Ein alter Buchenwald in Brandenburg
Ein alter Buchenwald in Brandenburg
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Wohllebens Waldakademie zahlt Waldbesitzern Geld fürs Nichtstun

03. Januar 2022

Der Klimawandel zwingt die Waldbesitzer dazu, ihre Wälder umzubauen und sich insgesamt neu zu orientieren. Noch erzielen sie ihre Einnahmen zum allergrößten Teil aus dem Holzverkauf. Die Suche nach alternativen Einnahmequellen hat aber längst begonnen. Große Hoffnungen beruhen dabei auf einer dauerhaften Honorierung der Ökosystemleistungen durch den Staat, aber auch Ersatz- und Ausgleichmaßahmen, die Windenergie oder der Handel mit CO2-Zertifikaten könnten in Zukunft eine Rolle spielen.

Sinkt das Interesse an der Bewirtschaftung?

Im Zusammenhang mit der Honorierung der Ökosystemleistungen und den CO2-Handel kommt allerdings immer wieder die Diskussion auf, dass die Waldbesitzer ihre Holznutzung einschränken oder gleich ganz auf sie verzichten könnten.

Während solche Aussichten den Befürwortern der Holznutzung, bei der Holzindustrie oder den Forstunternehmern tiefe Sorgenfalten ins Gesicht treiben, dürften sie aus Sicht des Naturschutzes wohl eher eine interessante Entwicklung darstellen. Die Naturschutzverbände kaufen selbst schon seit Jahren Waldflächen, um sie aus der Nutzung zu nehmen. Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe beispielsweise besitzt knapp 7.000 ha Wald, von den sie 5.870 ha komplett der Natur überlassen hat. Finanziert wird das unter anderem mit Urwaldpatenschaften für monatlich 10 €/ha.

Das Urwaldprojekt von Wohllebens Waldakademie

Auch die 2017 gegründte Waldakademie von Peter Wohlleben ist in dieser Hinsicht aktiv. Kurz vor Weihnachten informierte ihr Geschäftsführer Tobias Wohlleben über das sogenannte Urwaldprojekt, das sich an private und kommunale Waldbesitzer wendet und ihnen eine alternative Einkommensquelle offeriert.

Die Waldakademie pachtet im Rahmen des Projektes arrondierte Waldflächen ab 100 ha. Mindestens 20 ha davon müssen aus alten Laubwäldern bestehen, darüber hinaus können zum Beispiel aber auch abgestorbene Fichtenbestände in das Projekt eingebracht werden. „Über die Projektlaufzeit von 50 Jahren verpflichten sich die Waldbesitzenden auf forstliche Eingriffe vollständig zu verzichten und erhalten dafür zu Projektbeginn eine attraktive Pacht für den Gesamtzeitraum ausgezahlt“, erklärt Wohlleben. Grundlage für die Berechnung der Pacht ist der zu erwartende Holzerlös plus ein Betrag X.

Den Worten Wohllebens zufolge ist es damit möglich, auch größere Naturschutzprojekte wirtschaftlich im Wald umzusetzen und dabei besser abgesichert Einnahmen zu generieren als mit einer konventioneller Bewirtschaftung.

Finanzierungsmodell

Die Waldakademie finanziert ihr Angebot, indem sie in den Schutzgebieten Waldpatenschaften für Flächen ab 1 m2 vergibt. Die Interessenten zahlen dafür einmalig 4,75 €/m2 inklusive Mehrwertsteuer. Sie erhalten dafür eine Urkunde mit Informationen zum Schutzgebiet sowie die GEO-Koordinaten und Luftbilder der eigenen Schutzfläche. Ab 75 m2 bietet die Waldakademie eine kostenlose Führung durch das Schutzgebiet an.

Bisher hat Wohllebens Waldakademie ein Wildnisgebiet gepachtet: etwa 100 ha des insgesamt über 400 ha großen Waldes der Gemeinde Wershofen in der Eifel. Dabei handelt es sich um 160 bis 200 Jahre alte Buchenbestände. Weil die Flächen für Patenschaften dort langsam zur Neige gehen, sucht die Waldakademie zur Zeit weitere Partner.

Kritiker von Wohlleben vermuten, dass die Waldakademie mit ihrem Urwaldprojekt eine Menge Geld verdient. Naturschützer wiederum fragen sich, was aus der Urwaldidee wird, wenn die Pachtzeit nach 50 Jahren abgelaufen ist.

Oliver Gabriel