WaldÖkologie

Wie Bäume den Klimawandel anzeigen

Bearbeitet von Carolin Föste

Bäume sind der Beweis für den Klimawandel, der sich seit den 1980er-Jahren immer weiter beschleunigt. Den Beweis stellen Forschende der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), der ETH Zürich, der MeteoSwiss sowie internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun im Journal „nature climate change“ vor. Darin werden die fünf weltweit längsten Zeitreihen zum Frühlingsaustrieb von Bäumen kommentiert. Was genau machen Bäume heute anders?

Grafik über Blattaustrieb im Klimawandel
Die fünf Zeitreihen: c) Blühbeginn der Wildkirschbäume in Liestal, BL (1894–2020), d) Blühbeginn von drei Gehölzarten in China (1834–2020), e) Blattaustrieb-Daten einer Rosskastanie in Genf (1808–2020), f) Blattaustrieb von Stieleiche in Großbritannien der Marsham-Familie (dunkelorange; 1736–1958) und J. Combes (hellorange; 1950–2020), g) Blühbeginn der Yamazakura-Kirschbäume in Kyoto, Japan (1500-2020). Die linke Achse zeigt den Tag des Jahres an, an dem die Blätter respektive Blüten austrieben. Die grauen dünnen Linien stellen die jährliche Variabilität dar, die dicken Linien sind gleitende 10-Jahres-Durchschnitte.
Grafik: Y. Vitasse, WSL

Das Frühjahr wird immer wärmer – Bäume reagieren darauf mit einer längeren Vegetaionsperiode. Eine frühere Blüte und der frühere Blattaustrieb sind die biologische Antwort auf klimatische Veränderungen. Diese Anpassung stimme verblüffend gut mit der Erderwärmung seit der 1950er-Jahre und deren Beschleunigung in den letzten vierzig Jahren überein, beschreibt die WSL zu den Ergebnissen der Zeitreihen in einer aktuellen Meldung.

Die längste Zeitreihe, die das Verhalten der Bäume (im Klimawandel) verzeichnet, werde in Japan festgehalten – eine Kirschblüte in Kyoto. Das Europäische Pendant sei eine Aufzeichnung des Blattaustriebs von mehreren Laubbäumen in Großbritannien. Die Schweiz verzeichne zwei der weltweit fünf längsten Zeitreihen, beobachtet werden eine Rosskastanie und ein Kirschbaum.

Bäume treiben früher aus – bis zu einem Monat

Auffällig sei, dass die Zeitreihen an Orten beobachtet werden, die nicht zu den Weltregionen gehören, die am stärksten vom Klimawandel beeinflusst sind, erläutern die Forschenden. Dennoch sei 2021 der früheste Frühling in Kyoto seit 1.200 Jahren festgestellt worden. In der Schweiz verzeichne man außerdem einen frühzeitigen Austrieb der beobachteten Bäume um bis zu 30 Tage im Vergleich zu 1950. In anderen Regionen der Erde könne die Natur aber noch extremer auf die klimatischen Veränderungen reagieren, mutmaßt Erstautor Yann Vitasse von der Forschungsgruppe Ökosystem-Ökologie der WSL.

Die Aufzeichnungen von Blattaustrieb und Blühbeginn, die Phänologie der Bäume, seien ideale Indikatoren für die Wissenschaft. Anhand der Ergebnisse über die Auswirkungen des Klimawandels auf (Wald-)Organismen könnten Politiker und Nachfolgegenerationen für den Klimawandel sensibilisiert werden, so die Forschenden.

Quelle: WSL