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Zickzack-Ulmenblattwespe erstmals in der Schweiz festgestellt

Die Zickzack-Ulmenblattwespe (Apoceros leucopoda) ist eine aus Ostasien stammende, invasive Pflanzenwespe aus der Familie der Bürstenblatthornwespen (Argidae). Seit 2003 verbreitet sie sich auch in Europa. Im Juni 2017 wurde sie erstmals in der Schweiz, im Kanton Zürich, an Bergulmen entdeckt.

Die erstmals aus Japan beschriebene und auch aus China bekannte Zickzack-Ulmenblattwespe wurde 2003 in Europa zuerst in Polen und Umgarn an verschiedenen Ulmenarten (Ulmus spp.) nachgewiesen. Inzwischen sind weitere Befallsherde in Europa bekannt. Die Larven können an Ulmen, unabhängig von deren Alter oder Standort, Kahlfraß verursachen. Es ist davon auszugehen, dass sich diese invasive Insektenart in Europa weiter ausbreitet und eine zusätzliche Belastung für die ohnehin schon durch das Ulmensterben, eine aggressive Pilzerkrankheit, bereits stark dezimierten Ulmen darstellt.

Aussehen. Das 6 bis 10 mm große adulte Weibchen besitzt dreigliedrige Fühler und ist bräunlich bis schwarz gefärbt mit bräunlich durchscheinenden Flügeln und hellen Beinen. Männchen dieser Art sind nicht bekannt. Die <1 mm großen Eier sind hellgrün und werden vom Weibchen einzeln am Blattrand abgelegt. Die Larve ist hellgrün, seitlich mit einem dunklen Streifen am Kopf und einem T-förmigen Makel am 2. und 3. Beinpaar. Sie durchläuft innerhalb von zwei bis drei Wochen sechs Larvenstadien (4 bis 10 mm). Im letzten Larvenstadium verpuppt sie sich in einem lose gesponnenen, netzartigen Sommer-Kokon (8 mm), der an der Unterseite des Blattes befestigt wird. Nur der Kokon der überwinternden Puppe ist kompakter und dickwandiger. Er findet sich an den herabgefallenen Blättern am Boden oder in der Streu.

Biologie und Befallsbilder. Die Art scheint sich ausschließlich ungeschlechtlich fortzupflanzen. Bisher wurden keine Männchen beobachtet. Die Weibchen legen bis zu 50 Eier einzeln am Blattrand ab. Nach knapp einer Woche schlüpfen daraus die Larven. Anfangs ist der namengebende, typische Zickzackfrass der jungen Raupen am Blatt zwischen den Seitennerven der Blätter erkennbar – vom Rand in Richtung Mittelnerv. Ältere Larven fressen das gesamte Blatt mit Ausnahme des Mittelnerves auf und zerstören so den charakteristischen Zickzack-Fraßgang der frühen Larvenstadien. Durch fortschreitenden Fraß können die Larven eine starke Kronenverlichtung bis hin zum Kahlfraß verursachen. Insgesamt werden in einem Zeitraum von zwei bis drei Wochen sechs Larvenstadien durchlaufen. Die Verpuppung der Larven erfolgt in einem lose gesponnenen, netzartigen Kokon auf der Blattunterseite. Lediglich der Überwinterungskokon ist fester gesponnen. Dieser überwintert dann an den Blättern anhaftend am Boden oder in der Streu. Der gesamte Zyklus von der Eiablage bis zum Schlüpfen der Weibchen der neuen Generation dauert lediglich einen Monat. Sowohl im Freiland wie auch in Laborversuchen hat sich gezeigt, dass die Zickzack-Ulmenblattwespe bis zu vier Generationen pro Jahr bilden kann. Die Imagines schlüpfen kontinuierlich von Mitte Mai bis Mitte September.

Wirtspflanzen. Es können alle Ulmenarten befallen werden – auch Zuchtformen. Berg- und Feldulmen werden in Europa offenbar bevorzugt befallen, Flatterulmen dagegen weniger. Auch diejenigen Ulmen, die als resistent gegen das Ulmensterben gezüchtet worden sind, werden von der Zickzack-Ulmenblattwespe befallen.

