Forstpolitik

Zukunftsdialog – Strategie(n) für den Wald von Morgen

Bearbeitet von Jörg Fischer

Am Montag, dem 4. Juli, startete der „Zukunftsdialog Wald“ (ZDW), mit dem das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eine Neugestaltung der Waldpolitik plant. Was steckt dahinter?

Mit 4. Juli startete der „Zukunftsdialog Wald“ (ZDW). Aufbauend darauf soll die im Koalitionsvertrag vereinbarte Neugestaltung der Waldpolitik mit neuem Bundeswaldgesetz und neuer Bundeswaldstrategie umgesetzt werden. Geplant sei es, die neue Waldstrategie im Sommer 2024 im Kabinett zu beschließen. Ebenfalls im Sommer 2024 soll die Novelle des Bundeswaldgesetzes dem Kabinett vorgelegt werden. Diese beiden „zentralen waldpolitischen Meilensteine“ sollen dann den Rahmen und die Richtung für die langfristige Entwicklung der Wälder in Deutschland vorgeben. Ziel der Waldpolitik der Bundesregierung sei es, den Schutz und Erhalt der Wälder sowie die nachhaltige Nutzung weiter voranzubringen. Das teilte eine Sprecherin des Ministeriums auf Nachfrage der Redaktion mit.

Über 50 Verbände der Forst- und Holzwirtschaft, der Jagd, der Erholung, des Sports und des Umwelt- und Naturschutzes waren eingeladen, ihre Perspektiven einzubringen. Der Großteil der Organisationen sei der Einladung zum Zukunftsdialog auch gefolgt, so die Ministeriumssprecherin weiter.

Was hinter dem „Zukunftsdialog Wald“ steckt

Vor über 10 Jahren hat die Bundesregierung eine Waldstrategie beschlossen. Der Klimawandel hat sich seitdem zu einer Klimakrise ausgeweitet und bringt eine Waldkrise ungekannten Ausmaßes mit sich. Auch der Verlust an Biodiversität verschärft sich. Die Bundesregierung suche nun gemeinsam neue Wege, die in eine sicherere „Waldzukunft“ führen. Das BMEL hatte im letztem Jahr laut eigener Aussage mit der Arbeit begonnen und eine Waldstrategie 2050 als Ressortstrategie veröffentlicht. Dies geschah demnach allerdings ohne Diskussion und Abstimmung mit den anderen Bundesministerien und ohne Beschluss des Kabinetts. Wegen der wachsenden Herausforderungen lege das BMEL jetzt mit einer Strategie nach, die auf einem breiten Dialog mit den gesellschaftlichen Akteuren aufbaut und eine Strategie der Bundesregierung sein soll.

Walderhaltung nur mit Holznutzung!

Anlässlich der Auftaktveranstaltung zum ZDW meldete sich einer der geladenen auch gleich zu Wort. So stellt der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e. V. (DeSH) klar, dass die gleichrangige Bedeutung der Waldfunktionen nicht vergessen werden dürfe und warnt in diesem Zusammenhang davor, die Holzverwendung „zu Lasten der langfristigen Klimaziele“ zu schwächen. Aktive Waldpflege im Zusammenspiel mit einer nachhaltigen Holzverwendung sei die Grundlage dafür, sowohl unsere Wälder als auch eine klimafreundliche Wirtschaft und Gesellschaft zu erhalten.

DeSH-Geschäftsführerin Julia Möbus: „Die nachhaltige Verwendung heimischen Holzes ist für das Erreichen der Klimaziele von größter Bedeutung. Die Möglichkeit, langfristig CO2 in Produkten einzuspeichern und gleichzeitig klimaschädliche fossile und importierte Ressourcen zu ersetzen, wird vor dem Hintergrund dringend notwendiger Emissionsminderungen zur Schlüsseltechnologie. Voraussetzung dafür ist jedoch die aktive und nachhaltige Pflege und der Umbau unserer Wälder. In vielen Bereichen auf importierte Waren und Produkte angewiesen, verfügt Deutschland als eines der waldreichsten Länder Europas über die Möglichkeit, den Rohstoff Holz regional zu verarbeiten. Daraus erwachsen nicht nur enorme Potenziale für den Klimaschutz und eine ökologische Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft, sondern auch die Verantwortung diese zu nutzen. Für eine Waldpolitik der Zukunft muss das zugleich bedeuten, den Wald nicht isoliert zu betrachten, da er selbst auf schnelle und wirksame Maßnahmen in der Klimaschutzpolitik angewiesen ist. Im Zusammenspiel aller Waldfunktionen müssen wir deshalb wieder zu einem integrativen Konzept zurückfinden, in dem die Potenziale der Holzverwendung für die Zukunft genutzt werden können.“

Zu den waldpolitischen Vorhaben des BMEL

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Mit Material von BMEL und DeSH