WaldÖkologie

Wiederbewaldung: Forscherin verteilt europaweit Saatgut

Bearbeitet von Carolin Föste

Der Garten der Bäume, das klingt nach Erholung, gesunder Natur und Waldpflege. Hinter dem Namen „MyGardenOfTrees“ versteckt sich ein Projekt, das sich um die Klimastabilität der Wälder sorgt. Zwei Forscherinnen testen, wie sich Saatgut aus aller Welt in sieben europäischen Ländern im Wald entwickelt.

Welche Bäume sollten in Deutschland und Europa gepflanzt werden, um die Wälder der Zukunft klimaresilient zu gestalten? Und gibt es ausreichend forstliches Saatgut? Das diskutieren derzeit Forstleute, Waldforschung und -politik. Die von der Europäischen Kommission geförderte Wissenschaftlerinnen der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), Nicole Ponta und Katalin Csilléry, bringen eine Saatgutmischung aus Buchen und Weißtannen in die Forstbetriebe Europas. Wo wachsen welche Bäume am besten?

Das richtige Saatgut für den Klimawald

Um zu erfahren, welches Saatgut sich für welchen Standort eignet, wurde Saatgut mithilfe von Baumkletterern gewonnen. Dieses müsse man direkt im Wald ausbringen, so die Forscherinnen. Um der Natur, zumindest was Fressfeinde angeht, aber nicht zu 100 % freien Lauf zu lassen, brauche es spezielle Metallkörbe, die für die Versuche angefertigt wurden. „Sie schützen nicht nur das Saatgut und die Setzlinge, sondern auch den umliegenden Wald vor einer möglichen genetischen Kontamination durch fremdes Saatgut“, so Ponta, die das Projekt MyGardenOfTrees koordiniert.

Auch in diesem Jahr wird weiter Saatgut gesammelt. „Es wird eine große gemeinsame Anstrengung mit lokalen Förstern, Mitarbeitern und den lokalen Koordinatoren des Projekts sein. Dies ist unsere Chance, alle notwendigen Samen zu sammeln, die die gesamte genetische Vielfalt dieser beiden Arten repräsentieren“, beschreibt Csilléry, Projektleiterin und Leiterin der Gruppe Evolutionsgenetik an der WSL.

Potenzial von internationalem Forst-Saatgut in Europa

Die Metallkörbe bedecken und markieren dann die Setzlinge aus dem verteilten Saatgut in den Beständen. Das Wachstum der Setzlinge soll so abhängig der klimatischen Standortbedingungen untersucht werden. Auf gelben Schildern ist ihre Herkunft verzeichnet. Das Saatgut stammt aus Frankreich, Iran, Slowenien und wächst nun in der Schweiz und weiteren europäischen Ländern im Vergleich auf.

„Wir wollen verstehen, welches Überlebens- und Wachstumspotenzial eine bestimmte Waldbaumpopulation – und ihr einzigartiger Satz von Genen – hat, indem wir sie unter verschiedensten Umweltbedingungen testen“, sagt Csilléry.

Projekt fördert Kommunikation unter Forstleuten

Für die Kommunikation unter europäischen Forstleuten sind Koordniationsstellen in Frankreich, Deutschland, Ungarn, Polen, Rumänien, Griechenland, Kroatien und Spanien eingerichtet. Nun suchen die Forscherinnen nach Freiwilligen für die Studien bis 2027. „Wir möchten in diesem Jahr mindestens 500 Teilnehmer rekrutieren. Waldbewirtschafterinnen und -besitzer, aber auch engagierte Bürger und Gemeinden, die die Genehmigung eines Waldbesitzers haben, sind herzlich willkommen“, erklärt Ponta.

Die Freiwilligen müssen eine Versuchsfläche, einen sogenannten Mikrogarten, anlegen und ihn mindestens fünf Jahre lang beobachten. Über Smartphones, die an den Projektserver gesendet und auf der MyGardenOfTrees-Webseite in Echtzeit visualisiert werden, werden alle Beobachtungen geteilt. Über den Link können sich Interessierte außerdem registrieren.

Nach einem ersten Testlauf gibt es schon jetzt Erkenntnisse: „Einige osteuropäische Herkünfte stechen mit einer außergewöhnlich hohen Keimrate hervor, insbesondere solche aus Slowenien. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nur spekulieren, aber diese Ergebnisse scheinen darauf hinzudeuten, dass Herkünfte, die eine große genetische Vielfalt beherbergen, eine gute Leistung im Freiland aufweisen“, erklärt Csilléry.

Freiwillige Försterinnen und Förster gesucht

Mit ihrem Projekt nahmen die Forscherinnen ein Risiko auf sich: sie seien auf die freiwillige Unterstützung von Forstbetrieben angewiesen. Csilléry ist aber optimistisch: „Die Forstleute sorgen sich um die Zukunft ihrer Wälder und sind begeisterungsfähig für Experimente. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen können.“

Försterinnen und Förster bringen dann ihre Arbeitszeit und -fähigkeiten sowie das Wissen über ihre Bestände in die Forschung mit ein. „Ich möchte sie für ihre Beteiligung entschädigen, indem ich ein Prognosewerkzeug entwickle, mit dem Forstleute optimale Saatgutquellen auswählen können, um ihre Wälder für das erwartete zukünftige Klima fit zu machen.“

Quelle: WSL