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Wertvolle Impulse

Wertvolle Impulse

Am 5. Mai lud die Arbeitsgemeinschaft forstwirtschaftlicher Lohnunternehmer (AfL) Mecklenburg-Vorpommern zu ihrer Jahreshauptversammlung ein. Der Verbandsvorsitzende Dirk Reishaus begrüßte die Mitglieder und Gäste traditionell in Faulenrost bei Malchin. Die Versammlung war gut besucht, sicherlich auch wegen der Gastreferenten. Denn deren Themen waren in besonderer Weise geeignet, eine persönliche unternehmerische Standortbestimmung vorzunehmen.

Die Grüße vom Vorstand des Dachverbandes DFUV Netzwerk der Forstunternehmer und Forsttechnik überbrachte Vera Butterweck-Kruse. Sie gehört zum Geschäftsführenden Vorstand des DFUV und erläuterte nach den schnell abgehandelten Verbandsformalien das KWF-Merkblatt Nr. 20 „Dienstleistungen in Holzernte und Holzbringung“. Das Merkblatt sollte nicht nur jeder forstliche Dienstleister kennen, sondern auch bei den Auftraggebern im Forst zur Grundlage des Handelns werden, denn in der KWF-Arbeitsgruppe Vergabe entstand der Konsens unter Beteiligung der Arbeitgeberseite, also auch der Landesforstverwaltungen. Das Merkblatt enthält neben moralischen Aspekten zahlreiche konkrete Parameter für eine Auftragskalkulation. „Forstliche Dienstleister sollten diesen Leitfaden und die dazugehörigen Parameter einfordern, gerade wenn es Differenzen vor Ort gibt. Andererseits müssen sie gesetzliche Vorgaben in Bezug auf Vergabe akzeptieren“, sagte Butterweck-Kruse. Sie plädierte abschließend für den Zusammenhalt innerhalb der Forstunternehmerschaft und den Dialog mit der Forstverwaltung – und löste damit die erste Diskussionsrunde aus.

Dialog statt Klageweg

Als „fürchterliche“ Geschichte betitelten Unternehmer die Tatsache, dass große Firmen Ausschreibungen gewinnen und sich dann vor Ausführung einen Subunternehmer suchen, dem es so schlecht geht, dass er für einen unwirtschaftlichen Preis arbeiten muss. Angeregt wurde u. a. die Einbindung eines Fachanwaltes als Ansprechpartner für die Forstunternehmerverbände bzw. ihre Mitglieder, ähnlich wie in der Bundesvereinigung für das Holztransport-Gewerbe. Beim Thema Ausschreibung/Vergabe dominierte schließlich die Auffassung, dass dem Klageweg der Dialog vorzuziehen ist. Eventuell könnten sich auch die Waldzertifizierer dem Thema wegen seiner sozialen Komponente annehmen. Diskutiert wurde des Weiteren über ausufernde Detailvorgaben in Ausschreibungen speziell zur Maschinenausstattung. In deren Folge sei eine Art „Unternehmer-Tourismus“ zwischen den Bundesländern zu befürchten. Witterungsbedingte Restriktionen sind für solche Firmen allerdings aufwändiger als für regionale Forstdienstleister. „Die ökologischste Lösung ist der regionale Unternehmer“, diese Auffassung von Ralf Dreeke stieß auf ungeteilte Zustimmung. Ein solches Kriterium sollte Eingang in präziser angelegte Ausschreibungen finden.

In einem weiteren Vortrag erläuterte Eric Eßlinger (Inhaber der Werbeagentur Jungspund Design, Anklam) die Neugestaltung der Internetseite der AfL Mecklenburg-Vorpommern. Neben der Anpassung an mobile Endgeräte wird sie deutlich verbesserte Möglichkeiten für alle Mitgliedsunternehmen bieten.

Ausbildung

Den Schwerpunkt Fachkräftesicherung am Beispiel der Forstwirtausbildung behandelte Martin Borowiak (Claus Rodenberg Waldkontor GmbH) in seinem Vortrag. Über alle Branchen sind deutschlandweit die Zahlen in der dualen Ausbildung im Zeitraum von 1995 bis 2012 um 10 % zurückgegangen, im Agrarbereich um 15 % und bei den Forstwirtauszubildenden von 1998 bis 2012 um 18 %. In allen Waldbesitzarten lässt sich von 2009 bis 2012 ein Rückgang der Ausbildungszahlen feststellen, bei den Forstunternehmen dagegen eine Zunahme auf niedrigem Niveau (Quelle: KWF). Was tun, wenn man ausbilden möchte? Aktiv werden, z. B. in Schulen und auf Jobbörsen gehen, Praktika anbieten – wie das die Firma Claus Rodenberg in den vergangenen Jahren gemacht hat. Allerdings hat deren erster Top-Forstwirt-Azubi das Unternehmen anschließend zwecks Studium verlassen; der zweite eignete sich dann doch nicht zur Übernahme, zurzeit liegen die Hoffnungen auf dem dritten. In jedem Fall entstanden hohe Ausbildungskosten (über drei Jahre knapp 40 000 € pro Azubi). Förderung gibt es keine, machte Borowiak bei der Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen der Ausbildung im eigenen Unternehmen deutlich. Vorteilhaft sind insbesondere der breite und flexible Einsatz, die Maschinenkenntnisse und das wirtschaftliche Denken von Beginn an. Nachteilig sind neben den hohen Ausbildungskosten z. B. die Betreuung und die Beschäftigung im Sommer sowie der geringe Austausch mit anderen Auszubildenden. Vor allem zwei Dinge bestimmten dann die Diskussion: Der hohe Aufwand um eine Ausbildungsgenehmigung zu bekommen und die Eignung der Auszubildenden. Je besser die Vorbildung, desto höher sei die Fluktuation. Und wäre nicht der insbesondere für kleinere Unternehmen enorme Kostenfaktor, würden Forstunternehmen mehr ausbilden. „Auf jeden Fall“, so eine weitere Erfahrung von Borowiak, „kommt es bei den Förstern gut an, wenn in der Rotte ein Auszubildender ist.“

