professor Steinlin. Dort steuerte er wesentlich den Institutsbetrieb mit und gewann wertvolle Erfahrungen in Forschung und Lehre.

Seine Dissertation „Die repräsentative Ermittlung des Zeitbedarfs als Grundlage einer Herleitung von Vorgabezeiten für den Holzeinschlag“ war richtungsweisend für seine spätere Tätigkeit. Die breite Anwendung mathematisch-statistischer Methoden in der forstlichen Arbeitswissenschaft war zur Zeit seiner Dissertation absolut Neuland in der Bundesrepublik und hat dazu beigetragen, diese Gedanken in der Fachwelt aufzugreifen und zu diskutieren. Diese Erkenntnisse waren auch Grundlage für meine Dissertation zur Ermittlung von Vorgabezeiten für einen neuen Hauerlohntarif (HET).

Von 1961 bis 1965 widmete sich Siegfried Häberle der forstlichen Praxis und übernahm die Leitung eines Forstamtes bei der Herzoglich-Württembergischen Hofkammer. Die Gestaltung forstbetrieblicher Arbeitsabläufe und die Beachtung der wirtschaftlichen und ertragsorientierten Ausrichtung des Betriebes steuerte er mit vielen innovativen Ideen. 1965 legte er seine Habilitationsschrift „Die deduktive Ermittlung von Richtzeiten für die Holzhauerei“ der Forstlichen Abteilung der Universität Freiburg mit außergewöhnlichem Erfolg vor. Sie gab wichtige Hilfen für die ökonomische Herleitung von fairen und gerechten Tarifen für die Holzernte.

Von 1965 bis 1967 war Siegfried Häberle Forstamtsleiter der Fürstlich zu Waldburg-Wolfegg‘schen Verwaltung und leitete mit Freude und neuen Ideen das Forstamt Waldsee.

Am 1. März 1967 wurde Siegfried Häberle als ordentlicher Professor für Forstliche Arbeitswissenschaft und als Direktor des Institutes für Waldarbeit und Forstmaschinenkunde berufen. Diese Berufung in altehrwürdiger Form hat ihn mit Stolz und Freude erfüllt, was er gelegentlich seine Doktoranden wissen ließ. Seine Vorlesungen waren anspruchsvoll, auf sehr hohem Niveau und verlangten von den Studenten hohe Konzentration, versprachen aber immer Gewinn. Über 30 Doktoranden hat er sehr kritisch, aber immer hilfsbereit zum Erfolg geführt. Mehr als 75 Publikationen mit hohem wissenschaftlichem Inhalt, aber immer auch mit dem Ziel der Verwertbarkeit in der Praxis, haben ihn und seine Themen deutlich über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht.

Auch die Fakultät und die Universität verdanken ihm viel. Er war dreimal Dekan. In seine Zeit fielen die 68iger Diskussionen, die er souverän mit den Studenten zum zeitnahen Ergebnis führte, was mir als Diskussionsteilnehmer den Abschuss meines ersten Hirsches brachte.

Der Umzug von Hann. Münden nach Göttingen fiel in seine Dekanatszeit, und seine akkurate Planung, bis auf die letzte Steckdose, wurde von der „Neuen Heimat“ mit Freude übernommen, und erst später gaben die „wohlwollend“ geplanten Räumlichkeiten auch noch anderen Platz. Die Eingliederung der Forstlichen Fakultät in den Agrarbereich konnte er argumentativ verhindern.

Daneben war Siegfried Häberle ehrenamtlich in zahlreichen Gremien und dem Kuratorium der Universität aktiv. Des Weiteren war er Geschäftsführer des Universitätsbunds Göttingen und mehr als 20 Jahre Mitglied seines Vorstands. Zusätzlich setzte er sich intensiv für die Belange der akademischen Selbstverwaltung ein.

Alle die Siegfried Häberle als talentierten, erfolgreichen Lehrer und Organisator kennen, werden ihn dankbar in Erinnerung behalten und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Dr. Volker Düssel, Ministerialdirigent a.D.

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