WaldÖkologie

Wie gefährlich sind Waldtiere?

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Der Wald ist ein Sehnsuchtsort für den Menschen – aber auch Heimat vieler Wildtiere. Damit sowohl Mensch als auch Tier sich wohl fühlen, sollten Regeln eingehalten werden. Vorsicht und Rücksichtnahme schützen den Waldbesuchenden weiter vor unangenehmen Erfahrungen.

Wie gefährlich sind Waldtiere? Diese Frage haben sich sicher schon viele Waldbesucher gestellt. Es muss nicht immer ein großes Säugetier sein, was uns dabei möglicherweise in den Sinn kommt. Ein kleiner Überblick soll der Orientierung dienen.

Rehwild

Das Reh besiedelt neben dem Wald auch Waldlichtungen, Waldrandzonen, sowie unterwuchsreiche und baumarme Lebensräume. Es gilt als ausgesprochen scheues Fluchttier und ist somit für den Waldbesucher völlig ungefährlich. Allein für den Autofahrer können diese Tiere bei Kollisionen gefährlich werden. V. a. Anfang Juli bis Mitte August, in der Blattzeit bzw. Brunft, springen die „liebestollen“ Rehböcke auf die Straße und werden so unfreiwillig ein Grund steigender Unfallzahlen. Vorsicht geboten ist auch im Herbst bei widrigen Sichtbedingungen. In der Morgendämmerung wie auch am Abend sollten Verkehrsteilnehmer besonders achtsam fahren.

Während der Blattzeit bzw. der Brunft ist der Rehbock nicht Herr seiner wachsamen Sinne und kann somit zur Gefahr für den Autoverkehr werden. Foto: E. Marek

Wildschweine

Jede Mutter beschützt ihr Kind. So ist es auch bei Wildschweinen. Sie leben in Mutterfamilien (Bache mit letztem Nachwuchs), in einem Harem oder Gruppen zusammen. Sehen Bachen ihren Nachwuchs bedroht, kann es schnell ungemütlich werden, denn dann werden die Bachen sehr aggressiv. Waldbesucher sollten Wildschweinkontakt meiden, keinesfalls auf Rotten aktiv zugehen und besser die Tiere unbehelligt ziehen lassen. Ansonsten ruhen Wildschweine einen großen Teil des Tages. Wann sie das tun, hängt von der jeweiligen Umweltbedingung ab.

Zecken

Klein, aber gemein: Zecken gehören zur Klasse der Spinnentiere. Auf befestigten Waldwegen ist die Gefahr gering, mit den Tieren in Kontakt zu kommen. Wer aber im Unterholz nach Pilzen sucht oder Waldwiesen quert, sollte vorsichtig sein. Sinnvoll ist es, die Socken über die Hosenbeine zu ziehen, oder helle Kleidung zu tragen, so sind die Zecken leichter zu sehen. Besondere Vorsicht ist im Frühling und Herbst geboten. Bei Bissen können Zecken unter Umständen gefährliche Krankheiten, wie die Frühsommer-Meningitis (FSME) oder die Borreliose übertragen. Die Krankheiten können schlimmstenfalls auch zum Tod führen.

Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner ist ein nachtaktiver Schmetterling. Ab Ende April schlüpfen die Raupen, die sich besonders an warmen und besonnten Stellen wohlfühlen. Die Härchen der Raupen enthalten Nesselgift und können bei Waldbesuchern im Sommer starke allergische Reaktionen bis hin zu Schocks auslösen. Die Brennhaare sind extrem leicht und werden auch durch geringe Windbewegung weiter getragen. Waldbesucher sollten Befallsgebiete, insbesondere warm-trockene Eichenwälder, meiden und mögliche Wegesperrungen strikt beachten. Gespinstnester dürfen nur von kundigem Personal in Schutzkleidung entfernt werden.

