Mosaike mit dem Motiv „Asarotos oikos“ (Ungewischtes Haus) bilden am Fussboden verstreute Bankettreste ab. Auf diesem Exemplar aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. ist eine Kastanie abgebildet, u.a.neben einer Feige, einer Birne, einer Mandel, einer Dattel, einer Haselnuss und einer Weizenähre.
Mosaike mit dem Motiv „Asarotos oikos“ (Ungewischtes Haus) bilden am Fussboden verstreute Bankettreste ab. Auf diesem Exemplar aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. ist eine Kastanie abgebildet, u.a.neben einer Feige, einer Birne, einer Mandel, einer Dattel, einer Haselnuss und einer Weizenähre.
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Wie Edelkastanie und Walnuss über die Alpen kamen

02. Dezember 2022
Wie konnten sich Edelkastanie und Walnuss über weite Teile Europas ausbreiten? Verantwortlich hierfür waren Menschen, genauer gesagt die Römer. Wissenschaftler haben die Verbreitungsgeschichte beider Baumarten anhand von Pollen und archäologischen Spuren nachgezeichnet.

Die Römer haben im Rahmen ihrer Expansion nicht nur ihre Kultur und Sprache in Europa verbreitet, sondern auch die Ess- und Trinkkultur beeinflusst. So gelangten neben beispielsweise dem Wein auch Baumarten wie die Edelkastanie und die Walnuss in die Länder außerhalb des heutigen Italiens. Vier Forscher der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und der Universität Bern gingen in einer im Journal „Environmental Archeology“ publizierten Studie der ethnobotanischen Geschichte von Edelkastanie (Castanea sativa) und Walnuss (Juglans regia) nach. So ließ sich zum ersten Mal ein umfassendes Bild der früheren Verbreitungs- und Kultivierungsgeschichte dieser Baumarten in West- und Mitteleuropa nachzeichnen.

Edelkastanie und Walnuss im Gepäck

Edelkastanie und Waldnuss gehören zu den sogenannten Kulturbäumen. Es handelt sich also um Bäume, die bewusst vom Menschen angebaut wurden. Für beide Arten wird ein solcher Anbau bereits für das erste Jahrtausend vor Christus angenommen. Die Ergebnisse des Forscherteams konnten nun zeigen, welche entscheidende Rolle die römischen Eroberungen bei der flächendeckenden Verbreitung der beiden untersuchten Baumarten in Mittel- und Westeuropa gespielt haben. Vor allem die Edelkastanie – auch als Esskastanie bekannt – konnte sich auf diesem weg rasch etablieren. Ein Schwerpunkt lag dabei am Alpensüdhang und in Frankreich. Die Walnuss hingegen war bereits vorher weit verbreitet. Durch die gezielte Förderung der Römer konnten die Walnussvorkommen in Europa jedoch erweitert und gefestigt werden.

Auf diesem Mosaik aus dem 1. oder 2. Jahrhundert n. Chr. in Rom knabbert eine Maus an einer Nusshälfte.
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Laut Aussage der Forscher geht aus alten Texten hervor, dass die Römer, wie schon die Griechen zuvor, die Kastanie vor allem wegen ihres schnellen Wachstums und ihres widerstandsfähigen Holzes anbauten. Die Nutzung der Maronen Als Nahrungsmittel spielte zunächst eine nachrangige Rolle. Beim Walnussbaum hingegen hielten sich demnach von Anfang Holz- und Nahrungsmittelgewinnung die Waage. Mit der Anpflanzung von Kastanienbäumen in ganz Europa legte das römische Reich somit die Grundlage für die mittelalterliche Kastanienkultur. Die Esskastanie wurde mehr und mehr als Nahrungsmittel genutzt und wurde zeitweise auch „Brotbaum“ genannt, z. B. in der Südschweiz. Heute sind beide Baumarten in Europa für Holz und Früchte wirtschaftlich wichtig – gerade jetzt in der Weihnachtszeit.

Stumme Zeugen der Verbreitung

Die Verbreitungsgeschichte von Edelkastanie und Walnuss gelang den Forschern mithilfe von Pollenuntersuchungen und der Analyse von Pflanzenresten aus Ausgrabungsschichten. Das Forschungsteam um Geograf Patrik Krebs von der WSL hat für dieses Projekt die Region der maximalen Ausdehnung des römischen Reichs berücksichtigt. Nach einer systematischen Analyse von Daten aus der Neotoma-Paleoecology-Database brachten die Forscher die Einträge mit historischen Berichten und archäologischen Ausgrabungsfunden in Verbindung, heißt es in einer Pressemitteilung der WSL. Die daraus gezogenen Schlüsse verglichen sie mit wissenschaftlichen Publikationen und weiteren Quellen und zeichneten so die bisher genaueste Karte der Verbreitungsgeschichte von Edelkastanie und Walnuss.

Die Karte zeigt die Verbreitung der Kastanien- und Walnuss-Pollenfunde aus der Neotema-Datenbank.
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Mit Material der WSL