Waldschutz

Wie wirken sich Hitze und Trockenheit auf Borkenkäfer aus?

Bearbeitet von Jörg Fischer

Der Sommer 2022 kommt mit Rekordtemperaturen von teilweise über 40 °C daher. Hitze und Trockenheit machen den Waldbäumen stark zu schaffen. Durch den Trockenstress sind die Bäume obendrein anfälliger für den Befall durch Schadorganismen. Das gilt insbesondere für Befall durch Borkenkäfer, da diese sich durch die aktuelle Witterung in Bayern und Österreich schneller entwickeln konnten.

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) schreibt in ihrem Blickpunkt Waldschutz 11/2022, dass in ganz Bayern eine beschleunigte Entwicklung der Fichtenborkenkäfer zu beobachten ist. Demnach konnten sich die Schadinsekten nur im Hitzejahr 2018 noch schneller entwickeln. Inzwischen seien bereits die Larven, z. T. sogar schon Puppen, der 2. Buchdruckergeneration unter der Rinde befallener Fichten zu finden. Sollten die Sommertemperaturen weiter anhalten, schätzen die Waldschutzexperten der LWF, könne mit dem Ausflug der 2. Jungkäfergeneration bis Mitte August gerechnet werden. Die flächige Anlage einer 3. Buchdruckergeneration sei deshalb sehr wahrscheinlich.

Massive Zunahme der Borkenkäferschäden in Bayern wahrscheinlich

Für Bayern rechnen die Forschenden der LWF damit, dass die Schäden durch die Fichtenborkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher in nächster Zeit massiv zunehmen werden. Der Befall verteile sich zwar bislang „schrotschussartig“ über Bayerns Wälder und die Käferlöcher fallen zumeist kaum größer aus als eine Baumlänge, jedoch sei die Entwicklung, da sie im gesamten Freistaat beobachtet werden könne, dennoch besorgniserregend. Eine Ausnahme bildet laut LWF der Frankenwald. Hier treten auch großflächige Schäden auf.

Die Landesanstalt rät dazu, die Augen offen zu halten und die Fichtenbestände nach neuen Befallsherden abzusuchen. Auch weiterhin ist eine schnelle Aufarbeitung des Schadholzes angezeigt, fördert das trockene Material doch auch das Waldbrandpotenzial in den ohnehin ausgetrockneten Beständen. Aus diesem Grund sollte auch auf das Verbrennen von Resthölzern und Kronenmaterial unterbleiben.

Die bayerischen Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) stellen eine aktuelle Gefährdungseinschätzung anhand einer Risikokarte zur Verfügung.

Kritische Lage auch in Österreich: 1 Mio. Fm auf 10.000 ha!

Kritische Zahlen werden auch aus Kärnten in Österreich gemeldet: Die Landwirtschaftskammer (LK) Kärnten verzeichnete für dieses Jahr bis Ende Juli bereits 1 Mio. Fm Schadholz durch Borkenkäfer auf 10.000 ha Fläche. Ganzen Tälern drohe die Entwaldung. Im Rahmen eines Forst-Holz-Gipfels wurden deshalb für Kärnten konkrete Maßnahmen beschlossen:

  • Vonseiten der Forstwirte soll frisch befallenes Holz vorrangig eingeschlagen und abtransportiert werden.
  • Die holzverarbeitenden Betriebe sichern im Gegenzug zu, das Borkenkäferholz in großem Umfang abzunehmen.
  • Durchforstungen sollen aufgrund der guten Marktlage bei Industrie- und Faserholz weiter durchgeführt werden.
  • In Objektschutzwäldern werden seitens des Waldverbands (WLV) Kärnten besondere Maßnahmen wie beispielsweise Querfällungen von geeigneten Bäumen gesetzt, um Siedlungen und Häuser zu schützen.
Mit Material von LWF und LK Kärnten