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Widerspruch gegen Wasserentnahme im Wald

Widerspruch gegen Wasserentnahme im Wald

Die Klosterkammer Hannover als gesetzliche Vertreterin des Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds (AHK) wehrt sich gegen die Grundwasserentnahme durch die Hamburger Wasserwerke unter den Wäldern des AHK in der Nordheide, dem nördlichsten Teil der Lüneburger Heide. Wie Kammerdirektor Andraes Hesse mitteilt, hat sie deshalb Widerspruch beim niedersächsischen Landkreis Harburg gegen die Fördergenehmigung für die Hamburger Wasserwerke eingelegt. Diese fördern in der Nordheide bereits seit 1974 Grundwasser und erzielen steigende Gewinne in beträchtlicher Höhe aus dieser Einnahmequelle. Denn die Hamburger Wasserwerke versorgen nicht nur die Hamburger mit Trinkwasser, sie verkaufen das Heidewasser auch an die Getränkeindustrie oder an weit entfernte Wasserkunden wie zum Beispiel die Hansestadt Lübeck. Die Folge: Zunehmend mehr Wasser wird aus den Grundwasserleitern unter den Flächen des AHK entnommen, mit allen Problemen für Flora und Fauna. Immer wieder war es vor allem in trockenen Jahren in der Nordheide zu Trockenschäden und Zuwachsverlusten an Waldbäumen gekommen.
Die Klosterkammer möchte nach wie vor die Versorgung der Hamburger Bürger mit sauberem Trinkwasser gesichert wissen. Sie sieht aber das grundsätzliche Problem, dass die Wasserentnahme unter ihren Waldflächen stetig steigt, ohne dass die Auswirkungen auf Flora und Fauna geklärt sind. Die ursprüngliche Fördergenehmigung der Bezirksregierung Lüneburg für die Hamburger Wasserwerke aus dem Jahr 1974 war bis 2004 befristet. Ende 2004 kam es ebenfalls durch die Bezirksregierung sehr kurzfristig ohne förmliches Verwaltungsverfahren, ohne Beteiligung der Öffentlichkeit und ohne Umweltverträglichkeitsprüfung zu einer erneuten zeitlich unbefristeten Erlaubnis. Erst als die Hamburger Wasserwerke am 30. Juni 2009 einen erneuten Antrag auf Erteilung einer wasserrechtlichen Erlaubnis zur Grundwasserentnahme beim nun zuständigen Landkreis Harburg stellten, wurde auch die Klosterkammer Hannover als Betroffene ordnungsgemäß beteiligt und konnte sich ein Bild von dem gesamten Sachverhalt machen.
Aus Sicht der Klosterkammer stellt bereits die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung einen Verfahrensfehler dar. Dadurch sei jede Möglichkeit ausgeschlossen worden, die Wirkungen der Grundwasserentnahme auf Flora und Fauna in dem betroffenen Bereich zu ermitteln. Als mögliche Wirkungen seien insbesondere ein Verlust an Massezuwachs und eine Beeinträchtigung der Artenvielfalt durch verringerte Grundwasservorkommen zu befürchten.
Die Klosterkammer Hannover
Die Klosterkammer Hannover, Landesbehörde und Stiftungsorgan im Dienstbereich des Nds. Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, verwaltet vier selbstständige, historisch gewachsene öffentlich-rechtliche Stiftungen ähnlicher Herkunft und Zweckbindung: den Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds, den Domstrukturfonds Verden, das Stift Ilfeld und den Hospitalfonds St. Benedikti in Lüneburg.
Zur Klosterkammer Hannover gehört auch der Klosterkammerforstbetrieb, er umfasst eine Betriebsfläche von 24.400 ha Wald. Der Betrieb agiert auf den regionalen Holzmärkten von zwei Standorten aus: Das Klosterforstamt Soltau bewirtschaftet ca. 14.200 ha Wald in der Lüneburger Heide. Als Hauptbaumart ist dort die Kiefer vorhanden, daneben aber auch nennenswert Fichte und Laubholz. Das Klosterforstamt Westerhof bewirtschaftet ca. 10.200 ha Wald im südniedersächsischen Raum. Hier kommen vor allem Buchen und Fichten vor. Der jährliche Holzeinschlag beträgt insgesamt ca. 190.000 Fm Holz.
Neben dem Kerngeschäft der Holzproduktion sind die Vermarktung von Jagd und Wildbret, sowie Brennholz, Grünschmuck und andere waldbezogene Leistungen weitere Geschäftszweige. Insbesondere die Jagdnutzung ist in den Klosterforsten zu einem großen Anteil durch die Vergabe von entgeltlichen Jagderlaubnisscheinen oder durch Verpachtung privaten Jägern zugänglich gemacht worden.
Außer dem Klosterkammerforstbetrieb gehört auch der Stiftsforstbetrieb Ilfeld mit der Stiftsoberförsterei Ilfeld im Bundesland Thüringen zum Verwaltungsbereich der Klosterkammer. Er umfasst eine Forstfläche von rund 1.573 ha. Der jährliche Holzeinschlag beträgt ca. 7.500 FM Holz.
 
Weitere Infos
Das Thema Wasserentnahme unter Wald wird intensiv auf der Tagung „Waldwasser2: Wälder ohne Wasser? – Wasser ohne Wälder?“ am 24. November in Hannover diskutiert. Infos unter forstpraxis.de-termine
 

Klosterkammer Hannover

 

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