Passende Flächen für Windkraftanlagen im Wald zu finden, ist keine einfache Aufgabe. Bevorzugt sind Flächen, die durch Stürme oder den Borkenkäfer bereits Frei von Bäumen sind.
Passende Flächen für Windkraftanlagen im Wald zu finden, ist keine einfache Aufgabe. Bevorzugt sind Flächen, die durch Stürme oder den Borkenkäfer bereits Frei von Bäumen sind.
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Windenergie im Wald: Chance oder Risiko?

26. November 2022
Durch die Zwei-Prozent-Vorgabe für Windenergie kommen verstärkt Forstgebiete als Standorte für Windräder in Frage. Windanlagen im Wald ermöglichen den Ausbau erneuerbarer Energien, Naturschutz und das Aufforsten von Mischwäldern.

Die neue Bundesregierung hat beschlossen, zwei Prozent der Landesfläche für den Bau von Windrädern zu nutzen. Das entspricht einem Flächenumfang von etwa 715.000 ha.

Passende Flächen für Windanlagen im Wald haben hohe Anforderungen

In Deutschland gibt es rund 11 Mio. ha Wald, wovon 400.000 bis 500.000 ha durch beispielsweise Stürme und den Borkenkäfer zerstört wurden. Deshalb werden vorrangig Windkraftanlagen in Nadelholzbeständen und Freiflächen geplant, die nicht mehr gerodet werden müssen. Bevorzugt sind auch Flächen, wo durch Forstwege bereits eine Infrastruktur besteht. Passende Flächen zu finden ist jedoch nicht einfach. Insgesamt 1.000m Abstand muss die Anlage von der nächsten geschlossenen Ortschaft entfernt sein und 600m von einzelnen Wohnhäusern. Es soll keine bedrängende Wirkung entstehen. Deshalb gilt die Regel, dass mindestens die dreifache Anlagenhöhe vom nächsten Wohnhaus entfernt sein muss. Des Weiteren beträgt die höchst zulässige Schattendauer acht Stunden pro Tag. Wegen dieser Einschränkungen fallen bereits 80 Prozent der Fläche weg.

Viele Gutachten entschleunigen das Planungsverfahren

Aufgrund der notwenigen Änderung des Flächennutzungsplans dauert das Planungsverfahren für ein Windrad etwa sieben Jahre. Rund 24 verschiedene Gutachten, wie beispielsweise ein Schallgutachten, ein Schattenwurfgutachten, ein Turbulenzgutachten und avifaunistische Gutachten müssen vorliegen. Letzteres wird benötigt, wenn Vögel und Fledermäuse durch Windanlagen Gefahren ausgesetzt werden könnten. Pro Windmühle wird circa 1 ha im Wald inklusive Kurveninfrastruktur benötigt. Beim Bau von Windanlagen werden Kabeltrassen gegraben, Fundamente gelegt, Wege ausgebaut und Kranstellflächen eingerichtet. Für diese Flächen gibt es gemäß Naturschutzgesetz Ausgleichsmaßnahmen. Teilweise wird die versiegelte Fläche direkt im Anschluss wieder anderweitig aufgeforstet. Möglichkeiten dafür sind beispielsweise Feldgehölzpflanzungen, Streuobstwiesen, Aufforstung von Waldrändern und Biotope für Brutvögel. Übrig bleibet eine durchschnittliche Freifläche von 0,46 ha. Diese Fläche ist während des gesamten Betriebszeitraums von rund 20 bis 30 Jahren frei von Baumwuchs. Nach dieser Zeit lässt sie sich jedoch wieder renaturieren.

Entschädigungen für Revierpächter

Wenn Jäger das Revier gepachtet hat, in dem neue Windräder errichtet werden, gibt es für diese eine Entschädigung. Diese erfolgt während der Bauphase bis zwei Monate nach Baubeendigung für die Gewöhnungszeit der Wildtiere. Der Wald wird dafür nicht zerstört, jedoch erfolgt ein maßgeblicher Eingriff. Für Waldbesitzer ist Windkraft im Wald eine dringend benötigte Einnahmequelle, um Aufforstung, Waldumbau und Waldschutz weiter vorantreiben zu können. Der Projektleiter Ekkehard Darge von wpd betont, dass Windkraft im Wald nicht per se untersagt werden sollte, wie auch eine erfolgreiche Verfassungsbeschwerde gegen das ausnahmslose Verbot von Windenergieanlagen in Waldgebieten in Thüringen besagt. Vielmehr sollten kleine Nachteile in Kauf genommen werden, um viele weitere Nachteile zu umgehen. Der Klimaschutz stünde hierbei im Vordergund sowie die Möglichkeit durch die Einnahmen durch die Windräder den Wald wieder klimagerecht aufforsten zu können.