WEST-Brennholzsäge-live
Mit der WEST-Brennholzsäge schneidet man jeweils genau einen Ster Scheitholz in Wunschlängen auf den Anhänger
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WEST-Brennholzsäge: Andersrum gedacht

01. Oktober 2018

Die Diskussionen um effiziente Brennholzsägen drehen sich sehr oft alleine darum, wie schnell die Maschine arbeitet.
Großer Beliebtheit erfreuen sich dabei die die rotierenden Trommelsägen. Zwei oberbayerische Tüftler haben das Ganze noch einmal
von vorne gedacht und den Arbeitsprozess dabei in mehrfacher Hinsicht auf den Kopf gestellt.

Eine Grundsatzfrage an dieser Stelle ist ja schon: Ist es überhaupt sinnvoll, jedes Holzscheit einzeln auf Länge zu schneiden? Verschiedene Hersteller haben dafür schon Alternativen gefunden – vor allem dann, wenn die Meterscheite im Rundbündel gelagert und getrocknet werden. Bei den sogenannten Bündelsägen oder Sägeböcken wird das ganze Paket auf einmal bearbeitet. Auf der Forst live 2017 hatten Hubert Weber und Markus Stanggassinger dazu ihre WEST-Bündelsäge vorgestellt. Am Frontlader befestigt, lässt sich damit der Meterbund direkt vom Boden aufnehmen, zum Anhänger transportieren und dort in die gewünschten Scheitlängen einteilen. Das ist sicher eine der schnellsten und rationellsten Produktionsmethoden, die es im Moment in diesem Bereich gibt. Fehlte aber noch eine schlaue Lösung für Leute die ihr Meterholz nicht bündeln, sondern ganz klassisch im Stapel aufsetzen. Auch dafür gibt es schließlich gute Gründe: Ich erspare mir das Bündelgerät, kann mein Holz noch kompakter lagern, und nicht zuletzt sorgen abgerissene Bänder bei der Manipulation der Pakete immer wieder für Verdruss. Gegen die Versprödung des Kunststoffmaterials durch die UV-Strahlen der Sonne ist auf Dauer eben doch kein Kraut gewachsen …

Die Antwort auf diese Frage fand sich im Juli auf der Interforst in Form eines kistenförmigen Geräts, das optisch an einen Silo-Blockschneider erinnert.

In aller Ruhe

In aller Ruhe: Beladen des Schneidcontainers ohne Motorenlärm und in ergonomischer Höhe
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Wir haben uns das bei den Erfindern in Bischofswiesen unweit von Berchtesgaden einmal genauer angesehen. Auf den zweiten Blick entpuppt sich der Kasten nämlich als ziemlich schlaues Konzept. Das beginnt schon beim Beladen: Am Frontlader hängend, lässt sich das Gerät ganz kommod auf einer rückenschonenden Höhe direkt neben dem Holzpolter positionieren. Wenn es schnell gehen soll, können zwei Personen gleichzeitig die Scheite einschichten. Dabei läuft kein Motor, es gibt keinen Krach, keine Abgase und es dreht sich auch keine Säge. Dieser Aspekt macht die Maschine attraktiv für den Betrieb in lärmsensiblen Bereichen, aber auch für Behindertenwerkstätten wo ja auch relativ häufig Brennholz produziert wird.

Ist der Kasten bis oben hin voll, entspricht das genau einem Ster an trockenem Brennholz. Jetzt erst muss der Traktor wieder angelassen werden. Als erstes kommt der Niederhalter zum Einsatz, der den ganzen Stapel sauber fixiert. So lässt sich das Paket sicher zum Anhänger oder einem anderen Behältnis transportieren, wo das Holz hineingesägt werden soll. Dort angekommen, gibt es eine kleine Überraschung: Die Bandsäge fährt zunächst ganz herunter und beginnt dann von unten, die Scheite abzuschneiden. Obwohl jeder erwarten würde, dass sich die Säge dabei eigentlich permanent einzwicken muss, wenn die Hölzer nach unten kippen, scheint sie sich doch mühelos durch den ganzen Stapel zu fressen – wie ist das möglich?

