WaldÖkologie

Was tun bei Wildunfällen?

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Die Tage werden wieder kürzer. Das heißt, im Herbst und Winter dämmert es oft schon gegen frühen Abend, eine Zeit zu der viele Autofahrer unterwegs sind, z.B. auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. In dieser Zeit häufen sich auch leider wieder Wildunfälle. Die Beachtung schon weniger Tipps helfen, das Risiko zu mindern.

Die herbstlichen Witterungsverhältnisse, speziell in der Dämmerung, stellen viele Autofahrer vor besondere Herausforderungen. Gerade im Herbst suchen aber auch Wildtiere wie Rot-, Reh- oder Schwarzwild neue Einstände im Wald auf, weil die Felder abgeerntet sind und weder Futter noch Sichtschutz bieten. Und kreuzen dabei regelmäßig öffentliche Straßen. Beide Geschehnisse führen dazu, dass die Zahl der Wildunfälle im Herbst deutlich zunehmen.

Ein Wildtier kommt selten allein

Die Wildexperten der ThüringenForst-AöR raten daher Autofahrern, gerade in den Morgen- und Abendstunden, zu größter Vorsicht beim Befahren von Straßen durch Waldgebiete und an Feldrändern. Wenn Wild zu sehen ist: kontrolliert abbremsen, hupen und abblenden. Achtung: Wo ein Wildtier die Straße überquert, folgen oft weitere nach!

Verkehrswarnschilder „Wildwechsel“ beachten

Ein reduziertes Fahrtempo und der wachsame Blick auf die Straße, senken nachweislich Wildunfälle. Dabei macht es Sinn aufgestellte Verkehrswarnschilder „Wildwechsel“ Ernst zu nehmen. Seit Jahren schwanken die Wildunfallzahlen in Thüringen zwischen 5.500 und 8.000 Fälle – bundesweit ereigneten sich 2019 fast 300.000 Wildkollisionen. Der durchschnittliche Wildschaden am KFZ wird dabei mit 2.600 € beziffert und üblicherweise durch die Teilkaskoversicherung geregelt. Die jährlichen Schwankungen führen die Forstexperten im Wesentlichen auf die von Jahr zu Jahr wechselnden Wildbestandshöhen zurück. So können speziell Wildschweinpopulationen innerhalb eines Jahres mit extremen Reproduktionsraten auf milde Winter und eine gute Äsungssituationen reagieren.

Bei Wildunfällen: Bitte nicht einfach weiterfahren!

Was aber tun, wenn es doch zu einem Wildunfall gekommen ist? Die Förster empfehlen: Ruhe bewahren und die Polizei oder den Jagdausübungsberechtigten, i. d. R. der Jagdpächter, rufen. Ist das Tier tot, warten bis die Polizei eintrifft. Ist das Tier verletzt und immobil am oder in der Nähe des Unfallortes, keinesfalls das Wild durch Streicheln oder Zureden zu beruhigen versuchen. Das Wildtier kann in Panik beißen, um sich treten oder mit dem Gehörn schlagen. Ziehen Sie sich einfach zurück und warten Sie in einigem Abstand. Besonders wichtig ist es, nicht einfach weiterzufahren, denn der Unfallverursacher ist dem Tierschutz verpflichtet.

Fallwildentsorgung meist kostenfrei

Durch Unfälle getötetes Wild muss durch die Gemeinden oder die Straßenbauverwaltung entsorgt werden. In der Regel wird dies aber durch den zuständigen Jagdpächter kostenlos erledigt. Im Schnitt fallen hierbei rund 100 € für Transport, Lagerung und Gebühren für die Tierkörperbeseitigung an. Diese Kosten ersparen die Jäger damit dem Steuerzahler.

Lesen Sie auch einen weiteren Beitrag über eine mögliche Risikominderung durch Wildwarnreflektoren. 

Quelle: ThüringenForst