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Die Larven der Fichtenbockkäfer überwintern im Splintholz befallener Bäume.
Die Larven der Fichtenbockkäfer überwintern im Splintholz befallener Bäume.

Wer frisst denn da an der Fichte?

27. Dezember 2022
Wenn man von Schäden an Fichten hört, dann denkt man sofort an die üblichen Verdächtigen – die Fichtenborkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher. Doch sind diese nicht die einzigen Käferarten, die an Fichten fressen.

In ihrem Blickpunkt Waldschutz Nr. 19/2022 berichten die Waldschutzexpertinnen und -experten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) von eingehenden Meldungen über Stehendbefall an Fichten. Bis in den Herbst hinein wurden immer wieder entsprechende Sichtungen berichtet. Doch sind für diese vereinzelt auftretenden Befallserscheinungen keine Borkenkäfer verantwortlich. Vielmehr handelt es sich hierbei um Schadbilder, die durch Fichtenbockkäfer (Tetropium ssp.) verursacht wurden. Beobachtet wurde der Abfall von Baumrinde bei noch grüner Fichtenkrone. Das Besondere: Der Befall durch die Fichtenbockkäfer erfolgte ohne Beteiligung von Buchdrucker und/oder Kupferstecher. Wie kam es dazu? Die Abteilung Waldschutz der LWF gibt einen Überblick.

Wo trat der Befall auf?

Betroffen waren laut LWF-Angaben vereinzelte Fichten in unterschiedlichen Regionen Bayerns. So erreichten die Forschenden bislang Meldungen aus den Bereichen Neustadt-Uffenheim, Selb, Pegnitz, Waldkraiburg und Regensburg.

Wo liegen die Ursachen für den Befall?

Insbesondere der erneut viel zu trockene und zu heiße Sommer 2022 ist hier als Ursache zu benennen. Die Folge waren z. T. erhebliche Trockenschäden an den Fichten. Die Bäume trockneten häufig derart aus, dass selbst Buchdrucker und Kupferstecher in den Fichten kein geeignetes Brutmaterial mehr fanden. Die stark geschwächten Fichten boten so jedoch für andere Arten ein attraktives Ziel.

Welche Arten sind das?

Zu nennen sind hier laut der Expertinnen und Experten von der LWF vor allem zwei Bockkäferarten, die an Fichte vorkommen, sich jedoch kaum unterscheiden lassen und obendrein auch in ihrer Lebensweise sehr ähnlich sind.

Das ist zum einen der Gemeine Fichtensplintbock (Tetropium castaneum). Diese Bockkäferart ist 9 bis 18 mm groß und hat eine braune bis schwarze Färbung. Das Halsschild ist schwarz-glänzend und leicht punktiert. Die Käfer fliegen von Mai bis Juli, in optimalen Jahren auch schon von April bis in den August. Sowohl geschwächte stehende Fichten als auch frisch gefällte Bäume werden bevorzugt besiedelt.

Zum anderen ist hier der Braune Fichtenbock (Tetropium fuscum) zu nennen. Dieser Käfer hat eine Größe von 8 bis 17 mm und ist ebenfalls braun bis schwarz gefärbt. Das schwarze Halsschild dieser Art ist matt und an der Basis stärker punktiert. Die Flugzeit der Käfer ist von April bis Juli. Es können je nach Witterung bis zwei Generationen angelegt werden.

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Larvengänge der Fichtenbockkäfer – gut zu erkennen auch die Einbohrlöcher ins Splintholz, wohin sich die Larven zur Überwinterung zurückziehen.
Larvengänge der Fichtenbockkäfer – gut zu erkennen auch die Einbohrlöcher ins Splintholz, wohin sich die Larven zur Überwinterung zurückziehen.

Beide Arten kommen oft vergesellschaftet vor und befallen hauptsächlich ältere Fichte (ab einem Alter von ca. 60 Jahren), aber auch Kiefern und Lärchen, heißt es im Blickpunkt Waldschutz Nr. 19/2022 der LWF. Die Käfer legen in Rindenritzen rund 100 Eier ab. Die nach zwei Wochen schlüpfenden Larven fressen zuerst unter der Rinde und beginnen bei weiterem Wachstum zunehmend das Splintholz zu schürfen. Die Larvengänge werden mit Bohrmehl gefüllt – zuerst mit braunem, später mit hellbraunem bis gelbem Bohrmehl gemischt.

Die Struktur des abgelegten Bohrmehls ist nicht wolkig (wie bei den Prachtkäferarten). Die Gänge sind unregelmäßig gewunden, verlaufen aber vorzugsweise in Längsrichtung. Zur Verpuppung bohrt sich die Larve in das Splintholz ein und hinterlässt dabei ein längsovales Einbohrloch. Dieses endet in einem Hakengang mit einer Puppenwiege an seinem Ende.

Der Hakengang wird mit etwas gröberem „Genagsel“ verstopft. Die Überwinterung erfolgt als Puppe oder Larve. Die Fraßbilder beider Arten lassen sich nicht unterscheiden.

Wie ist der Befall zu bewerten?

Beide Arten treten laut LWF-Angaben maximal als sekundäre Schaderreger auf und besiedeln dabei frisch abgestorbene oder vorgeschädigte Bäume. Gerade stark trockengestresste Bäume, die der Buchdrucker bereits verschmäht, können von diesen Arten befallen werden. Dennoch sind die beiden Arten die waldschutzrelevanteren unter den Bockkäfern, da sie an Einzelstämmen in hohen Dichten auftreten können. Die stoffliche Holzverwertung ist wegen der Verpuppung im Holzkörper kaum mehr möglich.

Was ist bei Befall zu tun?

Waldschutzmaßnahmen sind in der Regel nicht zu ergreifen, so die Einschätzung der Waldschutzexpertinnen und -experten der LWF, da die Fichtenböcke nur sehr selten lebende Bäume befallen. Ein flächiger Befall ist deshalb nicht zu erwarten. Finden im Bestand ohnehin Durchforstungs- bzw. Borkenkäferbekämpfungsmaßnahmen statt, können befallene Stämme mit entnommen werden. Diese sollten bis zum Schlupf des Käfers im Frühjahr abgefahren werden, um den Befallsdruck auf weitere geschwächte Fichten oder frisch eingeschlagene Stämme zu mindern und so eine weitere Holzentwertung zu verhindern. Wenn Sie in Ihrem Wald einen Befall mehrerer Fichten mit Fichtenbockkäfer beobachten, schicken Sie bitte eine Nachricht an die LWF (E-Mail: waldschutz@lwf.bayern.de).

Mit Material der LWF