Hornissen

Hornissen sind in Deutschland besonders geschützt. Sie können eine beachtliche Größe erreichen. Die Königin kann sogar bis zu 35 mm groß werden. Hornissen bauen ihre Nester vorzugsweise in Bodenlöcher oder Totholz, welches durch Braun- oder Weißfäule leichter bearbeitbar geworden ist. Nähert man sich diesen Nestern unter vier Meter, werden aus den friedlichen Insektenjägern schnell Schwarm-Angreifer. Innerhalb dieses Bereichs sollte man hektische Bewegungen oder Erschütterungen wie Mäharbeiten vermeiden. Durch Anatmen oder Anpusten werden die Wespentiere außerdem gereizt. Hornissen, die sich nicht in der direkten Umgebung ihres Nestes befinden, stechen nur, wenn sie gequetscht werden, eher versuchen sie zu fliehen. Der Stich ist zwar schmerzhaft, wird aber oft mit dem Stich der Gewöhnlichen Wespe oder der Honigbiene verglichen. Dennoch ist Vorsicht geboten. Die Stiche aller drei genannten Arten können bei Allergikern zu Herzrasen und Atemnot bis hin zu einem Schockzustand führen.

Luchs

Der Luchs gehört zur Unterfamilie der Kleinkatzen. Er bewohnt verschiedenartige Lebensräume, v. a. Wälder aber auch Wüsten, Sumpfgebiete und Grasland. Die durchschnittlichen Streifgebiete rangieren von 16km2 (weibliche Luchs) bis hin zu 248 km2 (männlicher Luchs). Als heimlicher Waldbewohner ist der Luchs für den Menschen völlig ungefährlich. Einen Luchs überhaupt zu bemerken, dürfte den wenigsten Waldbesuchern gelingen. Dennoch ist er direkt durch den Menschen bedroht, der ihn in vielen Regionen wegen seines Fells bejagt. Auch durch die Lebensraumzerstörung und Zerstückelung der Streifgebiete ist der Luchs akut gefährdet.

Wolf

Wölfe leben meist als Familienverbände in Rudeln. Im 19. Jahrhundert wurde die Wolfspopulation in West- und Mitteleuropa, sowie in Japan fast völlig ausgelöscht. Seit der Jahrtausendwende erholt sich die Anzahl der Wölfe in Nord- und Mitteleuropa wieder. Wölfe meiden den Menschen nicht immer, können ihn sogar angreifen. An dieser Tatsache ist der Mensch selbst aber nicht ganz unschuldig. Durch Fütterung von freilebenden Tieren, wie auch Gehegewölfen werden die Tiere an den Menschen gewöhnt. Auch die Veränderung der Lebensräume, die es den Wölfen oft unmöglich macht, wild lebende Beutetiere zu jagen, wie auch Tollwuterkrankungen der Wölfe sind Gründe für Übergriffe. Waldbesucher mit Hund oder auch Reiter sollten Vorsicht walten lassen.

Einzelne Wölfe in der Wildnis haben meist zu Beginn ihrer Geschlechtsreife das elterliche Rudel verlassen, um ein eigenes zu gründen. Foto: E. Marek

Rücksichtnahme und gesunder Menschenverstand

Bei allen Einschätzungen gilt es speziell bei Säugern zu beachten, das geführte Jungtiere, Verletzungen, Krankheiten oder auch Beuteverzehr das Verhalten der Tiere sehr schnell aggressiv werden lassen kann. Selbst ein balzender Auerhahn kann einen unvorsichtigen Waldbesucher angreifen, wenn er sein Revier bedroht sieht. Eltern sollten beim Waldbesuch, ähnlich wie im Straßenverkehr, besonders auf ihre Kinder achten, die ggf. Gefahrensituationen nicht erkennen oder beurteilen können. Weiter sollten wir Menschen unseren gesunden Menschenverstand einsetzen, wenn wir auf Wildtiere treffen. Denn auch Tiere möchten ihre Privatsphäre wahren, genau wie wir Menschen. Oder würde es uns gefallen, wenn Wildtiere Tag und Nacht lärmend durch unser Wohn- oder Schlafzimmer spazieren? Beachtet man dies, steht einem erholsamen Waldspaziergang nichts mehr im Wege.

Quelle: Red (mit Material von ThüringenForst und Wikipedia).