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Wissenschaftler untersuchen, was die Deutschen am Wald wertschätzen

Ein Verbundvorhaben zur Bestimmung des ökonomischen Werts und der räumlichen Variabilität von Wald-Ökosystemleistungen wurde gestartet.

„Nur was einen Wert hat, wird gut geschützt“, erklärt Projektkoordinator Peter Elsasser vom Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie des Johann Heinrich von Thünen-Instituts das Vorhaben. „Wir wollen daher den ökonomischen Wert der Nutz-, Schutz- und Erholungsleistungen des Waldes bestimmen, die regionalen Wechselwirkungen der Leistungen analysieren und zu einem Rechenmodell zusammenzuführen.“
Aber wie bemisst sich der Wert von Wald?
Oder wissenschaftlich formuliert: Wie berechnet sich der ökonomische Wert nicht vermarkteter Ökosystemleistungen? Über zwei Drittel der Deutschen gehen regelmäßig in den Wald, zumeist um sich zu erholen. Befragt man sie, wie viel sie für ihre Waldbesuche auszugeben bereit wären, so geben sie den Wert mit knapp unter 40 € jährlich an. Zusammen genommen sind dies 2 Mrd. € pro Jahr, wie auch Reisekostenanalysen bestätigen.
Die sogenannte Zahlungsbereitschaft für ein Umweltgut ist einer der Ausgangspunkte für die Berechnung des ökonomischen Werts. Zusammen mit der Technischen Universität Berlin wertet das Thünen-Institut diese und zahlreiche andere Daten der letzten 20 Jahre aus, darunter Analysen zur Waldnutzung in Regionen mit sehr unterschiedlichen, aber insgesamt steigenden Ansprüchen der Bevölkerung wie Berlin, Hamburg und dem Pfälzer Wald sowie Daten aus der Bundeswaldinventur. Die Analyse erfolgt, wie in der Waldstrategie 2020 der Bundesregierung angeregt, auf Basis der Bewertungsansätze der TEEB-Studie (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) zum ökonomischen Wert von Ökosystemen und Biodiversität. Die aus der Auswertung der Daten entstehende Meta-Analyse ist Basis für ein Rechenmodell, das den Wert des Waldes wie auch die Ansprüche der Bevölkerung fassbar und somit diskutierbar macht.
Neben der Erholung spielen die Rohholzproduktion und die Schutzleistungen des Waldes eine wichtige Rolle für die Bestimmung des ökonomischen Wertes. Denn intakte Wälder liefern sauberes Trinkwasser, reinigen die Luft und schützen gegen Naturgefahren wie Erosion, Hochwasser und Stürme. Das Vorhaben trägt dazu bei, Nutzungskonflikte und Möglichkeiten zur Verbesserung der Waldnutzung aufzuzeigen.
So sind zum Beispiel stadtnahe Wälder hohen Erholungsansprüchen ausgesetzt. Aber woher wissen wir, wo es stadtnahe Wälder gibt, die kaum zur Erholung genutzt werden, jedoch einen hohen potenziellen Naturschutz- oder Holzproduktionswert haben? Oder wo führt umgekehrt eine starke Nutzung zur Erholung zu Problemen im Hinblick auf die Schutzleistungen des Waldes?
Meta-Analyse als Grundlage für zukünftige politische Entscheidungen
„Unser Ziel ist es, die Datenlage zu verbessern, denn die unterschiedlichen Ansprüche der Bevölkerung an den Wald kennen wir bisher nur punktuell. So können wir dazu beitragen, diese Ansprüche besser in Einklang zu bringen“, erklärt Elsasser. Die Ergebnisse der Meta-Analyse sollen als Grundlage für zukünftige politische Entscheidungen dienen. Sie werden der Öffentlichkeit nach Ende der dreijährigen Laufzeit im Dezember 2018 unter anderem in Form einer Web-Applikation zur Verfügung gestellt.
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert das Verbundvorhaben „Quantifizierung und Regionalisierung des Wertes von Wald-Ökosystemleistungen in Deutschland“ über seinen Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR).
Informationen zu den Teilvorhaben stehen in der Projektdatenbank der FNR auf www.fnr.de im Menü Projekte & Förderung unter den Förderkennzeichen 22022614 und 22019715 zur Verfügung.
FNR

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