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Wildverbiss im Saarland: Aktuelle Bilanz

Wildverbiss im Saarland: Aktuelle Bilanz

Die Vielfalt der Baumarten und der gesamten Waldvegetation im Saarland sinkt dramatisch. Das belegt die Waldinventur 2010. Am Verlust der Baumarten ist  weniger der Klimawandel schuld als vielmehr die örtliche Belastung durch Wildverbiss. Dies führt zu einem „Baumsterben am Boden“, das für die Artenvielfalt (Biodiversität) und die Zustände unserer Waldböden (Nährstoffversorgung) verheerende Folgen hat. Diverse Laubbaumarten sind von dem Artensterben  betroffen, etwa Eiche, Ahorn, Esche, aber auch die Weißtanne.
„Mit dem Verlust der Baumartenvielfalt verbunden sind nicht nur ökologische, sondern auch erhebliche volkswirtschaftliche Schäden“, so Saarlands Umwelt-Staatssekretär Klaus Borger. Millionen müssten in Deutschland inzwischen für den Bau von Zäunen ausgegeben werden, um die jungen Bäume zu schützen. „Der Aufbau naturnaher Mischwälder im Saarland, die wir nicht zuletzt wegen des Klimawandels dringend benötigen,  ist durch die örtlich zu hohe Wilddichte und die daraus resultierenden Verbissschäden  gefährdet.“ Wald diene nicht nur der Holzproduktion, sondern sei auch Erholungsraum für die Saarländerinnen und Saarländer. Er schütze Boden, Wasser und Klima und sei notwendiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten, hob der Staatssekretär hervor. 
Die Waldinventur 2010  wurde in drei ausgesuchten Waldregionen durchgeführt. Sie zeigt folgende Ergebnisse und bestätigt ähnliche Resultate aus dem Jahr 2005:
Bereich Warndt (vorkommende Wildarten Reh- und Schwarzwild):
Die Verbissbelastung bei der Buche ist unproblematisch, bei Eiche, Esche, Ahorn, Kirsche, Hainbuche etc. im kritischen Bereich. Das heißt diese Baumarten bleiben im Wuchs gegenüber der Buche zurück, werden später ganz überwachsen und fallen in der Baumschicht aus.
Bereich Steinberg/Wadrill (vorkommende Wildarten Rot-, Reh- und Schwarzwild):
Bei der Eiche liegt die Verbissbelastung jenseits akzeptabler Grenzwerte. Im typischen Niederwald geht die Eiche zugunsten der Birke, die allerdings auch stark verbissen und im Wuchs gehemmt ist, verloren. Im Hochwald liegt der Verbiss an der Buche im kritischen Bereich (Wuchshemmung), alle anderen Mischbaumarten, insbesondere auch die wichtige Weißtanne, gehen verloren.
Bereich Peterberg/Gemeinden Nohfelden/Nonnweiler (vorkommende Wildarten Dam-, Muffel-, Reh-  und Schwarzwild):
Bei allen Baumarten liegt die Verbissbelastung weit jenseits akzeptabler Grenzwerte. Der massive Verbissdruck führt zu einem weitgehenden Ausfall der Verjüngung. Die Qualität der wenigen aufwachsenden Bäumchen ist stark beeinträchtigt.
„Um dem Verlust der Artenvielfalt im Wald entgegenzuwirken,  müssen die Jäger mehr als bisher zum verantwortungsvollen Partner der Waldbesitzer und der Forstwirtschaft werden“, so Borgers Appell. Die Jagd müsse so ausgeübt werden, dass Beeinträchtigungen der forstwirtschaftlichen Nutzung vermieden und die Ansprüche der Forstwirtschaft auf Schutz gegen Wildschäden voll gewahrt bleiben. Insbesondere die Waldverjüngung der Hauptbaumarten müsse ohne Schutzeinrichtungen möglich sein. Da die Gesetze die gesellschaftlichen Ziele in dieser Hinsicht hinreichend klar formuliert hätten, hingen Konflikte zwischen forstwirtschaftlichen und jagdlichen Interessen weniger mit dem Fehlen gesetzlicher Leitvorgaben, als vielmehr mit einem unzureichenden Gesetzesvollzug durch die maßgeblichen Akteure (Jagdbehörden, Waldbesitzer, Jäger) zusammen „Der Grundsatz „Wald vor Wild“ muss in der Fläche auch umgesetzt werden“, sagte Borger und verwies auch auf entsprechende Forderungen unter anderem vom Deutschen Fortswirtschaftsrat und Bundesamt für Naturschutz.
Erfolgreiche Jagd in Beckingen
In ihrem Bemühen, die Wildbestände zum Schutz des Waldes anzupassen, können saarländische Jäger einen Erfolg vermelden: Bei der Waldschutzjagd des SaarForstes in Beckingen wurden auf kleiner Jagdfläche von rund 450 Hektar in drei Stunden 33 Rehe und 5 Wildschweine erlegt. „Viele Jäger, unabhängig ob in Jagdverbänden organisiert oder nicht, haben im Beckinger Wald gezeigt, dass nicht nur viel Wild unsere Wälder bevölkert, sondern dass geübte Jäger und eine von SaarForst perfekt vorbereitete Jagd einen Beitrag leisten kann, die Biodiversität (artenreiche Kraut- und Baumflora) im Wald zu verbessern“, so der Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr, Klaus Borger. Dies ist besonders wichtig vor dem Hintergrund, dass die hohe Wilddichte und die daraus resultierenden Verbissschäden an jungen Bäumen die Baumarten-Vielfalt im saarländischen Wald gefährdet, wie die Waldinventur 2010 erneut bestätigt hat.
„Der Rehwildabschuss von rund 7,5 Stück pro 100 Hektar liegt weit über den durchschnittlichen Abschussergebnissen im Land und bedeutet letztendlich, dass innerhalb von drei Stunden mehr Rehe erlegt wurden als mit der herkömmlichen Ansitzjagd“, resümierte Borger. „Bewegungsjagden wie in Beckingen können die Ansitzjagd vor allem dort sehr effektiv ergänzen, wo zu hohe Wildbestände ein kurzfristiges Eingreifen erforderlich machen.“
Die Ansitzjagd führe, wenn sie falsch ausgeübt werde, zu einer „erheblichen ganzjährigen Störung der Wildtiere“, so der Staatssekretär.
Die Ansitzjagd wird in Form der Einzeljagd betrieben, wobei der Jäger auf einem Hochsitz allein auf vorüber kommendes Wild wartet.
MUEV

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