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Windenergieanlagen im Wald – das Ende eines Tabus?

Windenergieanlagen im Wald – das Ende eines Tabus?

Die SDW Niedersachsen führte am 4. Mai 2012 in Hannover ihre Jahrestagung zum Thema Windenergieanlagen im Wald durch. Bei der angestrebten Steigerung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien kommt der Windenergie gerade in Niedersachsen eine bedeutende Rolle zu. Neben dem Ersatz alter Aggregate durch leistungsstärkere Anlagen hat die Suche nach neuen Vorranggebieten und Kon-zentrationszonen längst begonnen. In zunehmendem Maße rücken hierbei auch Waldstandorte in das Visier von Planern, Anlagenbetreibern und Investoren. „Die SDW Niedersachsen möchte vor diesem Hintergrund – ganz unideologisch – allen an dieser Thematik Interessierten Gelegenheit zu Information und Austausch geben“, so Frank Oesterhelweg, MdL und SDW-Landesvorsitzender. Er lud die etwa 170 Tagungsteilnehmer dazu ein, kritisch zu fragen und fair zu diskutieren.
Im ersten Vortrag unter dem Titel „Windenergieanlagen im Wald – technisch möglich und wirtschaftlich attraktiv!“ stellte Roman Antczak, Windwärts Energie GmbH, zunächst die Anlagen selber vor, den Flächenbedarf für Aufbau und Betrieb, die Anforderungen an Wege-zustände und Kurvenradien – und natürlich die wirtschaftliche Ertragskraft. Sein Fazit: Die Nutzung der Windenergie über Wald sei mit dem Leitbild einer umfassenden nachhaltigen Entwicklung nicht nur vereinbar, sondern – bei sorgfältiger Auswahl der Standorte – für die Erreichung der damit verbundenen Ziele sogar unerlässlich.
Im zweiten Vortrag „Windenergieanlagen im Wald – durchaus konfliktreich!“ skizzierte Dieter Pasternak, Niedersächsischer Landkreistag (NLT), zunächst das Genehmigungsverfahren. Im Anschluss daran thematisierte er die speziellen Konfliktfelder rund um Flächenauswahl, Genehmigung, um Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen und stellte die Empfehlungen zur Behandlung von Wald aus der entsprechenden Arbeitshilfe des NLT vor. Trotz des Verständnisses für die Belange der Waldbesitzer und der Windenergieanlagenplaner und -betreiber habe sich der NLT, so Pasternack, dafür ausgesprochen, den Wald in Niedersachsen grundsätzlich von Windenergieanlagen freizuhalten.
Die aktuelle Belastung der Naturräume in Niedersachsen mit Windenergieanlagen, die Repowering- und sonstigen Ausbau-Potentiale in Niedersachsen und eine raumplanerische Sicht auf den Wald als Flächenressource für Windenergieanlagen stellte Dr. Stephan Löb, Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium im Rahmen seines Vortrags „Windenergieanlagen im Wald – sinnvoll und notwendig?“ vor. Er stellte die besondere Verantwortung des waldarmen Niedersachsens für diesen Lebensraum heraus und wies auf Kenntnislücken in der einschlägigen Forschung hin. Abschließend erläuterte er die in den Neuentwurf des Landesraumordnungprogramms (LROP) aufgenommene Regelung, dass Wald wegen seiner vielfältigen Funktionen – mit Ausnahme technisch vorbelasteter Flächen – grundsätzlich nicht für die Nutzung von Windenergieanlagen in Anspruch genommen werden soll.
„Niedersachsen hat genügend Flächen für Windkraftanlagen außerhalb der Wälder“, sagte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann in seinem Grußwort. Er wies darauf hin, dass die vorgesehenen Regelungen im Rahmen eines umfassenden Beteiligungsverfahrens bestätigt und vom Landtag einstimmig beschlossen worden seien. „Geben Sie sich nicht der Hoffnung hin, wir würden daran noch etwas verändern“, so der Minister zum Abschluss einer lebhaften Diskussion an alle Befürworter von Windenergieanlagen im Wald.
SDW Niedersachsen

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