Forstbetrieb

Wolfs-Rissbegutachtung: LWK-Forstleute für Wald, Wild und Nutztiere

Bearbeitet von Carolin Föste

Wenn Wölfe Nutztiere auf der Weide verletzt oder getötet haben, werden ab dem 1. Februar 2022 Fachkräfte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) die Tierbesitzenden unterstützen, damit diese möglichst schnell entschädigt werden können. Damit unterstützt sie das Wolfsmanagement.

Nutztierhaltende, die auf ihrer Weide verletzte oder tote Tiere finden, melden dies der für das Gebiet zuständigen LWK-Bezirksförsterei. Die Försterin oder der Förster begutachtet die Schäden vor Ort und fertigt bei entsprechenden Spuren eines Wolfsangriffs ein Rissprotokoll an. Dieses bildet die Grundlage für die Entschädigung der Betroffenen.

Wie läuft eine Rissbegutachtung weiter ab?

Genproben werden weiterhin genommen, um zu bestimmen, zu welchem Rudel die jeweiligen Wölfe gehörten. In der Regel sei künftig jedoch das Rissprotokoll der Forstleute für den Ausgleich der finanziellen Schäden ausschlaggebend, nicht das Ergebnis der zeitaufwändigen Laboranalyse. Dies soll das Verfahren der Entschädigung deutlich beschleunigen.

„Durch die gute Ausbildung, die auch Zoologie, Ökologie und Wildbiologie umfasst, ist unser Personal für diese Aufgabe gut vorbereitet“, sagt Rudolf Alteheld, Leiter des Geschäftsbereichs Forstwirtschaft bei der LWK. „Zusätzlich durchlaufen alle Försterinnen und Förster eine mehrtägige veterinärmedizinische Schulung, damit sie die durch Wölfe verursachten Rissspuren und sonstige Hinweise zielsicher erkennen können.“

Hilfe für Nutztierhaltende im Netz

Welche Bezirksförsterei der LWK im Ernstfall für sie zuständig ist, erfahren Nutztierhaltende im Internet unter bit.ly/foerstereien. Auf der LWK-Internetseite ist eine interaktive Karte mit den Kontaktdaten aller regionalen Forst-Dienststellen zu finden. Außerdem soll es eine zentrale Telefonnummer geben, die niedersachsenweit die Erreichbarkeit sicherstellt.

„Durch die genaue, örtliche Abgrenzung der Forstbezirke und der Forstämter ist die Zuständigkeit klar geregelt – Gleiches gilt für die Erreichbarkeit etwa auch an Wochenenden“, so Alteheld.

Warum übernimmt die LWK diese Aufgabe?

Bisher nahmen die vom Wolfsbüro im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) aus koordinierten Wolfsberaterinnen und -berater die Rissbegutachtung vor. „Viele der Ehrenamtlichen haben die wichtige und oft belastende Arbeit der Nutztierrissaufnahme sehr gern gemacht – um die Koexistenz mit dem Wolf zu ermöglichen und um die Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter nach Kräften zu unterstützen“, sagt Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies. Und weiter: „Angesichts einer wachsenden Wolfspopulation nimmt aber auch der Bedarf an allgemeiner Aufklärung zum Thema Wolf und der Beratung der Bevölkerung, zum Beispiel bei Nahbegegnungen, stetig zu. Denn die Erfahrung zeigt, dass Betroffene vor allem schnelle Antworten erfahrener Expertinnen und Experten erwarten. Auch beim Monitoring, also der Gewinnung von Daten über den Wolf, wollen wir zukünftig noch mehr auf die Expertise der Wolfsberaterinnen und Wolfsberater zurückgreifen. Die Betreuung der Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter nun komplett in die Hände der Kammer zu legen, ist zehn Jahre nach Rückkehr der Wölfe der konsequente und richtige Schritt in der Entwicklung des Wolfsmanagements.“

Die Übertragung der Rissbegutachtung wertet die LWK als Bestätigung, dass ihre bisherigen Dienstleistungen beim Wolfsmanagement vom Land als erfolgreich bewertet würden.

Forstleute leisten Waldbetreuung und Herdenschutz

Seit Anfang 2020 kümmert sich die LWK bereits um die Abwicklung von Präventionsanträgen zum Herdenschutz vor Wolfsangriffen sowie um die Gewährung von Billigkeitsleistungen zum Ausgleich finanzieller Schäden bei Wolfsrissen. Allein im vergangenen Jahr konnten den Weidetierhaltenden rund 4,6 Millionen Euro für die Anschaffung wolfsabweisender Zäune zugesprochen und 3,5 Millionen Euro für bereits durchgeführte Maßnahmen ausgezahlt werden. Festgestellte Wolfsrisse wurden mit 117.000 Euro kompensiert. Außerdem informieren Beraterinnen und Berater der LWK Nutztierhaltenden vor Ort über Möglichkeiten des Herdenschutzes.

Um den zusätzlichen Aufwand durch die Rissbegutachtung leisten zu können, bekommen die Dienststellen in Regionen mit vielen Übergriffen zusätzliches Fachpersonal. „Damit stellen wir sicher, dass wir die Beratungs- und Betreuungsarbeit für unsere Waldbesitzenden weiterhin in der gewohnten Qualität leisten können“, hebt Alteheld hervor.

Quelle: LWK Niedersachsen