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Oberforstdirektor i.R. Wulf Böhmcker

Wulf Böhmcker vollendete 90. Lebensjahr

Am 20. Mai 2019 vollendete Oberforstdirektor i.R. Wulf Böhmcker sein 90. Lebensjahr. Geboren und aufgewachsen in Lübeck, leistete er dort im Anschluss an das Abitur seine einjährige forstliche Lehrzeit ab. Sein Studium absolvierte er an der forstlichen Fakultät der Universität Göttingen in Hannoversch Münden und für ein Semester an der ETH in Zürich (1950 bis 1954). Nach seinem Staatsexamen wurde er 1957 in den Landesdienst Schleswig-Holstein übernommen und mit der Durchführung mehrerer Aufforstungsprojekte betraut.

Im Alter von 32 Jahren wechselte er in die Waldgesellschaft der Riedesel Freiherren zu Eisenbach im hessischen Lauterbach und übernahm am 1. Februar 1962 die Leitung des Privat-Forstamtes Ziegenberg. Bereits ein Jahr später wurde er Leiter und Forstdirektor der gesamten Riedeselschen Forsten. 1972 wurde er obendrein zum Geschäftsführer der Firma Sämtliche Riedesel Freiherren zu Eisenbach (Industriebetriebe) OHG und gleichzeitig zum Vorsitzenden der Geschäftsleitung für alle Betriebe bestellt. In 32 Jahren forstlicher Tätigkeit hat Wulf Böhmcker den Wald des Hauses Riedesel tiefgreifend geformt und aus einer Forstverwaltung ein modernes und leistungsfähiges Forstunternehmen aufgebaut. Neben einer heimatnahen sukzessiven Vermehrung des Waldes baute er zusätzlich in den Vereinig­ten Staaten (Georgia) die Riedesel Forest Company mit rund 3.000 ha Wald auf. Auch brachte er achtzehn private Forstbetriebe zur Holzerzeugergemeinschaft Vogelsberg mit rund 50.000 ha Wald zusammen, um gemeinschaftlich und gebündelt Industrieholz zu verkaufen.

Forstbetriebliches Kerngeschäft

Holzmarkt war für Wulf Böhmcker forstbetriebliches Kerngeschäft und persönliche Leidenschaft. Die Wertschätzung und Freundschaft mit vielen Käufern beweist den Erfolg dieser regen Verkaufstätigkeit. Er handelte immer nach der Maxime, dass ein Kaufmann nur mit Zuverlässigkeit und Ausgewogenheit von Leistung und Gegenleistung auf Dauer erfolgreich sein kann. Nicht umsonst hatten seine Beiträge im Holzmarktausschuss des Deutschen Forstwirtschaftsrates, dem er jahrzehntelang als Mitglied und zeitweise auch als stellvertretender Vorsitzender für die AGDW angehörte, immer starkes Gewicht. Sein Werk war ferner in seiner Epoche das hierzulande größte private Dienstleistungsunternehmen für den Einsatz von Forstmaschinen zur Schwachholzernte und zum Entrinden. Aus der Fülle seiner erfolgreichen Arbeit können nur wenige weitere Beispiele genannt werden: Wulf Böhmcker war längere Zeit Vorsitzender des Fachausschusses EDV beim Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF), was den Prozess einer voll integrierten Datenverarbeitung im eigenen Betrieb beschleunigt hat. Unter seiner Ägide schloss das Haus Riedesel 1988 mit dem Land Hessen den ersten Vertrag über freiwilligen Naturschutz (Vertragsnaturschutz) ab. So wurden zahlreiche Einzelbiotope, Naturdenkmäler und Naturschutzgebiete als Folge dieser Verpflichtung auch ohne hoheitliche Maßnahmen auf privatem Wege geschützt und fortentwickelt.

Darüber hinaus hat Wulf Böhmcker den sogenannten „Freundeskreis“, ein auf Betriebsvergleich basierender Arbeitskreis des größeren Privatwaldes, maßgeblich geprägt. Viele Jahre hat er diesen als „Oberfreund“ geleitet. Weit über den Ruhestand hinaus greifen nach wie vor viele seiner Freunde und Bekannten auf seinen klugen und weisen Rat, fußend auf seine profunde Erfahrung, zurück. Und schließlich nicht zu vergessen ist die auffallend lange Liste von jungen Forstleuten, die Wulf Böhmcker beruflich begleitet und gefördert hat.

Forstwirtschaftliches Beratungsunternehmen

Nach seiner Pensionierung gründete er Mitte der 90-Jahre das forstwirtschaftliche Beratungsunternehmen Böhmcker Consulting. Zu den wesentlichen Beratungsmandaten zählten die BVVG, für die er als Mitglied des Beirates die Privatisierung des ehemaligen volkseigenen Staatsforstes der DDR mit gestaltete, sowie die Fürstin Gloria Thurn und Taxis, die er nach dem Tode ihres Mannes langjährig beraten hat.

Schließlich ist noch zu erwähnen, dass ihm wegen seines herausragenden Engagements in der deutschen Forstwirtschaft das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen worden ist und er seit 1995 Träger der Heinrich Christian Burckhardt Medaille ist, die seit 1954 von der Forstlichen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen für Verdienste um die Forstwissenschaft und deren praktische Anwendungen verliehen wird.

Waldbauliches Fingerspitzengefühl und Geschick einerseits sowie Menschenkenntnis und unternehmerischer Weitblick andererseits bildeten die Grundlage für den außerordentlichen Erfolg des Jubilars.

Heute kümmert sich Wulf Böhmcker in immer noch beachtlicher körperlicher Frische sowie geistiger Lebendigkeit und mit tatkräftiger Unterstützung seiner sympathischen Frau Barbara sowie mit zunehmender Hilfe ihrer beiden Söhne Hans-Christian und Alexander um den eigenen Wald in Zillbach (Südthüringen) und in Georgia (USA). Uns bleibt der herzliche Wunsch für noch viel erfüllende und geschenkte Zeit mit seiner Familie und seinem immer noch großen Freundeskreis.

Mark von Busse, Dr. Uwe Meyer

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