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Diese Damen und Herren stellten auf der Holzmesse Klagenfurt das neue Zertifikat für die Forstunternehmer in Österreich vor

Zertifikat für österreichische Forstunternehmer

Der Konsument will guten Gewissens vermeintlich sauber und nachhaltig produzierte Holzprodukte kaufen. Das soll der Handelsbetrieb bestätigen. Der seinerseits schiebt die Verantwortung für diesen Anspruch immer weiter zurück bis an den Urproduzenten. Nun ist scheinbar die Zeit gekommen, dass auch die Forstunternehmer in Österreich in die Kette der Verantwortlichen eingeflochten werden. Will er in zertifizierten Wäldern arbeiten. Das ist in Österreich auf fast der Hälfte der Waldfläche der Fall. Also bleibt großen Betrieben wohl nichts anderes übrig, als eine solche Anerkennung anzustreben.

Vorgestellt in Klagenfurt

Wie das in Zukunft in Österreich ablaufen soll, erklärte Nikolaus Nemestothy von der FASt Ort bei den „Innovationsimpulsen Forst und Technik“ auf der Holzmesse Klagenfurt. Die Ausbildungsstätte, genauer gesagt der Fachbereich Forsttechnik, wird diese Zertifizierung abwickeln. Ein Fachbeirat soll die Arbeit und etwaige Streitfälle bearbeiten. Damit stelle man Unabhängigkeit und Unparteilichkeit sicher.

Der Unternehmer stellt selbst und freiwillig den Antrag. Es folgen Besprechungen, das Sammeln von Unterlagen, das Offenlegen von Teilen der Firmenbücher. Auftragsflächen werden besichtigt, Auftraggeber und Arbeitnehmer befragt, Lohnzettel geprüft, die Maschinen begutachtet. Ein fachlich versierter Auditor (Prüfer) aus der Branche soll das erledigen. Im idealen Falle gibt es keine Beanstandungen und das Zeugnis wird ausgestellt. Das gilt für fünf Jahre. Bei großen Unternehmen schaut ein Prüfer jährlich neu vorbei, um Nachlässigkeiten zu entdecken und im gegebenen Falle mit dem Entzug der Bescheinigung zu drohen. Dass der Betrieb die Bescheinigung hat, macht er auf dem Firmenpapier und mit Aufklebern auf den Maschinen der Umwelt kenntlich, so er denn will. Kleinbetriebe können in Gruppen geprüft, die Zwischentests in Stichproben abgehalten werden.

Prüfkriterien

Großen Wert legt die FASt Ort auf die Mitarbeiter der Holzernteunternehmen, deren korrekte Anmeldung, Bezahlung und Ausbildung. Ungelernte Kräfte an der Motorsäge und ohne Schutzausrüstung führten sofort zum Abbruch des Verfahrens und Sperre der Antragsmöglichkeit auf gewisse Zeit. Leichte Mängel könnten ohne Beeinträchtigung des Verfahrens bereinigt werden. Auch Bioöl in den Maschinen ist ein Kardinalpunkt. Hier gibt es eine Einschleifregelung: Nicht umölbare Maschinen dürfen von zertifizierten Unternehmern in zertifizierten Wäldern bis 2028 arbeiten. Dann ist Schluss und sie müssen verkauft werden. Denn nur Teile der Firma zu prüfen, geht nicht. Ausgenommen sind nur saisonal eingesetzte landwirtschaftliche Traktoren, bei denen ja die Gefahr der Ölverseuchung durch verschiedene Anbaugeräte besteht. Weitere wichtige Prüfpunkte sind klare Auftragserklärung, Absicherung des Einsatzortes, Vorbereitung der Rettungskette, neuester Stand der Sicherheitseinrichtungen, Prüfbuch der Maschinen und Zertifizierung der Subunternehmer.

Die Kosten

Das alles kostet Gebühren. Da die FASt Ort als Amt fungiert, ist es nicht auf Gewinn ausgerichtet. Trotzdem will die Organisation Zugriff aufs Firmenkonto, um vierteljährlich den Beitrag abbuchen zu können. Eine Vorabdarstellung der Kosten zeigt, dass der Unternehmer mit Kosten zwischen 5 Ct/Fm als Kleinbetrieb und 1 Ct/Fm als Großunternehmen rechnen muss. Die Berechnung erfolgt nach der Maschinenausstattung und deren angenommener Jahresleistung. Damit scheint die österreichische Lösung billiger als die deutschen Forstunternehmerzertifikate zu sein. Nachbemerkung: Sollte am Jahresende ein Überschuss erwirtschaftet werden, kommt das in Weiterbildung und Schulung für Mitarbeiter und Führungskräfte der zertifizierten Betriebe zugute, wie Nemestothy erläuterte.

Bessere Marktchancen

Nemestothy ging gar nicht auf die Tatsache ein, dass diese Bescheinigung nur für das ruhige Gewissen der Konsumenten sorgt. Viel mehr wies er darauf hin, dass ein Zertifikat das Ansehen der Waldarbeiter und Unternehmer verbessere, die Marktchancen des Unternehmens durch Veröffentlichung im Internet erhöhe, Sicherheit für die Auftraggeber bedeute und hochwertige Arbeitsplätze im ländlichen Raum schaffe. In Summe soll das ZÖFU (Zertifikat Österreichischer ForstUnternehmer) die Konkurrenzfähigkeit des Betriebes sozial und ökologisch erhöhen.

Weitere Auskünfte unter: www.zoefu.at

Anton Friedrich

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