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„Zecke ist das gefährlichste Tier Deutschlands“

„Zecke ist das gefährlichste Tier Deutschlands“

Kein anderes Tier in Deutschland verursache jährlich so viele Erkrankungen wie die Zecke, so das Resümee der Pressekonferenz zum 1. Süddeutschen Zeckenkongress am 21. und 22. März 2012 an der Universität Hohenheim. Lyme Borreliose und die gefährliche Hirnhautentzündung FSME seien nur zwei bekannte Krankheiten der winzigen Blutsauger. Der wirksamste Schutz gegen FSME bleibt die Impfung, so die Ansicht aller Teilnehmer.
In Österreich konnte die Zahl der FSME-Erkrankungen so um 90 % gedrückt werden. In Deutschland entwickelt sich Baden-Württemberg zur Hochburg dieser Erkrankung. Das Sozialministerium empfiehlt deshalb flächendeckend die Impfung ab dem 1. Geburtstag. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Im 10 Jahres-Vergleich hat die Zahl der Erkrankungsfälle in Deutschland, Polen, Tschechien und Skandinavien signifikant zugenommen“, so Prof. Dr. Jochen Süss vom Friedrich-Loeffler-Institut in Jena. Heute gäbe es Zecken mit FSME-Erregern in 27 europäischen Ländern. Und die Ausbreitung nähme zu: In den vergangenen drei Jahren entstanden bzw. wurden neu entdeckt neue Risikogebiete in Österreich, Deutschland, der Slowakei, Estland, Finnland, Schweden, Russland und der Schweiz.
 
In Deutschland führt das Land Baden-Württemberg die Krankheits-Statistik an, dicht gefolgt von Bayern. Bundesweit gälten 137 von 440 Stadt- und Landkreisen als Risikokreise. Doch auch in sogenannten Nicht-Risiko-Gebieten träten inzwischen 5 % aller Krankheitsfälle auf.

„In Risikogebieten sind etwa 2 % der Zecken mit FSME befallen. Jede Dritte Infektion führt beim Menschen zur Erkrankung. Praktisch bedeutet das, dass jeder 50ste bis 100ste Zeckenbiss zur Erkrankung führt“, erläuterte Prof. Dr. Reinhard Kaiser, Chefarzt der Neurologie-Klinik in Pforzheim. Schwere Verläufe einer FSME hinterließen in mehr als der Hälfte der Betroffenen Dauerschäden mit nachfolgender Berufsunfähigkeit. Neue Studien haben gezeigt, dass drei Jahre nach der akuten Erkrankung kaum noch mit einer Besserung der Beschwerden zu rechnen ist.

Fuchs, Reh und Wildschwein als Alarmanlagen

Neue Wege, Risikogebiete schneller und einfacher zu erkennen, stellte Prof. Dr. Ute Mackenstedt vor. Die Parasitologin der Universität Hohenheim forscht seit Jahren zur Biologie der Zecke und ist Organisatorin des 1. Süddeutschen Zeckenkongress. Eine Möglichkeit sei, Füchse und andere Wildtiere auf FSME-Erkrankungen zu untersuchen. „Im Naturzyklus der Zecken dienen Wildtiere als sogenannte Reservoir-Wirte“, erläuterte Mackenstedt. Risikogebiete ließen sich leichter identifizieren, wenn erlegte Wildtiere konsequent auf Antikörper gegen FSME untersucht würden – „ein Verfahren, das wesentlich weniger aufwändig und viel erfolgreicher ist, als die FSME-Viren in der Zecke selbst nachzuweisen.“ Daneben arbeitet die Zecken-Expertin mit weiteren Fachkollegen der Universität Hohenheim an mehreren Verfahren zur biologischen Zeckenbekämpfung (Würmer, Pilze oder Schlupfwespen, die die Tiere von Innen zersetzen).
 

 

Mehr Infos zum 1. Süddeutschen Zeckenkongress

 
Universität Hohenheim

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