Holzindustrie, -verbände

Zimmerer stellen Forderungen an Politik

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Die Baubranche steht vor außergewöhnlichen Herausforderungen. Die Auftragsbücher sind voll, die Nachfrage ist groß und doch blicken viele Baubetriebe mit großer Sorge auf die kommenden Wochen und Monate. Der Grund ist ein massiver Mangel von Baustoffen und Materialien und infolgedessen exorbitante Preissteigerungen sowie lange Lieferzeiten. Betroffen sind beispielsweise Dämmstoffe, Folien, Abdichtungen und Holz. Letzteres stelle insbesondere Zimmerer und Holzbaubetriebe in der Region vor große Probleme.

Volle Auftragsbücher und fehlendes Baumaterial könnten die heimische Holzbaubranche jedoch nachhaltig schädigen und die 2018 ausgerufene Holzbau-Offensive der Landesregierung Baden-Württemberg unterlaufen fürchtet der Holzbau Baden e.V., nach eigenen Angaben der älteste Zimmererverband Deutschlands. Der Verband fordert: Politik und Wirtschaft müssen dringend handeln.

Situation schnell entschärfen

Anlässlich eines Treffens mit den Landtagsabgeordneten Reinhold Pix (Grüne), Dr. Patrick Rapp (CDU) und Alexander Schoch (Grüne), das der Verband zusammen mit proHolz Schwarzwald organisiert hatte, stellte das Präsidium Holzbau Baden e.V. folgende Forderungen an die Politik, um die Situation schnellstmöglich zu entschärfen:

  • Das Land Baden-Württemberg sollte als größter Waldbesitzer dringend dafür Sorge tragen, dass die Versorgung im eigenen Land mit dem Rohstoff Holz sichergestellt ist. Der Verkauf sollte nur an Akteure erfolgen, die unsere wertvolle Ressource nicht ins ferne Ausland verschiffen.
  • Auch private und kommunale Waldbesitzer sollten beim Verkauf Kunden bevorzugen, welche primär den heimischen Markt bedienen.
  • Wegen Trockenschäden in den letzten Jahren, musste viel Holz geerntet werden. Darum wird der Holzeinschlag nun durch das Forstschädenausgleichsgesetz gedrosselt, was die Situation weiter verschärft. Dieses Hemmnis sollte dringend aufgehoben werden.
  • Um zu verhindern, dass Schadorganismen verschifft werden, muss Rundholz vor dem Export begast werden. Dazu sind große Mengen Sulfuryldifluorid nötig. Ein Gas mit rund 5.000-fachem Treibhauspotential bezogen auf CO2. Allein 2019 kamen in Hamburg 200 t dieses Gases zum Einsatz. Eine Treibhauswirkung vergleichbar mit dem Jahresausstoß eines Kohlekraftwerks. Dieser Wahnsinn muss aufhören und reguliert werden.
  • Das große Schadholzaufkommen der letzten Jahre konnte der europäische Holzmarkt nicht aufnehmen. Ein Großteil wurde daher nach China exportiert. Holz, welches für konstruktive Zwecke ohne weiteres eingesetzt werden könnte, fehlt nun. Mit großen Nassholzlagern müssen zukünftig Rohstoffpuffer geschaffen werden, um Nachfragespitzen abfedern zu können.
  • Die Materialengpässe sorgen auf Baustellen für Verzögerungen, Lieferfristen können unverschuldet nicht eingehalten werden. Sanktionen belasten die Branche nun zusätzlich. Ein unverschuldeter Verzug darf vom Land nicht sanktioniert werden.
  • Bei künftigen Ausschreibungen des Landes zu Bauprojekten, dürfen die Bauunternehmer nicht das alleinige Risiko der starken Materialkostenschwankungen tragen. Eine Preisgleitklausel muss daher Anwendung finden.
  • Es ist unabdingbar notwendig, dass bei bestehenden Aufträgen und Verträgen mit der öffentlichen Hand eine Nachverhandlung der Materialpreise ermöglicht wird. Es ist nicht verantwortbar, dass die exorbitant gestiegenen Preise zu Lasten unserer Betriebe gehen, wie es derzeit der Fall ist.
  • Holzhäuser verursachen bei der Herstellung bis zu 50 % weniger CO2 als herkömmliche Gebäude und speichern zusätzlich rund eine Tonne CO2 je Kubikmeter. Um Mehrkosten im Hausbau durch die Holzpreisexplosion zu kompensieren, muss Bauherren daher ein zusätzlicher Anreiz geschaffen werden. Eine Förderung nach verbauter Masse, wie Sie bereits in München und Freiburg erfolgreich stattfindet, ist zwingend erforderlich!
  • Die Corona-Bedingt vereinfachte Kurzarbeiterregelung muss den Betrieben auch bis Ende 2021 zur Verfügung stehen, um vorübergehenden Engpässen besser begegnen zu können.

Wie der Verband erklärt, wollten die anwesenden Abgeordneten seine Forderungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen. Sollte sich an der angespannten Beschaffungssituation nicht ändern, drohe die Holzbau-Offensive Baden-Württembergs bald zu scheitern, so der Verband abschließend.

Quelle: Holzbau Baden e.V.