Forstpolitik

Wiener Erklärung unterzeichnet

Bearbeitet von Rainer Soppa

Im Rahmen einer Konferenz des Europäischen Waldbesitzerverbandes (CEPF) haben am 5. Oktober in Wien die Vertreter von Waldbauernverbänden aus 17 EU-Ländern sowie sechs europäischen Dachverbänden eine gemeinsame „Wiener Erklärung“ zur EU-Waldstrategie verabschiedet und unterzeichnet.

Ihre klare Ablehnung der im Sommer präsentierten EU-Waldstrategie 2030 bekräftigen die europäischen und Waldbesitzer bei einer eigens einberufenen Konferenz in Wien. In einer Deklaration an die EU-Kommission fordern sie deutliche Korrekturen im Hinblick auf die Umsetzung. Ziel müsse es sein, in Zukunft einen realistischen und zielgerichteten Klimaschutz sowie eine Beibehaltung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung zu ermöglichen. Die vorliegende Strategie konterkariere dies.

Scharfe Kritik von den Waldbesitzern

Die „EU forest strategy for 2030“ der EU-Kommission wurde am 16. Juli 2021 veröffentlicht. Auch der CEPF sowie die AGDW hatten hierzu scharfe Kritik geübt. Die Strategie habe die Erfolge der nachhaltigen Forstwirtschaft ignoriert und würde radikal in die nationalen Gesetzgebungen und regionalen Gegebenheiten eingreifen. „Die EU-Forststrategie wird nur Erfolg haben, wenn sie sich mit den Maßnahmen für den Klimaschutz und die Energiewende wirksam verzahnt“, sagte Dr. Ivo von Trotha, AGDW-Präsidiumsmitglied und CEPF-Vizepräsident. „Daher müssen die Waldbesitzer in die Verhandlungen einbezogen werden.“ Die Konferenz hat eine Deklaration verabschiedet, die die Honorierung der Ökosystemleistungen des Waldes und die Einbeziehung der Waldbesitzer und ihrer Expertise in den Mittelpunkt rückt.

Felix Montecuccoli, Präsident Land & Forst Betriebe Österreich und Max v. Elverfeldt, Vorsitzender Familienbetriebe Land und Forst, bei der Unterzeichnung der Wiener Erklärung
Felix Montecuccoli, Präsident Land & Forst Betriebe Österreich und Max v. Elverfeldt, Vorsitzender Familienbetriebe Land und Forst mit der Wiener Erklärung
Foto: LFBÖ – Marko Kovic


„Wir sind uns einig, dass der Fokus der EU-Waldstrategie ganz klar auf einer nachhaltigen Wald- und Holznutzung statt auf Nutzungsverboten liegen sollte. Denn tatsächlich bedeuten Stilllegungen an vielen Stellen einen Stillstand für den Klima- und Artenschutz, vor allem durch Verlagerungseffekte“, erklärte der Vorsitzende der Familienbetriebe Land und Forst (FabLF), Max von Elverfeldt, im Rahmen der Unterzeichnung. „16 Millionen Waldbauern in Europa unterstützen das Erreichen der EU-Umweltziele. Mit den aktuellen Vorgaben aus Brüssel können wir das Klima- und Artenschutzpotenzial unserer Wälder nicht voll ausschöpfen. Das können wir uns im Kontext unserer Klimaschutzbemühungen jedoch weder in Europa noch in Deutschland leisten. Deshalb müssen die nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Holzwirtschaft mit ihrem Beitrag zum Klima- und Artenschutz in den Mittelpunkt einer jeden Waldstrategie rücken. Dabei ist es wichtig, dass Waldeigentümer, die Wissenschaft und relevante Praktiker in die Erarbeitung der entsprechenden Strategien mit einbezogen werden“, so Elverfeldt.

Die EU-Kommission habe mit der Novellierung der Verordnung über die Einbeziehung der Emissionen und des Abbaus von Treibhausgasen aus Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft (LULUCF), der EU-Biodiversitätsstrategie und der EU-Waldstrategie eine Reihe von Rechtsetzungsvorhaben und Programmen eingeleitet, die einzeln und im Verbund geeignet seien, die Forstwirtschaft und die Versorgung mit dem Rohstoff Holz erheblich zu beeinträchtigen. „Die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder wird damit deutlich erschwert. Wir plädieren in dem Kontext ganz klar für mehr Weitsicht. Denn Nutzungsverbote konterkarieren durch Verlagerungseffekte den notwendigen Klima- und Artenschutz!“, so Elverfeldt.

Georg Schirmbeck, Präsident Deutscher Forstwirtschaftsrat (DFWR)
Georg Schirmbeck, Präsident Deutscher Forstwirtschaftsrat (DFWR)
Foto: LFBÖ – Marko Kovic

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) habe sich federführend und nachdrücklich für eine Weiterentwicklung der europäischen Forststrategie eingesetzt. Wir bräuchten Zukunftsstrategien für einen klimaresilienten Wald, für nachfolgende Generationen und für die gesamte Gesellschaft. Dafür sei es notwendig, dass die Forstwirtschaft in Europa mit einer Stimme spreche. Die EU-Waldstrategie beinhalte Nutzungseinschränkungen im Holzbereich, die die Erreichung der Klimaziele gefährden würden. Der DFWR fordert mit seinen europäischen Kolleginnen und Kollegen deshalb die Weiterentwicklung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Rahmen des Forstministerprozesses „Forest Europe“ sowie die Auflösung des Zielkonfliktes zwischen Biodiversität und Klimaschutz, so Georg Schirmbeck, Präsident der DWFR.

Quelle: FabLF, DFWR, AGDW, LK Österreich, Red.