Forstpolitik Waldschutz

Wie muss das neue Bundesjagdgesetz aussehen?

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Wie der Deutsche Bundestag in einer Meldung vom 21. Januar mitteilte, hat die Bundesregierung einen Entwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes, des Bundesnaturschutzgesetzes und des Waffengesetzes vorgelegt. Zu diesem Thema diskutieren auch im Rahmen der IGW Digital 2021 Experten während des Onlineforums des Deutschen Bauernverbands (DBV) über den bestehenden Wald-Wild-Konflikt. Auch der Deutsche Forstwirtschaft (DFWR) äußert sich zum Thema. 

Clemens Freiherr von Oer als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer (BAGJE), Georg Schirmbeck als Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) und Dr. Dirk-Henner Wellershoff als Vize-Präsident des Deutschen Jagdverbandes (DJV) führten bei der Schlussveranstaltung im Rahmen der digitalen IGW 2021 des Deutschen Bauernverbands einen intensiven Dialog zur laufenden Novellierung des Bundesjagdgesetzes. Vor allem die besonderen Herausforderungen, die sich im Zusammenhang mit der anstehenden Wiederbewaldung bei gleichzeitig notwendigem Waldumbau stellen, war Thema. Dabei wurden beim partnerschaftlichen Austausch die unterschiedlichen Sichtweisen von Jägern und Waldbesitzern deutlich.

Neuregelung bei Rehwildabschuss

Im vorliegenden Entwurf der Bundesregierung zur Änderung des BJagdG findet sich u. a. die neu eingefügte Zielsetzung, wonach die Hege „insbesondere die Verjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen“ ermöglichen soll. Diese Ergänzung und Neuregelungen zur Abschussplanung beim Rehwild sollen dort, wo es überhöhte Rehwildbestände gibt, dafür Sorge tragen, dass diese dauerhaft auf ein waldbaulich notwendiges Maß reduziert werden. Der DFWR sieht das ähnlich. Mit der vollständigen Aufhebung der behördlichen Abschusspläne für Rehwild könnten die Jagdbehörden deutlich entlastet werden. Beispiele aus verschiedenen Bundesländern zeigen, dass der bisherige umfangreiche Verwaltungsaufwand für behördliche Abschusspläne entbehrlich ist. Stattdessen kann der Abschuss über Regelungen erfolgen, die Verpächter und Pächter auf vertraglicher Basis treffen. Dazu bedarf es aber dringend notwendiger fachlicher Beratung und Unterstützung durch die Jagdbehörden. Diese könnten beispielsweise Jagdgenossenschaften als Verpächter durch zweckmäßige Informations- und Schulungsangebote begleiten.

Gemeinsam Verantwortung tragen

Während Freiherr von Oer (BAGJE) der Ansicht ist, dass „die Abschussregelungen zum Rehwild bereits in verschiedenen Landesjagdgesetzen gut geregelt sind und daher auch echte Unberührtheitsklauseln im Bundesgesetz nötig seien“, bekräftigte Georg Schirmbeck (DFWR) die Notwendigkeit, sowohl die bestehenden als auch die zukünftigen jagdrechtlichen Regelungen vollumfänglich anzuwenden. Ein novelliertes Bundesjagdgesetz alleine bringe noch nicht den erwünschten Erfolg. Jäger, Waldbesitzer und Jagdbehörden müssen in konsequenter Umsetzung der gegebenen Möglichkeiten vor Ort gemeinsam ihrer Verantwortung nachkommen. Dr. Dirk-Henner Wellershoff gibt aber zu bedenken, dass „es in der Praxis ohne Schutzmaßnahmen bei Verjüngungen im Wald nicht gehen wird und dass gerade die Anpflanzung von neuen klimaresilienten Baumsorten in einer bisherigen Monokultur einen Leckerbissen für das Rehwild darstellt.“ Die drei Podiumsteilnehmer stimmten in der Einschätzung überein, dass der Waldumbau hin zu klimastabilen Wäldern und die Wiederbewaldung der vom Klimawandel stark geschädigten Wälder nur gemeinsam gelingen wird. Gemeinsamkeit braucht dabei Kommunikation. Die Teilnehmer haben ihre Bereitschaft zum Dialog mit dieser Veranstaltung sehr eindringlich gezeigt.

