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Wertschöpfung im Wald heißt gleichzeitig Wertschätzung des Waldes

Wertschöpfung im Wald heißt gleichzeitig Wertschätzung des Waldes

Am 13. Juli 2011 fand im Kolpinghaus Fulda die Kooperationstagung der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW e.V.) zum Thema „Wertschöpfung im Wald“ statt. Die mit 100 Teilnehmern gut besuchte Veranstaltung wurde durch die Grußworte des Präsidenten der AGDW, Philipp Frhr. zu Guttenberg und dem Mitglied des Deutschen Bundestages und forstpolitischem Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag Cajus Julius Caesar eröffnet: „Nur eine wirtschaftlich solide Forstwirtschaft bildet die notwendige Voraussetzung für einen effektiven Natur- und Umweltschutz“, begann zu Guttenberg. Weiter führte er aus, daß es nicht Ziel der Waldeigentümer sei, der Natur abzuringen, was diese zufällig hervorbringe, sondern diese lebenswichtige Ressource multifunktional zu bewirtschaften. „Über zwei Millionen Waldbesitzer tragen zur Wertschöpfung vor Ort und zur Lebensqualität bei und erfüllen vielfältige Funktionen für Mensch und Natur,“ erläuterte Cajus Caesar in seinem Grußwort. Weitergehend ergänzte der Bundestagsabgeordnete, daß das Cluster Forst & Holz mit ca. 1,2 Millionen Beschäftigten und einem Umsatz von 168 Milliarden Euro zeige, welch gewaltiges Wirtschaftspotenzial dieser Bereich beinhalte.
Die Einführung in das Programm erfolgte durch Frau Bettina Rocha von der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume. Die ganztägige Veranstaltung war in die vier Themenblöcke Holzmobilisierung/ Vermarktung, Ansprache/Beratung und Qualifizierung von Waldbesitzern, Monetarisierung der freiwilligen Leistungen von Waldbesitzern und Bewirtschaftungshilfe gegliedert. In acht Vorträgen wurde sowohl von Praktikern, als auch von Wissenschaftlern ein Überblick über die Chancen und Möglichkeiten des Waldes und der Waldbesitzer gegeben und auch der zumeist unbefriedigende Ist-Zustand aufgezeigt. Holz als Ressource und Wald als Wirtschaftsraum werden in der Öffentlichkeit weitgehend nicht wahrgenommen.
Joachim Prinzbach, geschäftsführender Vorstand der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Schwarzwald eG und Bernhard Seibert vom Forstamt Wittlich referierten im ersten Themenblock über die Chancen, die durch einen Zusammenschluss von Forstbetriebsgemeinschaften und durch eine Flurbereinigung im Wald entstehen. Prinzbach wies darauf hin, dass die wirtschaftlichen Möglichkeiten Forstwirtschaftlicher Vereinigungen erst durch eine Änderung des Bundeswaldgesetzes möglich gemacht wurden – Möglichkeiten, die die AGDW bei der Novellierung des Bundeswaldgesetzes im letzten Jahr durchgesetzt hat. Dass die Neuordnung des Grundbesitzes eine Verbesserung der Produktions- und Arbeitsbedingungen bewirkt und somit eine bessere Mobilisierung der Holzreserven erreicht werden kann, war die Kernaussage von Herrn Seibert.
Lars Schmidt vom Bundesverband der Säge- und Holzindustrie Deutschlands und Eva-Maria Schlecht von der Rieger-Hofmann GmbH wussten im zweiten Themenblock über die „Ansprache, Beratung und Qualifizierung von Waldbesitzern“ zu berichten. Hierbei interessierten sich die Teilnehmer der Tagung besonders für das sog. „Thüringer Modell“, einem PPP-Projekt (Public-Private-Partnership) zur Identifizierung von Waldbesitzern in Zusammenarbeit mit der Sägeindustrie und Thüringen Forst.
„Monetarisierung der freiwilligen Leistungen von Waldbesitzern“ als dritter Themenblock wurde vom Geschäftsführer des Hessischen Waldbesitzerverbandes, Christian Raupach durch Beispiele des Vertragsnaturschutzes und von Gerd Schneider von der Fürstlich Wiedischen Rentkammer in Rheinland-Pfalz anhand von Ökokonten im Wald erklärt. Bei den Ökokonten könnten „die Maßnahmen exakt auf den speziellen Eingriff der Baumaßnahme abgestimmt werden, vom Grundeigentümer erst durchgeführt werden, wenn die Finanzmittel bereitstehen.“ Sie entsprächen somit in vollem Umfang der Betriebsphilosophie des Grundeigentümers.
Der letzte Themenblock „Bewirtschaftungshilfe” wurde von Erwin Kruczek, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bayern, sehr anschaulich durch die Möglichkeit von Waldpflegeverträgen eröffnet. Direktor u. Prof. PD Dr. Matthias Dieter vom Johann Heinrich von Thünen-Institut, ergänzte diesen Block durch die Vorstellung seiner Studie zu Flächenstilllegungen im Wald. „Stilllegungen sind als politisches Ziel vorgegeben, aber der Beitrag zu konkreten Naturschutzzielen ist noch offen, da die Bestandsaufnahmen erst noch laufen. Auch ist die naturschutzfachliche Wirksamkeit unklar und ein Nutzen nicht bewertbar.“
 
Holzmobilisierung und Vermarktung

Holzmobilisierung und Vermarktung durch die Forstwirtschaftliche Vereinigung Schwarzwald; Joachim Prinzbach, geschäftsführender Vorstad der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Schwarzwald eG;
Waldflurbereinigung als Vorbereitendes Instrument für eine optimierte Wertschöpfung; Bernhard Seibert, Forstamt Wittlich, Rheinland-Pfalz
Ansprache, Beratung und Qualifizierung von Waldbesitzern
Das Thüringer Modell; Lars Schmidt, Bundesverband der Säge- und Holzindustire Deutschland
Wald in Frauenhand, Möglichkeiten der Ansprache und Beratung von Privatwaldbesitzenden am Beispiel „Kleinprivatwaldbesitzerinnen“ – Ansätze für die Übertragbarkeit auf andere Waldbesitzende; Eva-Maria Schlecht, Rieger-Hofmann GmbH
Monetarisierung der freiwilligen Leistungen von Waldbesitzern
Vertragsnaturschutz im Wald – Eigentümer als Partner verstehen; Christian Raupach, Hessischer Waldbesitzerverband e. V.
Ökokonto im Wald; Gerd Schneider, Fürstlich Wiedische Rentkammer, Rheinland-Pfalz
Bewirtschaftungshilfe

Waldpflegeverträge als Instrument zur Förderung der Wertschöpfung im Wald; Erwin Kruczek, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bayern

Flächenstilllegung im Wald – Studie des vTI; Dir. u. Prof. PD Dr. Matthias Dieter, Johann Heinrich von Thünen-Institut
AGDW
 

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