ABO
Wiederansiedlung des Auerhuhns in Thüringen

Wiederansiedlung des Auerhuhns in Thüringen

Thüringens Forstministerin Birgit Keller hat am 2. September zusammen mit Vertretern der Landesforstanstalt, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Landesverband Thüringen (SDW) und weiterer Artenschutz-Experten die diesjährige Auerhuhn-Auswilderungsaktion im Bereich des Forstamtes Gehren eröffnet.
  
„Das Auerhuhn, größtes Waldhuhn im Freistaat, ist akut vor dem Aussterben bedroht. Die Rettung dieser sensiblen Art ist von großem forstlichem, naturschutzfachlichem und wildbiologischem Interesse“, sagte Keller nach der Auswilderung der imposanten Tiere. Zugleich stellte die Ministerin den Raufußhuhnbericht 2014 vor.

 

Der Charaktervogel Thüringens darf nicht aussterben
Der Charaktervogel des Freistaats, vielfach auf Wappen zu sehen oder an Ortsbezeichnungen zu lesen, war noch in den 1970er Jahren im Thüringer Schiefergebirge weit verbreitet. Hohe Schadstoffeinträge, fehlende Nahrungsgrundlagen, zunehmende Schwarz- und Raubwildbestände und vielfältige Störungen durch den Menschen haben die Auerhuhnbestände im Land drastisch vermindert. Zwischenzeitlich ausgewiesene Naturschutzgebiete und EG-Vogelschutzgebiete definieren das Auerwild als besonders schutzwürdige Art. Doch es hat sich herausgestellt, dass dieser reine Flächenschutz nicht ausreicht.
Aus europaweiten Konsultationen zum Schutz des Raufußhuhns im Jahr 2010 ergaben sich neue Überlegungen zur Auswilderungsstrategie. Diese mündeten im Jahr 2011 in einem neuen Auerhuhn-Rettungsprogramm. Dabei werden Nachzucht und Auswilderung durch eine aktive Lebensraumverbesserung unterstützt. Dazu gehört die Jagd auf Räuber wie Fuchs oder Waschbär und der Schutz des scheuen Vogels vor dem Menschen. Durch die gleichzeitige Jagd auf Schalenwild wird der Verbiss gemindert und führt zu einer Vitalisierung der für das Auerhuhn lebensnotwendigen Beerkrautvegetation. Diese Strategie bietet nach Ansicht aller Raufuß-Experten gute Chancen zur erfolgreichen Wiederansiedlung des Auerhuhns in Thüringen.
Ein beispielhaftes Artenschutzprojekt in Thüringen
Neben der Landesforstanstalt und der SDW wird das komplexe Artenschutzprojekt durch den Thüringer Landesjagdverband, von privaten und kommunalen Waldbesitzern, den Naturschutzbehörden wie auch von vielen ehrenamtlichen Auerhuhnexperten unterstützt.
Anfang November dieses Jahres wird ThüringenForst Gastgeber der Jahrestagung der europäischen Raufußhuhnexperten sein. Hier soll unter anderem auch über die neue Auswilderungsstrategie beraten werden. Damit ist sichergestellt, dass auch internationales Expertenwissen in das aktuelle Projektmanagement bei ThüringenForst einfließt.
 
Lebensraumgestaltung als Schlüsselfaktor
Zur auerhuhngerechten Lebensraumgestaltung gehört die Herstellung lichterer Waldstrukturen, die Förderung alter starkastiger Kiefern sowie die Verbesserung der Beerkrautvegetation ebenso wie der Ersatz von für das Waldhuhn gefährlichen Drahtzäunen durch besser sichtbare hölzerne Hordengatter. Alle Maßnahmen laufen im Kontext der forstlichen Bewirtschaftung. Speziell mit den waldbaulichen Maßnahmen wird nicht nur das Auerhuhn, sondern auch andere Arten lichter Waldstrukturen wie die Rote Waldameise, die Kreuzotter oder der Ziegenmelker gefördert.
„Hier zeigt sich sehr schön, das Artenschutz nicht gegen die naturnahe Forstwirtschaft, sondern mit der naturnahen Forstwirtschaft umgesetzt werden kann“, so die Ministerin abschließend.
Thüringen Forst

Auch interessant

von