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Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies kündigt „klare Kante“ im Umgang mit dem Wolf an.

Willkommen Wolf? Vortrag im Jagdschloß Springe zu einem kontroversen Thema

Der Marstall des Jagdschlosses Springe war gut gefüllt. Etwa 120 Zuhörer lauschten dem spannenden Vortrag von Theo Grüntjens. Wegen der großen Nachfrage hatte sich das Forstamt zu einer Wiederholung seines Vortrags aus dem letzten Jahr entschlossen.
Grüntjens ist Leiter der Forstverwaltung der Firma Rheinmetall in Unterlüß und berichtete zunächst von der Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen.
Seit dem ersten wissenschaftlichen Beweis im Jahre 2007 hat sich der Bestand in Niedersachsen stetig vermehrt. Zurzeit gibt es wissenschaftlich belegt 7 Wolfsrudel, 2 Wolfs-Paare und einige Einzelwölfe in Niedersachsen, also mindestens 70 Tiere zum Ende des Jahres 2015. Die Vermehrungsrate wird zurzeit mit etwa 30 % eingeschätzt. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass der Wolf eine sehr gute Anpassungsfähigkeit an seinen Lebensraum hat und nicht nur abgelegene Waldgebiete besiedeln wird. Grüntjens lobte das Niedersächsische Modell des Monitorings mit der Landesjägerschaft Niedersachsen, sah aber deutlichen Verbesserungsbedarf bei der Fachbehörde. Hier seien Entscheidungswege immer noch zu lang um die Landbevölkerung mit im Boot zu halten.
Aber er konnte auch eine ganze Reihe von Ängsten widerlegen. Zwar berichtete der Praktiker von den ersten Verhaltensänderungen beim Rot- und Rehwild, jedoch stelle sich das Wild mit den Jahren auch auf die Wölfe ein. Die Sichtbarkeit, Bejagbarkeit und Brunft des Rotwildes fordern jetzt neue Jagdstrategien. „Die Jäger müssen ihr altes Handwerk wieder neu erlernen, um ebenbürtig jagen zu können“, so Grüntjens, „die Kompetenz für die alte, neue Raubwildart muss wieder gewonnen werden.“ Dass ein Waldbesucher beim – sicher eher seltenen – Anblick von Wölfen zunächst Angst habe, sei verständlich. Allerdings seien Sorgen unbegründet. In den letzten 60 Jahren seien in ganz Europa neun tödliche Begegnungen dokumentiert, davon fünf an Tollwut Wölfe, die zurzeit in Westeuropa aber nicht mehr auftrete. Das Munsteraner Rudel sei allerdings auffällig und soll in Kürze mit Vergrämungsmaßnahmen wieder auf Distanz gebracht werden.
Insgesamt waren die Zuhörer begeistert von diesem Vortrag, der Sympathien für dieses beeindruckende Wildtier erweckte, zugleich aber auf Handlungsbedarf hinwies, damit der Wolf auch weiterhin in der Bevölkerung willkommen bleibt.
 

Weitere Informationen zum Wolf gibt es u.a. hier

 
Niedersächsisches Forstamt Saupark

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