Mögliche Quellen. Die Zickzack-Ulmenblattwespe stammt ursprünglich aus Ostasien und wurde vermutlich mit Pflanzenimporten von dort nach Europa eingeschleppt. Eine Verbreitung erfolgt aber wahrscheinlich nicht nur über befallene Jungbäume, auch befallene Pflanzenteile wie Zweige, Blätter oder Erde stellen ein Gefahrenpotenzial dar.
In Europa lässt sich kein Befallszentrum oder eine bestimmte Ausbreitungsrichtung feststellen. In relativ kurzer Zeit trat die Art punktuell in weit voneinander entfernten Gebieten auf. Die natürliche Verbreitung der Art wird zwischen Mai und September durch das ausgezeichnete Flugvermögen der Tiere forciert. Außerdem werden die Tiere vermutlich auch passiv mittels Verkehr verbreitet, da die Zickzack-Ulmenblattwespe oft entlang von Straßen zu beobachten ist. Es könnte aber auch daran liegen, dass früher Ulmen oft entlang von Straßen als Begleitgehölze in Reihe gepflanzt wurden. Zusätzlich wird eine passive Verdriftung durch Wind vermutet.

Schadenpotenzial und Maßnahmen

Die Larven dieser invasiven Art fressen an den Blättern von Ulmen und können durch fortschreitenden Frass schon bis zum Sommer eine starke Kronenverlichtung von 75 bis 100 % verursachen. Neu gebildete Ersatztriebe werden ebenfalls wieder befallen, was in der Regel zum Absterben der betroffenen Zweige und Äste führt. Mehrjähriger Fraß schwächt die Baumvitalität und macht den Baum somit anfälliger gegen Sekundärschädlinge. Das Absterben ganzer Bäume aufgrund dieses Schädlings wurde bisher noch nicht beobachtet. Schäden durch die Zickzack-Ulmenblattwespe wurden sowohl in Wäldern, als auch im Siedlungsgebiet in Gärten und entlang von Straßen beobachtet, wo Ulmen als Zier- oder Alleebäume gepflanzt sind.

Gegenmaßnahmen können nur begrenzt getroffen werden. In Gärten, Parkanlagen oder Öffentlichem Grün kann im Herbst das abgefallene Laub mit den anhaftenden Winterkokons zusammengeharkt und vernichtet werden.
Aufgrund der ungeschlechtlichen Entwicklung besitzt die Art eine rasche Generationenfolge, die bis zu 4 Generationen pro Jahr zulässt. Ein Pestizideinsatz ist nicht angezeigt. Entsprechende Versuche dazu in anderen Ländern waren nicht erfolgreich. Zudem besitzt die invasive Art ein ausgezeichnetes Flugvermögen, was ihre Ausbreitung sicher ebenfalls begünstigt. Die natürliche Ausbreitungsgeschwindigkeit beträgt nachweislich zwischen 50 bis 90 km pro Jahr. Darüber hinaus wird sie auch durch den Menschen über größere Distanzen verschleppt. Der Einsatz spezifischer Parasitoide mit geringem Wirtsspektrum könnte erfolgreich sein. Allerdings steckt die Forschung hier noch in den Anfängen. Findet man den typischen Zickzackfrass und die Kokons auf den Ulmenblättern, ist beine Verwechslung mit anderen Arten kaum möglich. Unspezifischer Lochfrass kann aber auch durch einige andere Insekten wie z.B. Frostspannerraupen verursacht werden.

Auftreten in Europa

Im Jahr 2003 wurde diese invasive Insektenart erstmals in Europa entdeckt. Die Erstfunde stammen aus Ungarn und Polen. Mittlerweile ist die Blattwespe aus 18 europäischen Ländern bekannt (EPPO Alert List). Nachdem zuerst Länder in Osteuropa (Ungarn, Polen, Rumänien) besiedelt wurden, kam es 2009 zum Erstnachweis in Österreich und Italien sowie 2011 in Deutschland. Weitere europäische Länder folgten.

Originalartikel: Hölling, D. (2017): Zickzack-Ulmenblattwespe erstmals in der Schweiz festgestellt. www.waldwissen.net

Doris Hölling, WSL

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