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Dr. Wolfgang Stagl

Wolfgang Gregor Stagl verstorben

Tief betroffen gibt das österreichische Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) die Nachricht vom Ableben unseres pensionierten Kollegen und langjährigen Abteilungsleiters, Hofrat Dr. Wolfgang Stagl, der am 25. Juni nach schwerer Krankheit im 79. Lebensjahr in Wien verstorben ist.

Wolfgang Stagl wurde während des Zweiten Weltkrieges in Klagenfurt geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Nach einem Forstpraktikum bei der Georg Graf Thun’schen Forstverwaltung in Eisenkappel, Kärnten, von 1957 bis 1959 besuchte er von 1960 bis 1962 die Bundesförsterschule in Bruck an der Mur. In diesen Zeitraum fällt auch eine zweite Forstpraxis im Bärental bei der Webhofer’schen Forstverwaltung Feistritz im Rosental (1961). Nach der Matura 1965 studierte Wolfgang Stagl an der Universität Wien Zoologie und Anthropologie. Während des Studiums war er als Pflanzenschutztechniker bei der Bundesanstalt für Pflanzenschutz in Wien beschäftigt. Im Jahr 1973 promovierte er mit einer Dissertation über Gastrophysa viridula, einer Art aus der Familie der Blattkäfer (Chrysomelidae) zum Dr.phil. Im selben Jahr wurde er vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung mit einem Forschungsauftrag zu Biotop-Kartierungen in den Donauauen bei Eckartsau betraut.

Dr. Stagl begann 1974 seine Tätigkeit in der damaligen Forstlichen Bundesversuchsanstalt (jetzt BFW) am Institut für Forstschutz, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2003 beschäftigt war. Seit 1979 stand er der Abteilung Allgemeiner Forstschutz als Abteilungsleiter vor, ab 1998 der Abteilung für Wildökologie. 2003 wurde ihm das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.

Wildbiologische Arbeiten

Wolfgang Stagl befasste sich von Beginn seiner Tätigkeit an der FBVA an mit wildbiologischen Fragen. Sein Aufgabengebiet umfasste Untersuchungen zur Populationsdynamik von Schalenwildarten und die Entwicklung von Computermodellen zur Kalkulation von Mindest-Wilddichten, Einflüsse der Bejagungspraxis auf die Geschlechterverteilung des Wildes, die Bedeutung populationsdynamischer Faktoren für das Schadverhalten sowie Verhaltensstudien als Grundlagen für die Wildstandsbeurteilung. Schließlich arbeitete er auch an wildökologischen Studien mit. Wolfgang Stagl war entscheidend an der Entwicklung eines einheitlichen österreichischen Erfassungssystems für Wildschäden beteiligt und somit einer der Väter des Wildeinflussmonitoring (WEM). Als solcher stand er viele Jahre lang im Spannungsfeld zwischen Forstschutz und den Interessen der Jagdwirtschaft, was durchaus als zusätzliche Herausforderung zu den wissenschaftlichen Anforderungen bezeichnet werden kann. Darüber hinaus führte er einen beträchtlichen Teil der Diagnosen von Schadursachen am Institut für Forstschutz durch, was ihm unzählige Stunden am Mikroskop bescherte. Weitere hoheitliche Aufgaben waren die Versuchstätigkeit im Rahmen der amtlichen Mittelprüfung sowie die Tätigkeiten als Kontrollorgan für die amtliche Kontrolle von Importholz laut Forstschutzverordnung.

Wolfgang Stagls breit gestreute biologischen Fachkenntnisse, verbunden mit Praxiserfahrung im Forstbereich, waren die Grundlage für zahlreiche Fachdiskussionen am Institut für Forstschutz, in die er seine Beiträge einbrachte und uns Jüngeren dabei wertvolle Informationen aus dem gesamten Bereich der Zoologie vermittelte.

Humanist und Betriebsrat

Darüber hinaus eignete sich Wolfgang Stagl ein Allgemeinwissen an, das vor allem im Bereich der Geschichte sowie im Kulturellen breit gestreut und der Grund für seine humanistische Denkweise war. Diese Wertehaltung und sein soziales Bewusstsein stellte er auch während seiner Tätigkeit in der Personalvertretung der FBVA oft unter Beweis.

Seinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen bleibt nicht nur die Erinnerung an einen besonderen Menschen. Seine Ratschläge, die auf seiner profunden Lebenserfahrung fußten, sein nie erschöpfender Witz und seine Pointen und nicht zuletzt sein stets höfliches, zuvorkommendes und freundliches Auftreten werden sehr vermisst.

Quelle: BFW

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