DFWR fordert bessere Wald-Wild-Entwicklung

Auch der Deutsche Forstwirtschaftsrat hat sich aktiv an dem von der Regierung vorgeschlagenen Abstimmungsprozess hinsichtlich des neuen Gesetzes beteiligt. „Der DFWR fordert das Gesetz so zu ändern, dass die vielerorts überhöhten Wildbestände leichter an die örtlichen waldbaulichen Erfordernisse einreguliert werden können, um die Voraussetzung für die Entwicklung von klimastabileren Mischwäldern zu verbessern“, betont DFWR-Präsident Georg Schirmbeck. „Es kommt jetzt darauf an, mit einem novelliertem Bundesjagdgesetz den richtigen Rahmen für die notwendige Wald- und damit Lebensraumentwicklung zu schaffen“.

Waldverjüngung muss ohne Schutzmaßnahmen möglich sein

Der Gesetzentwurf in seiner jetzigen Fassung wird aus Sicht des DFWR den Ansprüchen einer zukunftsfähigen Wald-Wild-Entwicklung nicht gerecht. Es sollte beispielsweise möglich sein, dass eine gemischte Verjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen auskommt. Der Gesetzentwurf muss um diese wichtige Spezifikation ergänzt werden. Arten– und strukturreiche Mischbestände rechtfertigen die Annahme einer langfristig größeren Resilienz gegenüber künftigen biotischen und abiotischen Gefahren. Um derartige Mischbestände längerfristig entwickeln zu können, bedarf es bereits zum Zeitpunkt der Waldbegründung einer gemischten Verjüngung des Waldes. In diesem Kontext sind auch die rechtlichen Regelungen zur Anbringung von Schutzvorrichtungen unbedingt zu berücksichtigen. Die Pflichten der Waldbesitzenden zur Herstellung von Schutzvorrichtungen müssen dazu neu definiert werden.

Vegetationsgutachten sind Basis für Abschusshöhe

Der DFWR hält regelmäßig durchgeführte flächendeckende Vegetationsgutachten für zwingend erforderlich. Nur sie liefern objektiv verlässliche Hinweise, ob der Wildeinfluss das Nachwachsen des Waldes gefährdet oder gar in Frage stellt. Sie sind eine solide Basis für die Festlegung der Abschusshöhe, die sich konsequent am Zustand und der Entwicklung des Waldes orientiert. In diesem Zusammenhang bedarf es aus Sicht des DFWR weder ergänzende Lebensraumanalysen noch einer zusätzlichen gesetzlichen Regelung zur Durchführung. Darüber hinaus macht es wenig Sinn, eine spezifische Lebensraumanalyse allein nur auf eine einzelne Schalenwildart, wie das Rehwild, das zudem in keiner Weise gefährdet ist, auszurichten.

Hinweis: Welche Regelungen gibt es im neuen Bundesjagdgesetz?

Im neuen Gesetz sind folgende Regelungen enthalten: eine Reduktion von bleihaltiger Büchsenmunition, ein verpflichtender Schießübungsnachweis für die Teilnahme an Bewegungsjagden, sowie höhere Anforderungen bei der Jäger- und Falknerausbildung. Zudem ist die Abschaffung der bisher verbindlichen Abschusspläne für Rehwild geplant. Dies hat zur Folge, dass sich Waldbesitzende und Jägerinnen und Jäger in Zukunft über einen jährlichen Mindestabschuss pro Jagdrevier verständigen müssen.

Hier geht es zum vollständigen Gesetzentwurf. 

Quelle: DBV, FOKA, DFWR (PM)

Quelle: DBV, FOKA