Baum und Natur

Wildtiere im Klimawandel: Grenzen für Gämsen

Bearbeitet von Carolin Föste

Gämsen sind bekannt als die Kletterkünstler der Berge. Doch in den Alpen machen sich Veränderungen durch den Klimawandel bemerkbar. Kann Gamswild wirklich jedes Hindernis überwinden?

Der Klimawandel lässt Gletscher schmelzen, Wälder austrocknen und verändert ganze Landschaften binnen – erdgeschichtlich betrachtet – kürzester Zeit. So verändert sich auch der Alpenraum – der Lebensraum von Gämsen. Neue genetische Analysen und Computeranalysen zeigen nun, wo diesen Wildtieren Grenzen gesetzt werden.

Wo Gämsen verbreitet sind

Vor 20.000 Jahren besiedelten Gämsen den Alpenraum, in dem sie bis heute weiträumig und über Ländergrenzen hinweg verbreitet sind. In der letzten Eiszeit sah der Lebensraum allerdings noch anders aus – Eismassen schränkten die Wege der Tiere ein, sie lebten daher vorwiegend an steilen Hängen, abseits des Eises.

Umweltwissenschaftler Flurin Leugger erforschte in seiner Masterarbeit an der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), wie sich der Lebensraum der Gebirgsziege seitdem verändert hat und wo sich Gamsbestände aufhalten. Mit seiner Studie zeichnet er die Verbreitungswege nach und schaut auch in die Zukunft.

Genetik ermöglicht Prognosen für die Zukunft

Mithilfe von Blut- und Fellproben untersuchte Leugger gemeinsam mit Forschenden zweier französischer Universitäten, Grenoble Alpes und Savoie Mont Blanc, den Verwandtschaftsgrad verschiedener Gams-Populationen in den Alpen.

So sammelten sie genetische Proben von 449 Gämsen aus Frankreich, Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien und der Schweiz. Die Wissenschaftler ergänzten die Daten mit Klima- und Topografiedaten und erhielten so Kenntnisse über den idealen Lebensraum der Gämse. Gepaart mit Wissen über das Verhalten der Tiere, erfuhr Leugger so einiges über ihre Vergangenheit und Zukunft.

Klimawandel verändert Lebensraum von Gämsen

Gams in der Sonne
Gämse fühlen sich in den Alpen wohl. Doch der Klimawandel bringt Veränderungen in ihren Lebensraum.
Foto: F. Leugger

Leugger beschreibt: „Vor allem die Hangneigung, die Temperatur und die Niederschlagsmenge beeinflussen, ob sich Gämsen wohlfühlen.“ Mithilfe von Modellen schloss er somit auf die mögliche Verbreitung von Gamswild in der letzten Eiszeit. So lernte Leugger immer mehr, auf welche Weise sich Gämse ihren Lebensraum auswählen. Die Wildtiere wandern nur über kurze Strecken ab und bleiben ihrem Geburtstort meist treu. Große Flüsse und breite, flache Täler zählen zu für Gamswild unüberwindbare Hürden, die die Verbreitung eindämmt. „Die Gämsen meiden offenbar flaches Talgelände, in dem sie ihren Fressfeinden wie Wolf und Luchs ausgesetzt waren“, so Leugger.

Klimaprognosen ermöglichen einen Eindruck von der Zukunft und ergänzen die Vermutungen, wie sich Gämse in Zukunft weiter verbreiten. Leugger schließt daraus: „So könnte man künftig besonders isolierte und darum anfällige Populationen identifizieren, die man zurückhaltend bejagen sollte.“ Um immer genauere Erkenntnisse, auch über den Einfluss des Menschen auf die Populationen, zu gewinnen, soll die Forschung fortgeführt werden.

Quelle: WSL