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WWF-Studie: Wie viel Holz (ver-)brauchen wir?

Bearbeitet von Carolin Föste

Weltweit wird mehr Holz verbraucht, als nachhaltig produziert werden kann. Das geht aus einer neuen Studie über den Holzverbrauch hervor, die den Ruf von Holz als nachhaltiges „Allheilmittel“ auf die Probe stellt. Wie sollte Holz denmach genutzt werden?

Bis zu zwei Mrd. m³ Holz werden jedes Jahr zu viel entnommen, die Holznutzung überschreite damit die Grenze, bei der die Biodiversität im Wald in Mitleidenschaft gezogen wird, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung zu der Studie. Das wiederspricht den Prinzipien der Nachhaltigkeit, nachdem Forstleute in Deutschland wirtschaften. Denn es sollte nicht mehr Holz entnommen werden, als nachwächst. Dennoch sei der Bedarf an Holz zu groß. Anhand von Daten aus Satellitenbildern, Handelsströmen und internationalen Verbrauchs- und Waldstatistiken kam der WWF (World Wide Fund For Nature) gemeinsam mit dem Center for Environmental Systems Research der Universität Kassel zu diesem Ergebnis.

Sollten wir mehr oder weniger Holz nutzen?

Holz kann viele klimaschädlichere Alternativen ersetzen: Beton beim Bau, Plastik bei Verpackungen, Kohle und Gas beim Heizen. Und das ist nur ein Auszug der vielen Produkte, die weltweit in großen Mengen genutzt und durch Holz ersetzt werden können. Daher fordern Verbände der Holz- und Forstwirtschaft, Holz künftig vielfältiger zu nutzen und die Potenziale mehr auszuschöpfen. Auf dem Weg, die Klimaziele zu erreichen, fordert der WWF nun, den Holzverbrauch einzuschränken. Holz dürfe nicht automatisch als nachhaltig eingestuft werden. Besonders die energetische Nutzung sei zu hinterfragen.

In Deutschland übersteige die Holznutzung das weltweite Mittel um das doppelte, beschreibt der WWF. Rund 1,2 m³ Holz werde hier pro Kopf verbraucht, weltweit seien es nur 0,5 m³. „Besonders die energetische Nutzung von Holz, also zum Heizen und zur Energieerzeugung, frisst ein massives Loch in die Waldbestände“, sagt Dr. Susanne Winter, Programmleiterin Wald beim WWF. Es gebe zu wenig Holz, um den aktuellen Energiebedarf zu stillen. Die Verfasser der Studie fordern daher mehr Diskurs in der Frage, wie Holz sinnvollerweise genutzt werden sollte.

Zu hoher Holzverbrauch in Deutschland

In Deutschland wird aufgrund nachhaltiger Waldbaukonzepte weniger Holz geerntet als nachwächst. Bei einem Zuwachs von 122 Mio. m³ im Jahr 2021, wurden nur 83 Mio. m³ Holz entnommen, das zeigen die Ergebnisse der Studie sowie Angaben vom Statistischen Bundesamt (Destatis). Dennoch beschreibt der WWF, dass in Deutschland deutlich mehr Holz verbraucht wird, als wir aus eigener Waldwirtschaft generieren.

Mit einem „Holz-Fußabdruck“, wie es in der Studie heißt, von 133 Mio. m³ sei das Land von Holzimporten abhängig und verbrauche mehr als im eigenen Wald nachwächst. Um diese Problematik zu lösen, verweisen die Autorinnen und Autoren auf effizientere Nutzungsformen von Holz.

Ist Holz-Recycling eine nachhaltige Lösung?

Um das geerntete Holz also nachhaltiger einzusetzen, müsse die Kreislauf- und Kaskadennutzung mehr zum Einsatz kommen: „Hierfür muss die Bundesregierung den gesetzlichen Rahmen setzen. Unterstützend notwendig sind Investitionen in den Aufbau der Infrastruktur, zum Aufbau von Know-how und zur Bewusstseinsbildung für hochwertiges Recycling sowie zur stofflichen Weiterverwendung von Holzabfällen“, so Winter.

Dr. Meghan Beck-O´Brien vom Center for Environmental Systems Research der Universität Kassel ergänzt: „Mehr als je zuvor gibt diese Studie uns den Anlass, unseren Lebensstil, den Zustand der Wälder und den Klimawandel in einem sich gegenseitig beeinflussenden Kontext zu betrachten. Die Kluft zwischen Holzangebot und Nachfrage wächst allein schon durch das Bevölkerungswachstum weiter. Wir müssen achtgeben, dass unsere unersättliche Nachfrage nach „nachhaltigen“ Holzprodukten nicht zu einer noch gravierenderen Übernutzung der Wälder führt, denn das geht mit großen Sozial- und Umweltrisiken einher.“

Mit Material des WWF, Destatis