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Wildpflanzen sind auch Energielieferanten

Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich informierte sich am 10. Juli über ein Pilotprojekt zum Anbau von Wildpflanzen. „Um die inzwischen ca. 170 Biogasanlagen in Hessen zu betreiben müssen wir auf Dauer Alternativen zu den klassischen Energiepflanzen, wie Energiemais finden. Hier scheint der Anbau eines Wildpflanzenmixes viele positive Aspekte zu vereinen“, sagte Puttrich bei einem Ortstermin auf einem Wildpflanzenacker in Ortenberg-Bleichenbach. Das Pilotprojekt soll zeigen, ob sich Wildpflanzen als wirtschaftliche und ökologische Erweiterung der Produktpalette von Gärsubstratpflanzen für Biogasanlagen eignen. Das hessische Umweltministerium fördert das Projekt auch finanziell. Zurzeit werden für den Anbau von Energiepflanzen rund 13 Prozent der hessischen Ackerfläche genutzt. Damit liegt Hessen unter dem Bundesdurchschnitt von 19 Prozent.
„Die Anbauflächen von Wildpflanzen bieten vielfältige Lebensräume für unterschiedliche Insekten- und Niederwildarten“, sagte die Ministerin. Zudem zeichnen sich die verwendeten Saatgutmischungen dadurch aus, dass ein über mehrere Jahre stabiler, artenreicher Bestandsaufbau ermöglicht wird und eine Ernte außerhalb der Brut- und Aufzuchtsphasen der Wildtiere ermöglicht. Weiterhin können durch den mehrjährigen Wildpflanzenanbau zur Biogasgewinnung gute Erträge bei geringem Aufwand realisiert werden.
„Der Anbau von Wildpflanzen sorgt nicht nur dafür, dass weitere Gärsubstratpflanzen zur Verfügung stehen, sondern auch die Lebensräume für Insekten, Igel, Mäuse, Hasen, Rebhühner, Fasane und Singvögel verbessert werden“, zeigte sich Puttrich erfreut. Neben dem Landesjagdverband sollen auch die staatliche Vogelschutzwarte von Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland sowie die Wildbiologen der Tierärztlichen Hochschule Hannover eingebunden werden. Die Ministerin verwies darauf, dass es im Bereich des Energiepflanzenanbaus noch erheblichen Forschungsbedarf gibt. Besonders erforscht werden müssen noch die Bereiche des Ertragspotenzials, der Düngung, die Optimierung der Mischungszusammensetzungen, sowie Kulturführung und verschiedene Gärversuche. Hierfür wird es in der zweiten Projektphase eine vier bis sieben Hektar große Praxisfläche auf dem Areal des Landwirtschaftszentrums Eichhof geben.
„Der großflächige Anbau von Energiemais wird von der Öffentlichkeit zunehmend kritischer gesehen, da die Monokulturen einige Nachteile mit sich bringen. Hier sehen wir im Anbau von Wildpflanzen eine gute Ergänzung, die durch ihre vielen positiven Aspekte neue Möglichkeiten in der Energiegewinnung eröffnen und für den Artenschutz verbesserte Perspektiven bieten“, äußerte Puttrich abschließend.
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