Extra-schmale Geometrie: Selbst wenn das Holzstück nach unten kippt, kann es das Sägeband eigentlich nicht einzwicken. Rechts oben im Bild ist die Lichtschranke für die Hinderniserkennung beim Rücklauf zu sehen
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„Wir verwenden ein stellitiertes Sägeband“, klärt uns Markus Stanggassinger auf: „Darin liegt der Trick. Da werden die Sägezähne nicht geschränkt, sondern stattdessen ein spezielles Hartmetall, das Stellit, aufgeschweißt. Von der Geometrie her sieht das dann so ähnlich aus wie eine Motorsägenkette in ganz klein. Die Zähne sind 1,2 mm stark, das Band selbst besitzt nur 0,6 mm. Auch wenn sich die Schnittfuge schließt, kurz bevor ein Scheit vollständig abgetrennt ist, läuft das dünne Band immer noch frei. Wir schneiden tatsächlich jetzt noch leichter als vorher von oben. Da hatten wir das Problem, dass gerade bei den letzten Stücken der gesamte Stapel nachdrückt und bisweilen das Band verdreht hat. Jetzt fallen alle Scheite einfach einzeln nach unten weg. Dabei hilft uns auch, dass der Niederhalter ganz hinten angebracht ist und die Meterscheite im vorderen Bereich, wo gesägt wird, nicht zusammengedrückt werden. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt der stellitierten Bänder ist, dass sie eine wesentlich höhere Standzeit haben als normale.“

Schnell fertig

Für einen Ster 33er-Scheite sind zwei Schnitte erforderlich, den letzten Stapel schubst ein Ausstoß-Mechanismus heraus. Der ganze Vorgang dauert in diesem Fall nur knapp 3,5 min. Bei drei Schnitten für 25-cm-Längen benötigt die Maschine entsprechend etwa 5 min. Durch die dünne Schnittfuge entsteht kaum Holzverlust und die meisten Sägespäne werden buchstäblich schon vom Winde verweht, landen also gar nicht im fertigen Produkt.

Ganz korrekt: Mit einem vorgeschalteten Sauberkeitsschnitt gibt es später keine Überlängen im Scheitholz
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Für ganz pedantische Kunden lässt sich vorher sogar noch ein Sauberkeits-Schnitt durchführen. Dabei werden überlange Scheite (maximal 1,10 m passen in den Container) zuerst auf das Soll-Maß von 1 m eingekürzt. So kann das Scheitholz schlimmstenfalls noch ein bisschen zu kurz geraten, aber niemals zu lang.

Rechenexempel

14 500 € netto ruft die Stanggassinger Landtechnik GmbH für die WEST-Brennholzsäge auf. Das liegt ungefähr auf dem Niveau einer Trommelsäge. Allerdings ist hier natürlich in jedem Fall noch ein Traktor mit Frontlader vonnöten, der eine Ölleistung von mindestens 50 l/min bringt und das Gewicht der Maschine von 650 kg plus Holzfüllung, also eine gute Tonne, heben kann. Es gibt zwar auch eine Variante für den Dreipunktanbau, aber damit vergibt man sich natürlich die Möglichkeit, direkt auf einen Anhänger zu verladen. Bei vielen Brennholz-Betrieben ist ein passender Schlepper vermutlich schon vorhanden, geht also nicht direkt in die Investitionsrechnung mit ein. Einen nennenswerten Zeitvorteil gegenüber den Rotomaten wird man sich mit dieser Säge vielleicht nicht erarbeiten können, aber die völlige Geräusch- und Abgasfreiheit beim Bestücken, der geringe Lärmpegel beim Sägen, die sauberen und präzisen Schnitte sowie die minimalen Schnittverluste sprechen aus unserer Sicht durchaus für das Konzept.

Heinrich Höllerl