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Zukunft der Wälder in Mecklenburg-Vorpommern

Zukunft der Wälder in Mecklenburg-Vorpommern

„Das Ziel der Forstpolitk in Mecklenburg-Vorpommern ist ein multifunktionaler Wald, der gleichzeitig und nachhaltig ökonomische, ökologische und soziale Funktionen erfüllt“, erklärte Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus auf der Tagung des Forstvereins Mecklenburg-Vorpommern und der Landesforst am 4. April in Ludwigslust. Unter dem Motto „Zukunft der Wälder in Mecklenburg-Vorpommern Aspekte der Nachhaltigkeit“ skizzierte der Minister das politische Leitbild einer nachhaltigen und naturnahen Forstwirtschaft.
An der 300 Jahre alten Leitidee des sächsischen Oberberghauptmanns Hans Carl von Carlowitz, nur so viel Holz zu schlagen, wie durch natürliche Verjüngung bzw. Wiederaufforstung nachwachsen kann, habe sich bis heute nichts geändert. Die Forstwirtschaft von heute verstehe den Wald als ein dynamisches System, das durch ständige Optimierung an die natürlichen (Klimawandel) und gesellschaftlichen Veränderungen (Verständnis der Waldbewirtschaftung, Flächenstilllegungsdiskussion, touristische Erschließung, Rohstoffbereitstellung) angepasst wird.
Ökologische Funktionen des Waldes
Insgesamt 540.000 ha Waldfläche gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Seit Mitte der 1990er Jahre konnte sie um etwa 500 ha pro Jahr vergrößert werden. Durch Waldumbau sind in den letzten Jahrzehnten rund 15.000 ha Nadelwälder mit Laubbäumen, überwiegend Buchen, unterpflanzt worden. Bis zum Jahr 2100 soll im Landeswald der Anteil der Laubbäume von derzeit etwa 40 % auf 56 % angehoben werden. Dieses hat unter anderem deutlichen Einfluss auf die Grundwasserneubildung. Die derzeit in der Umbauphase befindlichen Kiefern-Buchen-Mischbestände erbringen bereits jetzt eine Erhöhung der Grundwasserspende von mehr als 20 % gegenüber den reinen Kiefernwäldern.
Zu den ökologischen Funktionen des Waldes zählt der Minister auch die Kohlenstoffspeicherung. In den Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns sind nahezu 261 t Kohlenstoff je Hektar gespeichert (inkl. Boden). Für den deutschen Wald wird der Kohlenstoffvorrat auf rund 199 t/ha geschätzt.
Aktuell werden in Mecklenburg-Vorpommern etwa 30.000 ha Wald (5,5 % der Gesamtwaldfläche) einer natürlichen Entwicklung überlassen. Minister Backhaus: „Wir erfüllen damit als einziges Bundesland bereits heute die vom Bund in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt formulierte Zielsetzung, bis 2020 rund 5 % der Waldfläche einer natürlichen Entwicklung zu überlassen.“
„Die größten Probleme für den Erhalt der biologischen Vielfalt ergaben sich hier aus der Zurückdrängung des Waldes auf nur noch 23 % der Landfläche und durch die Fragmentierung dieses Waldes auf etwa 22.000 Waldinseln“, so der Minister weiter. Für viele typische Waldarten stelle daher die Vergrößerung und Vernetzung kleiner und isoliert liegender Waldbestände eine wichtige Erhaltungsmaßnahme dar.
„Ich bin froh, dass wir schon vor 10 Jahren ein gut durchdachtes Alt- und Totholzkonzept auf den Weg gebracht haben. Im Landeswald sind aktuell sogenannte Altholzinseln auf über 2000 ha ausgewiesen, ein Vorgehen, das bundesweit Beachtung und auch Nachahmung findet.“ So bleiben etwa 3,4 Mio. m³ Alt- und Totholz und damit 20 m³/ha bis zur natürlichen Zersetzung im Wald. Insgesamt gehören in Mecklenburg-Vorpommern 58 % des Waldes einer besonderen Naturschutzkategorie an.
 Ökonomische und soziale Komponenten des Waldes 
Der Holzeinschlag über alle Waldbesitzarten hinweg beläuft sich in Mecklenburg-Vorpommern auf etwa 2,0 Mio. m³ pro Jahr. Die im Land angesiedelte Forst- und Holzwirtschaft trägt mit über 5 % zum Umsatz der Gesamtwirtschaft und sogar mit etwa 13,4 % zum Umsatz des produzierenden Gewerbes bei. Im Land erzielen etwa 15.000 Menschen unmittelbar aus diesem Bereich ihr Haupteinkommen.
Die soziale Komponente des Waldes umschließt seine Rolle als Arbeits-, Erholungs- und Bildungsraum. „Durch das freie Betretungsrecht des Waldes in Mecklenburg-Vorpommern unabhängig von der Eigentumsform ermöglichen wir einen aktiven Beitrag zur Erholung eines jeden einzelnen in der Natur“, betonte der Minister.

LU Mecklenburg-Vorpommern

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