Ausbildung

„Wieso ist das so?“ Masterstudierende im Gespräch

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Masterstudierende der Umweltnaturwissenschaften haben das Zentrum für Wald und Holzwirtschaft (ZWH) besucht, um im Wald mit den Experten von Wald und Holz NRW aktuelle Herausforderungen der Forstbranche zu diskutieren.

Die Studierenden erfuhren bei der Exkursion das breite Spannungsfeld der Waldbewirtschaftung in Nordrhein-Westfalen. „Es ist unheimlich beeindruckend, welche komplexen Fragestellungen Forstleute in ihrem Arbeitsalltag berücksichtigen“, so Dr. Rolf Nieder, Professor für Bodenkunde am Institut für Geoökologie der Technischen Universität Braunschweig und Begleiter der Studierenden.

Aus jedem Blickwinkel betrachten

Sie debattierten den Erholungswert einer Freifläche mit schöner Aussicht, die Bedeutung von natürlicher Sukzession und Wiederbewaldung für die Biodiversität und die Möglichkeiten der Holznutzung zum Schutz des Klimas. Dabei wechselten sie immer wieder den Blickwinkel: von der waldbewirtschaftenden zur waldbesitzenden Person mit ihren individuellen, auch finanziellen, Zielen. Zu Beginn hörten die Studierenden einen Vortrag von Dr. Bertram Leder, Leiter des ZWH, zu den Aufgaben und Zielen des ZWH, den Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald und zur zukünftigen Baumartenwahl. Anschließend veranschaulichte er mit Mitarbeitenden des Teams Waldbau momentane Aufgaben und Fragestellungen bei der Waldbewirtschaftung.

Waldbaukonzept NRW kennen lernen

Als erstes zeigte Dr. Leder den Studierenden vom Borkenkäfer stark geschädigte und abgestorbene (Dürrständer-) Fichten. Besonders intensiv wurde das wegweisende Dürrständerkonzept diskutiert.“ Das kann ein wichtiges Werkzeug für den Umgang mit den Folgen von Kalamitäten sein“, so Prof. Nieder. Die Studierenden erlebten so Ursachen und Auswirkungen des massiven Käferbefalls. Als übergreifende Strategie für Waldumbau und Wiederbewaldung lernten sie das Waldbaukonzept NRW sowie die darin enthaltenen Vorschläge für standortgerechte Mischbestände kennen. Die Studierenden sahen auf einer Freifläche und an nach dem Sturm Kyrill entstandenen Wäldern, wie natürliche Wiederbewaldung mit kleinflächigen Anpflanzungen von Edelkastanie, Eiche oder Douglasie kombiniert werden kann. Als weitere Zukunftsbaumart wurde die Weißtanne vorgestellt. Dazu wurde den Studierenden ein Verfahren zur manuellen Plätzesaat der Weißtanne unter dem schützenden Schirm älterer Fichten demonstriert.

„Wald der Zukunft“

Zum Abschluss ging es in den „Wald der Zukunft“, einen alten Mischbestand aus Douglasie, Buche, Eiche, Bergahorn und Vogelbeere. Hier konnten die Studierenden anhand eines Bodenprofils und Zeigerpflanzen die eigenen standortkundlichen Kenntnisse auffrischen. Sie sahen das enorme Wuchspotential der Douglasie und wie wertvoll dieses für den Klimaschutz ist. Eine Baumart mit hohen Zuwächsen wie die Douglasie kann besonders viel CO2 aus der Atmosphäre binden. Dieses bleibt bei einer hochwertigen Verwendung ihres Holzes, zum Beispiel in Möbeln und Bauholz, lange gebunden.

Große Aufmerksamkeit seitens der Studierenden

„Die Studierenden haben heute nicht nur erlebt, welche vielfältigen Prozesse auf unsere Waldökosysteme einwirken, sondern auch wie unterschiedlich die Funktionen und Interessen sind, die sie erfüllen“ fasst Leder den Tag zusammen. „Gefreut hat mich die hohe Aufmerksamkeit während der gesamten Exkursion. Die Fragen der Studierenden haben gezeigt, wie schnell sie verschiedene Perspektiven einnehmen können. Smartphones wurden heute nur gezückt, um Fotos von den Exkursionspunkten zu machen.“ Die Studierenden waren beeindruckt vom breiten und tiefen Wissen der Forstleute. Auch war ihre Freude groß, dass die Exkursion nun endlich möglich war. Wegen der Einschränkungen der Pandemie war sie immer wieder verschoben worden.

Quelle: Wald und Holz NRW