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Wer langfristig denkt

Wer langfristig denkt, heizt am besten mit Holz

Weg vom Öl und Gas – hin zu nachhaltiger Energieversorgung. Dieser Schritt fällt leichter, wenn außer den ökologisch und politisch motivierten Argumenten auch der Blick auf die Kosten zeigen kann: Der nachwachsende, lokale Energieträger Holz rechnet sich auch noch.

Denn steigende Kosten für Heizstoffe bewirken, dass die laufenden Kosten einen wesentlich höheren und vor allem auch weiter zunehmenden Anteil an den Gesamtkosten der Wärmeversorgung haben als die Festkosten. Weil sich dadurch die bislang wesentlich höheren Festkosten des Heizens mit Holz und Stroh stärker relativieren, lohnt sich der Kostenvergleich mit alternativen Heizsystemen umso mehr.
Dr. Mathias Schindler gibt auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer Niedersachsen anhand von Vollkostenanalysen der Investitionsalternativen für das Heizen mit Öl, Gas und Holz (Scheitholz, Hackschnitzel, Pellets) Aufschluss über das günstigste Heizsystem.
Die Ausgangssituation: Der Gesamtwärmebedarf wird auf 100.000 kWh/Jahr geschätzt und wurde bislang durch etwa 12.650 l Heizöl pro Jahr gedeckt. Nach heutigem Stand der Technik wurden davon etwa 15 % (1.900 l/Jahr) aufgrund des schlechten Wirkungsgrades des alten Kessels sprichwörtlich ungenutzt in die Luft geblasen. Als Heiztechnik-Varianten werden verglichen ein neuer Ölheizkessel, die alternative Gasheizung mittels Brennwerttherme, die Varianten Scheitholz, Holz-Hackschnitzeln und Holzpellets.
Das Ranking
Ohne Berücksichtigung anderer Kosten ergibt sich bei den reinen Brennstoffkosten zurzeit ein leichter Vorteil für die Holz-Hackschnitzel, gefolgt von Scheitholz. Holzpellets, Gas und Öl weisen deutlich höhere Brennstoffkosten auf.
In einer weiteren Übersicht wird die Kostenkalkulation in zwei Stufen zur Vollkostenbetrachtung erweitert. Dazu wird zunächst der Aufwand für Wartung und Reparaturen, Gebühren und anteilige Versicherung sowie für den Betrieb (Strom), den Lohnansatz und den erforderlichen, bei Holz möglichst staubdichten Lagerraum für die Brennstoffe (Ausnahme: Gas) ermittelt und addiert.
Ergebnis: Trotz des hohen Lagerraumbedarfs und der höheren Abschreibung liegen die Holz-Hackschnitzel bei den so errechneten variablen Kosten (inklusive Brennstoff) als günstigste Variante immer noch auf Platz 1. Sie können den Brennstoff Scheitholz aber nur aufgrund der Lohnkostenunterschiede um etwa 10 % unterbieten. Das Ranking der arbeitswirtschaftlich sehr aufwändigen Scheitholzfeuerung hängt allerdings stark vom Lohn(anspruch) ab. Wer die Beschickung bezahlen muss, heizt teuer, wer das aus gesundheitlichem Interesse als „Sport“ ansieht, kommt dann viel günstiger weg.
Fazit
von Dr. Mathias Schindler: Bei den derzeit sehr günstigen Öl- und Gaspreisen ist es schwierig, für die nachhaltigen Heizsysteme mit Holz eine betriebswirtschaftliche Vorzüglichkeit zu ermitteln. Zurzeit ergeben sich hier eher Nachteile in einer Größenordnung von 100 bis 1.000 € gegenüber Öl und Gas. Sobald der Ölpreis aber wieder über 0,66 €/l steigen wird, wird das Heizen mit Holz – egal ob mit Scheiten, Hackschnitzeln oder Pellets – neben der Unabhängigkeit und der Nachhaltigkeit, weil selbst regional mehr nachwächst als verheizt wird, auch wieder einen wirtschaftlichen Vorteil besitzen.
Mehr zur Vollkostenbetrachtung (einschließlich Abschreibung und durchschnittlicher Kreditzinsen) und ab welchem Heizbedarf sich die Umstellung lohnt im Internet: www.lwk-niedersachsen.de
Red./LWK Niedersachsen/M. Schindler

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