Forstpolitik

Windenergie im Wald unverzichtbar für die Energiewende

Bearbeitet von Rainer Soppa

Über 140 Waldbesitzer verfolgten am 1. Dezember 2021 die Fachtagung zum Thema „Windenergie im Wald – Herausforderungen und Chancen für Waldeigentümer“. Wie die angeregten Diskussionen und Wortbeiträge zeigten, besteht seitens der Waldbesitzer ein sehr großes Interesse an einer Öffnung ihres Waldes für die Windenergie.

Prof. Dr. Ludwig Theuvsen, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML), bestätigte in seinem Grußwort die Notwendigkeit: „In Anbetracht des angepeilten Kohleausstiegs für 2030 muss der Ausbau der erneuerbaren Energien gewaltig an Fahrt aufnehmen. Die bisherigen Rahmenbedingungen, Windenergieanlagen im Wald nur auf vorbelasteten Flächen zu genehmigen, ist gerade in Anbetracht der heutigen Situation im Wald nicht mehr zeitgemäß.“

Staatssekretär Prof Dr. Ludwig Theuvsen hielt das Grußwort der Fachtagung
Foto: WBV

Zum richtigen Zeitpunkt haben der Waldbesitzerverband Niedersachsen (WBV), die Familienbetriebe Land und Forst (FabLF) und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) als Veranstalter mit der Fachtagung ein aktuelles Thema aufgegriffen. Das vom Landwirtschaftsministerium überarbeitete Landesraumordnungsprogramm geht im Dezember in die Öffentlichkeitsbeteiligung. Hier finden sich noch einige Kriterien, die eine Öffnung des Waldes für Windenergie sehr erschweren.

Pandemiebedingt fand die Tagung als Hybridveranstaltung statt, so dass ein kleiner Teilnehmerkreis im Landessportbund in Hannover und der überwiegende Teil von zu Hause aus den Fachvorträgen folgen und an den Diskussionen teilnehmen konnte.

Waldbesitzerverbandspräsident Philip Frhr. von Oldershausen führte durch die Veranstaltung
Foto: Mitze

Waldbesitzerverbandspräsident Philip Frhr. von Oldershausen führte durch die Veranstaltung und begrüßte zusammen mit Hanns-Heinrich Köhler (Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst Niedersachsen) die Teilnehmer. „Es ist an der Zeit, dass effektive Rahmenbedingungen für Windenergie im Wald geschaffen werden, um die Ziele des Landes für eine Energiewende zu erfüllen und die niedersächsischen Waldbesitzer in die Lage zu versetzen ihre Wälder wieder auf- und klimastabil umzubauen. Was das Landesraumordnungsprogramm anbetrifft muss auch über die Definition des Tabukriteriums „Historisch alte Waldstandorte“ gesprochen werden“, so Frhr. von Oldershausen.

„Vor allem auf Kalamitätsflächen stellt die Windenergie eine gute Alternative dar“, weist der Vorsitzende der Familienbetriebe Land und Forst in seiner Begrüßungsrede auf die Notwendigkeit der Windenergie im Wald hin.

Dass es im Wald ausreichend windhöffige Standorte für Windenergieanlagen gibt, machte Silke Weyberg (Geschäftsführerin vom Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen Bremen) anhand einer Potenzialanalyse deutlich: „Bis 2030 soll der Anteil der erneuerbaren Energien bei 80 % liegen, wobei 2,1 % der Landesfläche für die Windkraft vorgesehen sind. Auf 3,69 % der Landesfläche liegen mögliche Flächen für Windenergie im Wald. Das ist bisher ungenutztes Potenzial, dass uns helfen kann dieses Ziel zu erreichen.“ „Das Kartenmaterial ist für die Argumentation und die Planung von Anlagen sehr wertvoll“, bemerkte Martin Hillmann (LWK).

Dr. Stephan Löb vom ML zeigte die vorgesehenen Festlegungen zur Windenergie im Wald in der Fortschreibung des Landes-Raumordnungsprogramms (LROP) auf. „Mit der Freigabe des zweiten Entwurfs ist nun der Auftakt für ein neues Beteiligungsverfahren gemacht. Eine Fertigstellung der LROP-Fortschreibung ist vor Ende der Legislatur im Jahr 2022 angestrebt.“

„Gibt es für die Waldbesitzer bei Bau und Betrieb einer Windkraftanlage haftungsrechtliche Gefahren?“, fragte Petra Sorgenfrei (Geschäftsführerin WBV). „Hier ist der Betreiber in der Pflicht, bei Schäden haftet der Betreiber der Anlage. Dies gilt auch für Schäden an der Anlage, die beispielsweise durch einen Waldbrand entstehen“, erläuterte Gabi Ikert-Tharun (IWP Rechtsanwälte) in ihrem Vortrag über die rechtlichen Aspekte.