Verrechnungssätze

Im Abschlussvortrag riss Ralf Dreeke (Geschäftsführer Firma Wahlers Forsttechnik) in einer ebenso ernsthaften wie humorigen Präsentation gleich mehrere Themen aus ganz persönlichen Sicht an. Faktenreich und in Anlehnung an seine Veröffentlichung in Forst & Technik Heft 3/2016 begann er mit einer Art Seminar in Kostenrechnung und Kalkulation von Dienstleistungen. Bleibt festzuhalten: Für einen Verrechnungslohn von 30 € je Stunde „kriegst du nur einen Waldarbeiter mit Gummistiefeln“. Und der Auszubildende kostet in Dreekes Beispielrechnung über drei Ausbildungsjahre rund 46 000 €. Was Dreeke zeigen wollte: „Haben Sie keine Angst vor Kalkulationen!“ Man muss Annahmen treffen, betonte er weiter, und diese hinterher überprüfen. Zu berücksichtigen sind die tatsächlich im Jahr verfügbaren Arbeitstage ebenso wie die gesetzlichen Regelungen zur wöchentlichen Arbeitszeit – hier tickt für manchen Unternehmer wohl eine Zeitbombe.

Das gleiche vermutet der Experte bei Unternehmen, die sehr niedrige Aufarbeitungspreise anbieten bzw. Zusatzleistungen nicht in Rechnung stellen. „Top Qualität zum billigsten Preis geht nicht!“ brachte es Dreeke auf den Punkt und vermittelte noch seine Sicht zum Thema „neueste Technik für noch mehr Kohle“. Überzogene technische Detailvorgaben bei Ausschreibungen würden nicht notwendigerweise auch zu einem besseren Arbeitsergebnis führen, viel wichtiger sei die Arbeitsweise des Unternehmers.

Schließlich die Frage: Wo stehen wir in 10 Jahren? Patentrezepte gab es erwartungsgemäß auch hier nicht, diskussionswert sind für den Unternehmer u. a. die Perspektiven der Ausschreibungen und der Staatsforstbetriebe, aber auch die steigenden ökologische Anforderungen.

Chancen der Zukunft

Was könnten die Chancen der Zukunft sein? „Fakt ist: Holz ist top!“ sagte Dreeke und gab eine persönliche Einschätzung entlang folgender Fragen bzw. Kriterien:

Firmengröße klein oder groß? Dreeke erwartet eine Aufteilung in sehr flexible Einheiten (Unternehmen mit maximal zwei Einheiten Harvester/Rückezug) und in größere Einheiten mit einer professionellen Struktur. Mittlere Einheiten (etwa bis 10) würden es schwer haben. Interne Organisation „aus dem Bauch“ oder professionell? Professionelles Auftreten sei bereits wichtig und zukünftig selbst für Einmann-Unternehmen unerlässlich. Qualität: Kostenführer (minimale Kosten bei maximalem Output) oder Qualitätsführer? Beides wird es wohl geben. Firmen allerdings, die Top-Qualität liefern doch keine Kunden finden, die auch bereit sind dafür zu bezahlen, die wird es (wie in allen Branchen) nicht mehr geben. Für den mittleren Bereich („Qualität runter, Preis hoch“) wird es schwieriger werden. Einsatzgebiet regional oder überregional? Dreeke befürchtet eine Dominanz überregional agierender Unternehmen. „Ich bin aber eigentlich für Regionalität“, sagte er verbunden mit der Hoffnung auf entsprechende Berücksichtigung beispielsweise im Rahmen der Ausschreibungen.

Wir müssen ins Handeln kommen, „einzige Chance dazu sind diese Verbandsstrukturen“, meinte Dreeke und bat um Zusendung eines Antrages für eine Fördermitgliedschaft in der AfL Mecklenburg-Vorpommern.

Stephan Loboda

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