Waldbau

Wie spielen Waldnutzung und Klima zusammen?

Bearbeitet von Jörg Fischer

Aktuell werden verschiedene Formen der Waldnutzung diskutiert. Dabei scheint festzustehen, dass nur mit Holznutzung und Jagd allein in Zukunft kaum mehr nachhaltig gewirtschaftet werden kann. Doch wie wirkt sich welche Waldbewirtschaftungsform auf die Waldökosysteme aus? Wie verändert sich die Biodiversität und welche Auswirkungen im Zusammenspiel mit dem Klimawandel auf globaler Ebene sind zu erwarten?

Vor dem Hintergrund des Klimawandels und dem angestrebten schnellen Ausstieg aus der Verwendung fossiler Brennstoffe spielen unsere Wälder schon jetzt eine wichtige Rolle. Die Bedeutung des Waldes und seiner Nutzung wird in Zukunft sogar noch steigen, ist sich Ökologe Tord Snäll von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften überzeugt: „Wenn wir die gleichen Mengen produzieren wollen und eine Energiequelle wegnehmen, werden wir das woanders ersetzen müssen.“

Doch wie sehen die Folgen einer verstärkten Waldnutzung für das Ökosystem aus? Dies sei schwer vorhersagbar, so die Forschenden weiter. Sicher sei indes, dass mit der Zunahme intensiver Forstwirtschaftssysteme eine Reduktion der Biodiversität einhergehe. Dies habe weitreichende Folgen.

Doch wie genau können die Folgen aussehen? Dieser komplexen Frage geht eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) mit Sitz in Laxenburg bei Wien nach, dessen Beitrag vom Wissenschaftsfonds FWF finanziert. Ziel sei es, Prognosen in Bezug auf die Waldnutzung und ihre Auswirkungen auf Biodiversität und das menschliche Wohlbefinden für die nächsten hundert Jahre zu erstellen.

Biodiversität im Wald: Welche Rolle spielt der Artenreichtum von Käfern?

Ein Ansatz der Forschenden besteht darin, verschiedene Szenarien durchzuspielen und die Ergebnisse zu vergleichen. doch Prognosen für derart lange Zeiträume seien mit großen Unsicherheiten behaftet, so das Projektteam. Man gehe deshalb der Frage nach, wie sich die Waldnutzung verändert, wenn das Gesamtsystem auf ganz unterschiedliche Gesichtspunkte hin optimiert wird. „Wir fragen, wie die Welt aussehen wird, wenn der Fokus auf maximalen Profit, auf größtmögliche Biodiversität oder auf menschliches Wohlbefinden gelegt wird“, so Snäll.

Besonders wichtig sei dabei der Aspekt der Biodiversität. Snäll und sein Team nutzten für ihre Untersuchungen Daten von Projektpartnern, die sich mit im Wald heimischen Käferarten beschäftigen. Der Artenreichtum der Käfer erlaube es, sie als Modell für die Biodiversität des Waldes zu benutzen, sind sich die Forschenden sicher. Anhand dieser Daten fand das Projektteam bereits heraus, dass Forstwirtschaft die Biodiversität eher reduziert. „Forstwirtschaft heißt in vielen Fällen, Wälder zu fällen und dann wieder aufzuforsten“, so Snäll. Manche Käferspezies bräuchten aber viele Jahre, um im Wald Fuß zu fassen. Der typische Bewirtschaftungszyklus sei dafür zu kurz. Waldbewirtschaftung verursache daher einen Verlust von Biodiversität, so die Aussage Forschenden.

Biodiversität vs Kohlenstoffreduktion?

Doch ist der Fokus auf Faktoren wie Biodiversität bei der Waldnutzung angesichts drängenderer Fragen in der Klimakrise der richtige Ansatz? Steht nicht vielmehr die Kohlenstoffreduktion im Vordergrund? Snäll dazu: „Genauso gut könnte man fragen, warum wir uns nur auf die Kohlenstoffproblematik und nicht mehr auf Biodiversität konzentrieren sollen.“ Diese beiden Dinge ließen sich seiner Meinung nach nicht trennen. So seien artenreichere Wälder robuster gegen Schädlinge oder Windbruch. „Inzwischen ist gut bekannt, dass Biodiversität in einem Ökosystem auf verschiedenen Ebenen einen höheren Nutzen für Menschen bedeutet, inklusive höherer Produktivität“, betont der Ökologe. Mit höherer Diversität von Baumsorten steige auch die Biodiversität bei Käfern.

Wohlfühlort Wald

Snäll und sein Team interessierten sich aber auch für weniger offensichtliche Zusammenhänge, etwa für Antworten auf die Frage, wie sich verschiedene Waldtypen auf das Wohlbefinden von Menschen auswirken. Letzteres sei durch eine Zusammenarbeit mit Psychologinnen und Psychologen möglich, die untersuchen, welche Art von Wald Menschen als besonders erholsam wahrnehmen. Dass die Untersuchung dieses Aspekts ungewöhnlich ist, sei durchaus gewollt: „Wir waren bei der Planung sehr daran interessiert, die Arbeit auf neue Disziplinen zu erweitern“, so Snäll. Die Untersuchungen gehören zum Bereich der sogenannten Ecosystem Services – Ökosystemdienstleistungen also – die eben nicht nur die Stabilität des Klimas und die Versorgung mit Gütern berücksichtigen, sondern beispielsweise auch kulturelle Werte und gesundheitliche Effekte betrachten.

Ein globales Modell

All diese Aspekte lassen sich laut der Aussage des Projektteams von den Partnerorganisationen in Deutschland, Norwegen, Schweden und Finnland auf nationaler Ebene simulieren: „Auf der Ebene von Staaten gibt es sehr detaillierte Modelle, die von den großen Forstwirtschaftsunternehmen für ihre praktische Arbeit verwendet werden“, führt Snäll aus.

Für weltweite Skalen ist der österreichische Projektpartner IIASA unter Leitung des Mathematikers und Ökonomen Nicklas Forsell zuständig. Mit seinem Team hat er ein globales Landnutzungsmodell namens GLOBIOM entwickelt. „Dazu wird der Planet in Pixel unterteilt und auf dieser Ebene die Dynamik des Waldes modelliert. Parallel dazu wird simuliert, wie die Gesellschaft sich wirtschaftlich verändert“, beschreibt Snäll. Mit der Simulationsumgebung GLOBIOM sollen also nationale Waldnutzungsmodelle unter einen Hut gebracht werden können. Im Fall von Snälls Heimatland Schweden bedeute das etwa, dass GLOBIOM eine bestimmte Menge an Holz berechnet, die Schweden zur Deckung steigender globaler Nachfrage liefern müsste, und auf staatlicher Ebene wird untersucht, wie diese Menge erbracht werden könne. Als Nächstes sollen in dem noch bis Ende des Jahres laufenden Projekt die Simulationen auf globaler Ebene in Angriff genommen werden.

Weitere Infos: https://scilog.fwf.ac.at/biologie-medizin/15835/der-wald-und-das-klima-in-100-jahren

Mit Material des FWF