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Thüringen: Der Klimaretter Wald muss selbst gerettet werden

ThüringenForst hat lt. Geschäftsbericht für 2018 insgesamt 8,2 Mio. € Minus gemacht. 2017 gab es ein Plus von 3,3 Mio. €. Der aktuelle Geschäftsbericht für 2018 macht für den Bund Deutscher Forstleute (BDF), Landesverband Thüringen, deutlich: Die öffentliche Landesforstverwaltung ist finanziell schlecht aufgestellt. Auch personell gebe es keine Reserven.

Der Bund Deutscher Forstleute (BDF), Landesverband Thüringen, fordert eine dauerhaft bessere finanzielle Ausstattung von ThüringenForst, eine deutlich verbesserte Personalausstattung und keine weiteren unbewirtschafteten Waldflächen. Die Situation im Wald wird in den nächsten Jahren nicht besser. Weitere Schäden sind zu erwarten. Hier muss ein Umdenken und Umsteuern ansetzen.

Wie die dpa meldet (4.11.2019), hat ThüringenForst im Jahr 2018 einen Verlust von 8,2 Mio. € gemacht. Die Anstalt öffentlichen Rechts – früher die Landesforstverwaltung – hatte ein Jahr zuvor noch 3,3 Mio. € Gewinn vermeldet. Grund für den Verlust seien Sonderabschreibungen (5,6 Mio. €) für nicht mehr bewirtschaftete Wälder – das Wildnisprogramm von Thüringen – sowie die sehr viel höheren Aufwendungen für die Beseitigung der Waldschäden durch Dürre und Borkenkäfer.

Naturschutz und die Artenvielfalt dürfen Geld kosten.

Dies muss aber ThüringenForst auch in vollem Umfang dauerhaft erstattet werden. Neben den Einnahmeausfällen auch die Aufwendungen für Verkehrssicherung, Waldschutz, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit.

Indes geht auch die Klimakrise weiter.

Der Klimaretter Wald muss selbst gerettet werden. Alle Experten gehen von weiteren schweren Jahren für den Wald aus. Der Pik wird – wenn überhaupt – erst 2021 erreicht. Erst danach wird es eine langsame Erholung geben. Bis dahin wird das Schadausmaß weiter steigen. 22.000 ha Waldfläche sind kahl oder stark aufgelichtet. Nur noch 15 % der Bäume sind gesund.

„Wer den Wald in Thüringen retten will, muss erst mal die Waldretter selbst gut aufstellen“, so Andreas Schiene, Landesvorsitzender des BDF Thüringen. „Seit 1990 wurde fast die Hälfte des Forstpersonals abgebaut. Das rächt sich jetzt. Es gibt keine Reserven mehr. Für die wichtige Aufgabe der Waldrettung, die aus sehr vielen aufwendigen Einzelmaßnahmen besteht, brauchen wir deutlich mehr Fachleute“, so Schiene weiter.

Mittelausstattung von ThüringenForst muss verbessert werden.

Die Landesregierung hat mit dem „Aktionsplan Wald 2030ff“ einen Plan zur Rettung vorgelegt. 500 Mio. € in 10 Jahren. Die dauerhafte Mittelausstattung von ThüringenForst für die vielen anstehenden Aufgaben – auch für andere Waldbesitzende – muss deutlich verbessert werden. Die Einnahmen aus Holzverkauf werden weiter absinken und sich erst langsam erhöhen. Auch danach sollte das Primat nicht auf dem Einnahmeerlös durch Holzverkauf liegen, sondern auf der Kostenerstattung für Klimaschutzleistungen, für Naturschutz, Erholung und den weiteren Ökosystemdienstleistungen.

Die Zuführung des Landes an ThüringenForst – eine Anstalt öffentlichen Rechts – muss mittel- und langfristig die Verluste einpreisen und die Walderhaltung als hoheitliche und Gemeinwohlaufgabe widerspiegeln.

Die hehren Ziele des Aktionsplans Wald 2030ff sind nur mit dauerhaft mehr Forstpersonal zu stemmen. Die nur zeitweise eingestellten Helfer oder die wenigen Koordinatoren werden die Hauptarbeit nicht schaffen. Für Thüringen werden dauerhaft mindestens 300 Stellen mehr im Forstbereich benötigt.

Personalabbaupläne gehören abgeschafft.

ThüringenForst benötigt sofort ein Personalentwicklungskonzept und eine Ausbildungsoffensive. Dazu gehört beispielsweise auch, das Forstreferendariat wieder einzuführen und die Erhöhung der Ausbildungskapazitäten und der Einstellungskorridore. Personalabbaupläne gehören dagegen sofort abgeschafft.

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

Staatskanzlei Thüringen online: „Aktionsplan Wald 2030ff“

Red./BDF Thüringen

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