Naturschutz, Landschaftspflege

Wildnisfonds nimmt Fahrt auf

Die Stiftung Naturschutz Thüringen sowie die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg erwerben mit Mitteln aus dem Wildnisfonds der Bundesregierung insgesamt 400 ha, auf denen nun Wildnis entstehen darf. Ziel ist es das 2%-Wildnisziel der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zu erreichen. Weitere Projekte stehen vor der Bewilligung.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Große, zusammenhängende Gebiete, in denen sich die Natur vom Menschen ungestört entwickeln kann, sind sehr selten. Dabei sind wilde Ökosysteme unverzichtbar für den Schutz unserer Lebensgrundlage, der biologischen Vielfalt. Um diese natürlichen Lebensräume wieder zu aktivieren, ist es das Ziel der Bundesregierung, mindestens zwei Prozent der Landesfläche Deutschlands wieder zu Wildnis werden zu lassen. Diesem Ziel wollen wir mit dem Wildnisfonds ein großes Stück näherkommen. Jetzt machen wir den Anfang mit zwei bemerkenswerten Flächen. Mit der Förderung des Ankaufs einer bedeutenden Fläche Waldwildnis im Frankenwald setzen wir einen starken Impuls für die laufende Wildnisentwicklung in Thüringen. In Brandenburg wird das bestehende große Wildnisgebiet „Heidehof“ um einen weiteren wertvollen Teil erweitert.“

Wildnisgebiet mit bundesweiter Bedeutung

Die Stiftung Naturschutz Thüringen erwirbt mit Mitteln aus dem Wildnisfonds ein 318 ha großes Waldgebiet. Es befindet sich am ehemaligen innerdeutschen Grenzgebiet, dem sogenannten Grünen Band. Zusätzliche finanzielle Unterstützung kam vom Land Thüringen sowie der Heinz Sielmann Stiftung. „Das Grüne Band ist ein unersetzlicher Wanderkorridor für bedrohte Tiere und Pflanzen. Mit dem wilden Frankenwald schaffen wir für sie einen wertvollen Rückzugsort“, freut sich Michael Beier, Vorstandsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung und Partner der Initiative Wildnis in Deutschland. Zusammen mit direkt angrenzenden Bundesflächen könnte hier ein 1.700 ha großes Wildnisgebiet mit bundesweiter Bedeutung entstehen.

Wertvoller, unzerschnittener Lebensraum

Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg gehört zu den ersten beiden Projektpartnern, die über den neu eingerichteten Wildnisfonds der Bundesregierung beim Flächenkauf von Wildnisgebieten gefördert werden. Mit dem Kauf von rund 73 ha Fläche auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Heidehof kann die Stiftung hier ihre bestehende Wildnisfläche auf 2.085 ha vergrößern. Ein wertvoller, weiträumig unzerschnittener Lebens- und Rückzugsraum für Tier- und Pflanzenarten wird so dauerhaft für den Wildnisschutz gesichert. „Wir müssen den Verlust von Arten und Lebensräumen in Deutschland stoppen. Wir brauchen dringend mehr Wildnisflächen. Der Wildnisfonds unterstützt uns dabei“, so Andreas Meißner, Geschäftsführer der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, die ebenfalls Partner der Initiative „Wildnis in Deutschland“ ist.

Einen Meilenstein für Naturschutz geschaffen

„Mit dem Wildnisfonds hat die Bundesregierung ein effektives Förderinstrument für den Naturschutz geschaffen. Die Wirkung kommt direkt auf der Fläche bei den bedrohten Arten an“, bekräftigt Manuel Schweiger der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, Koordinator der Initiative Wildnis in Deutschland. Neben den beiden ersten, nun realisierten Flächenkäufen in Brandenburg und Thüringen stehen weitere Projekte kurz vor der Bewilligung. „Der Bedarf an staatlicher Förderung für den Kauf von Wildnisflächen ist groß. Mit dem Wildnisfonds hat die Bundesregierung einen Meilenstein für erfolgreichen Naturschutz und mehr Wildnis in Deutschland geschaffen!“, so Manuel Schweiger weiter. Der Wildnisfonds wurde von den Naturschutzorganisationen über viele Jahre gefordert. Er ist mit jährlich zwanzig Millionen Euro ausgestattet. Er finanziert bis zu 100 % des Verkehrswertes von Flächen, die sich zukünftig zu Wildnis entwickeln dürfen.

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Hintergrund:

Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg engagiert sich als „Die Wildnisstiftung“ seit ihrer Gründung im Jahr 2000 mit eigenen Flächen und Expertise für Wildnisgebiete und deren Vernetzung. Sie ist eine der größten privaten Eigentümerinnen von Wildnisgebieten in Deutschland.

Mit dem Förderprogramm „Förderung der Wildnisentwicklung in Deutschland“ (Wildnisfonds) unterstützt das Bundesumweltministerium gezielt Maßnahmen, um das Zwei-Prozent-Wildnisziel der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) zu erreichen. Das Ziel sieht vor, dass sich die Natur auf mindestens zwei Prozent der Fläche Deutschlands wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickelt. Das betrifft beispielsweise Wälder, Bergbaufolgelandschaften, ehemalige Truppenübungsplätze, Gebiete an Fließgewässern oder an Meeresküsten, in Mooren und im Hochgebirge. Wildnisgebiete im Sinne des Zwei-Prozent-Ziels der NBS sind ausreichend große, (weitgehend) unzerschnittene, nutzungsfreie Gebiete, in denen ein vom Menschen unbeeinflusster Ablauf natürlicher Prozesse dauerhaft gewährleistet ist. Im aktuellen Bundeshaushalt stehen für den Wildnisfonds 20 Mio. € bereit. 

 

Quelle: Initiative Wildnisstiftung