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Prof. Dr. Dr. h.c. Otto Wienhaus, Tharandt, Prof. Dr. Dr. h.c. Horst Kurth, Halle/Saale, Heinrich Rubner, Historiker, Nestor deutscher Forstgeschichte

Heinrich Rubner (1925 – 2017) – Historiker, Nestor deutscher Forstgeschichte

Heinrich Rubner wurde am 2. November 1925 in Grafrath, Oberbayern geboren und starb am 15. Oktober 2017 in München, wenige Tage vor seinem 92. Geburtstag. Er ist der Sohn des bekannten Forstwissenschaftlers Professor Dr. Konrad Rubner (1886 – 1974), der von 1928 bis 1945 die Professur für Waldbau und Forstbenutzung der Forstlichen Hochschule Tharandt (Fakultät der Technischen Hochschule/Universität Dresden) innehatte. Sein Buch „Die Pflanzengeographischen Grundlagen des Waldbaus“ von 1924 und die Gründung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Forstliche Vegetationskunde 1939 begründeten seine spezifische Position im deutschen Waldbau. Die Tharandter Jahre Konrad Rubners, in denen er auch Abteilungsvorstand und Dekan war, haben seinen Sohn Heinrich stark beeinflusst. Im Tharandter Wald hatten ihn die Versuche seines Vaters zur Sudetenlärche imponiert, die er immer wieder aufsuchte. Er war Schüler des Dresdner vitzthumschen humanistischen Gymnasiums. Doch rasch folgten der Wehrdienst mitten im Zweiten Weltkrieg und eine lange russische Kriegsgefangenschaft.

Heinrich Rubner folgte seinem Vater, der 1945 zurück nach Bayern ging und als Ministerialdirektor in der bayrischen Landesforstverwaltung wirkte. Heinrich studierte ab 1948 Geschichte, Geographie und Germanistik in München. Er promovierte 1955 an der LMU München mit einer Dissertation „Die Wälder der Inn-Sulzach- Platte“ zum Dr. phil. Danach begann er sein Berufsleben bei Prof. Mantel in Freiburg. 1960 erschien sein Buch über die historische Verbreitung der Hainbuche. Heinrich Rubner habilitierte sich 1962 über die Forstverfassung des mittelalterlichen Frankreichs. Er blieb an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg bis 1969 als Dozent für Forstgeschichte. In dieser Zeit entstand eines seiner Hauptwerke, die „Forstgeschichte im Zeitalter der industriellen Revolution“ 1967.

Rubner wechselte 1968 an die Universität Regensburg, an der er 1979 bis zu seiner Emeritierung die Professur für Bevölkerungs- und Sozialgeschichte innehatte. Sein Arbeitsschwerpunkt blieb die Erforschung der europäischen, besonders der französischen und deutschen Forstgeschichte. Diese Untersuchungen mündeten 1985 in dem wichtigen Buch „Deutsche Forstgeschichte 1933 – 1945 – Forstwirtschaft, Jagd und Umwelt im NS-Staat“. Er schloss damit eine große Lücke in der Aufarbeitung dieser Zeit aus forstlicher Sicht. Nicht überall fand diese Analyse und Wertung eine freundliche Aufnahme. Das Werk wurde 1997 neu verlegt.

Nach seiner Emeritierung leitete Rubner verschiedene Forschungsobjekte und intensivierte seine Mitwirkung in deutschen und internationalen Fachorganisationen, besonders in der Forest History Society und in der International Union for Forestry Research Organization (IUFRO), Fachgruppe Forstgeschichte, die er 1963 mit begründet hat und deren Leiter er 1979 bis 1986 war.

Seine hohe Allgemeinbildung, Fach- und Sprachkenntnis, seine Integrität, seine nahezu väterliche Unterstützung jüngerer Kollegen, seine souveräne Zurückhaltung und die Aufgeschlossenheit für seine forstlichen Heimaten Bayern und Sachsen führten zur außergewöhnlich hohen Wertschätzung und weit verbreiteten Empathie für diesem Zeitzeugen. Gespräche mit Heinrich Rubner waren ein bereichender Genuss. Hervorzuheben sind auch seine Herausgabe der Biographien-Sammlung „Hundert bedeutende Forstleute Bayerns (1875 – 1970)“ und die Unterstützung der Fachrichtung Forstwissenschaften Tharandt der TU Dresden mit Rat, Bekenntnis und Gastvorlesungen in den neunziger Jahren.

Prof. Dr. Dr. h.c. Otto Wienhaus, Tharandt, Prof. Dr. Dr. h.c. Horst Kurth, Halle/Saale

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