WaldÖkologie

Wie hilft Totholz bei der Wiederbewaldung?

Bearbeitet von Jörg Fischer

Klimawandel und Borkenkäfer setzen vor allem den Fichtenwäldern im Forstamt Erfurt-Willrode zu. Bei der Wiederbewaldung der entstehenden Schadflächen nutzen die Förster vor Ort auch Totholz als Teil der Strategie. Wie funktioniert das genau?

„Wenn abgestorbene Bäume von Borkenkäfern nicht mehr zur Vermehrung genutzt werden können und keine Gefahr für Menschen darstellen, können sie bei der Wiederbewaldung der Schadflächen helfen“, erklärte Dr. Chris Freise, Leiter des Thüringer Forstamts Erfurt-Willrode. Wie das geht? Ganz einfach, meinte Amtsleiter Freise. So würden Vögel und Kleinsäuger Samen in das Umfeld der toten Bäume tragen und so die Naturverjüngung der nächsten Waldgeneration fördern. Der Vorteil: Die jungen Bäume profitieren vom Schutz der abgestorbenen Bäume, die dem Nachwuchs bei ihrem natürlichen Zerfall Schatten, Nährstoffe und Wasser bieten.

Toter Baum doch voller Leben

„Die toten Bäume selbst sind oft voller Leben“, erklärte Thomas Kallenbach, der im Forstamt für den Waldnaturschutz verantwortlich ist: „Sie werden von Pilzen, spezialisierten Käfern sowie vielen Vogel- und Fledermausarten als Lebensraum genutzt, die auch wichtige Funktionen im Waldökosystem haben.“ Wenn die toten Fichten nach mehreren Jahren zusammenbrechen, schützt ihr Astverhau die Baumverjüngung vor hungrigen Rehen und Hirschen.

Die Mitarbeiter des Forstamts empfehlen daher, abseits von Wegen und Waldgrenzen kleine Gruppen von abgestorbenen Bäumen als Totholzinseln auf den Schadflächen zu belassen.

Und was ist mit der Verkehrssicherheit?

Da stehendes Totholz durchaus auch eine Gefahr bei der weiteren Bewirtschaftung der Flächen darstellt, wenn diese zum Beispiel aktiv bepflanzt und gepflegt werden, sollten die Totholzinseln nicht zu groß gewählt werden und einen ausreichenden Abstand zueinander und zu Waldwegen und -straßen haben.

Aber auch, wenn das nicht ganz möglich sein sollte, hat Kallenbach eine Lösung parat: „Wenn bei der Borkenkäfersanierung die Kronen der Totholzbäume gekappt werden, können die Stümpfe als Hochstubben mit geringerem Gefährdungspotenzial ähnliche Funktionen für den Naturhaushalt übernehmen.“ Das Hauptaugenmerk des Forstamts liege aber nach wie vor auf der rechtzeitigen Sanierung der Borkenkäferschäden und der Erhaltung der lebenden Waldstrukturen.

Red./Quelle: ThüringenForst