Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service
So geht´s unserem Wald: Aktuelle Waldschäden wie hier in Sachsen-Anhalt bedrohen die Vielfalt der Waldfunktionen, von der die gesamte Gesellschaft – und nicht nur der Waldeigentümer – profitiert.

Wir können nicht den Wald gießen

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) sendet heute Abend um 20.45 Uhr eine Reportage mit dem Thema „Hitze, Stürme, Käferplage – Das Waldsterben geht weiter“. Die 30-minütige Sendung stellt dar, wie es um unseren Wald steht. Sie beleuchtet die Probleme und berichtet über Lösungsansätze.

Während der Mensch noch debattiert, ist die Natur schon mittendrin im Klimawandel. Und die Folgen sieht man inzwischen auch direkt vor der Haustür. Verheerende Stürme, abgestorbene Bäume und von Käfern zerfressene Wälder. Seit 2018 wurden bereits über 140.000 ha Wald durch Hitze, Dürre und Schädlinge zerstört. Eine Waldkrise, die die Wissenschaft längst vorhergesagt hat und an deren Ursachen bereits seit Jahrzehnten gearbeitet wird. Schon zu DDR-Zeiten versuchten Forstbetriebe, den Wald umzubauen und klimastabil zu machen. Doch anders als in der Landwirtschaft, brauchen Wälder dafür Jahrhunderte.

„Unter diesem Gesichtspunkt hätte man das nicht verhindern können. Wir können nicht den Wald gießen,“ sagt Prof. Dr. Michael Müller vom Institut für Waldbau und Waldschutz an der TU Dresden. „Aber man hätte sich besser vorbereiten können, damit man das befallene Holz schnell aus dem Wald bringt, wo die Käfer keinen Schaden anrichten können. Man muss heute Lagerflächen für Millionen von Kubikmetern Holz beschaffen. Das ist schwierig und innerhalb kürzester Zeit nicht hinzubekommen“, fasst Müller das Problem zusammen.

Der Abtransport des Schadholzes kostet 2 Mrd. €

Vor allem Kleinwaldbesitzer sind überfordert, die enormen Mengen an Käferbäumen aus dem Wald zu schaffen. Doch bleiben die liegen, geht das Sterben weiter. Allein der Abtransport des aktuell angefallenen Totholzes könnte nach Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) über 2 Mrd. € kosten. Selbst wenn das gelingt, bleibt der Wald weiter ein kostspieliger Patient. Aktuell müssten etwa 300 Mio. Bäume nachgepflanzt werden. Das würde weitere 640 Mio. € kosten. Deshalb fordern viele Waldbesitzer wie Jan Martin Dee aus dem thüringischen Gehofen nicht nur kurzfristige Zuschüsse, sondern eine jährliche staatliche Flächenprämien für ihre Arbeit.

„Wenn wir den Wald mit seinem Nutzen für Klimaschutz, Tourismus und Erholung erhalten wollen, brauchen wir dafür auch eine Vergütung. Doch wenn die einzige Einnahme das Holz ist, dann wird sich das in Deutschland nicht mehr machen lassen. Wir sollten den Landwirten gleichgestellt werden und so wie diese für die Felder auch Prämien für die Pflege des Kulturraumes Wald bekommen.“

Waldschutz revolutionieren

Die Reportage zeigt, wie es um unseren Wald steht und beleuchtet Lösungsansätze. Denn mittlerweile werden selbst Spürhunde ausgebildet, um infektiöse Bäume im Wald frühzeitig aufzuspüren und die Forschung arbeitet an mobilen Borkenkäfer-Detektoren, die den Waldschutz revolutionieren könnten.

Die Sendung läuft heute, am Mittwoch, den 23. September 2020, um 20.45 Uhr im MDR-Fernsehen. Sie bleibt ein Jahr in der ARD-Mediathek abrufbar.

MDR/Red.

Auch interessant

von