Aus der Praxis

Auf der Fachtagung berichteten auch zwei Projektierer, UKA und wpd, über ihre Erfahrungen. Die aktuelle Anlagentechnik wurde von der Nordex Group vorgestellt. „Windenergie auf forstlich genutzten Standorten ist nichts Neues. Die modernen Verfahren zur Montage und zum Betrieb der Windräder haben sich bewährt. Niedersachsen kann von den Erfahrungen aus den anderen Ländern profitieren“, so Marcel Nagel (wpd). Dabei bleiben alle wesentlichen Funktionen des Waldes erhalten. Die Pachteinnahmen sorgen für eine Entspannung der prekären wirtschaftlichen Lage der Waldeigentümer und helfen die nötige Wiederbewaldung und den Waldumbau zu finanzieren.

Windenergie auf forstlich genutzten Standorten ist nichts Neues.
Foto: Rudi Hager/OSTWIND

Dadurch wird aktiver Klimaschutz betrieben, was auch vielen Tier- und Pflanzenarten zugutekommt: „Klimaschutz ist Natur- und Artenschutz auf lokaler Ebene. Keine Art hat etwas davon, wenn ein ganzes Biotop wegen des Klimawandels verschwindet“, bekräftigte Peter Neufeldt (UKA Nord Projektentwicklung). Ohnehin werden die Eingriffe in die Natur möglichst geringgehalten: Der Betrieb einer Anlage umfasst, neben einem kompletten Rückbau nach der Abnutzung der Anlage, umfangreiche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.

Durch die moderne Anlagentechnik werden auch Auswirkungen auf z.B. Vögel und Fledermäuse vermieden, wie Christian Berner (Nordex Germany, einer der weltweit größten Hersteller von Windturbinen) erläutert: „Unsere Anlagen verfügen über Techniken zur Kollisionsverringerung und -vermeidung. So können durch Sensortechnik Vögel oder Fledermäuse erkannt werden, wodurch Geräusche zur Vergrämung ausgelöst oder ein Stopp der Windkraftanlage bewirkt wird, Abschalttechnik zu bestimmten Zeiten ist auch eine effektive Maßnahme.“

Mit einem Beispiel aus der Praxis im Wald fasste Jürgen Goldmann (Ritterschaft Stift Kaufungen) die Vorteile für die Waldbesitzer zusammen: „Wir haben insgesamt gute Erfahrungen gemacht. Die Eingriffe sind überschaubar, es gibt gute Rückbaumöglichkeiten und der Betrieb bringt eine Wegeerschließung mit sich, die sich langfristig positiv auf die Bewirtschaftung auswirkt. Zudem hat man das gute Gefühl etwas gegen den Klimawandel zu tun.“

Lars Rotzsche (Geschäftsführer Windpark Stiftwald) machte darauf aufmerksam, dass bei der Planung eine rechtzeitige Einbeziehung der Bevölkerung für Akzeptanz sorgt: „Die Vorteile und Klimaschutzpotenziale der Windenergie müssen frühzeitig vermittelt werden. Auch die Möglichkeiten einer ökonomischen Teilhabe durch Bürgerenergiegenossenschaften bieten der Bevölkerung eine Partizipation und schaffen Akzeptanz.“

„Die Vorträge zeigen uns, dass es auch in Niedersachsen ein großes Potenzial für die Windenergie im Wald gibt. Es liegt aber noch viel Arbeit vor uns und es müssen zahlreiche Akteure mit eingebunden werden, bis es Realität wird. Deshalb müssen wir das Thema weiter vorantreiben, uns mit den Profis verstärkt zusammentun und die Akzeptanz in der Fläche herstellen. Wenn das gelingt, sehe ich der Umsetzung positiv entgegen“, resümierte Frhr. von Oldershausen die gelungene Veranstaltung.

Quelle: WBV