WaldÖkologie

Unterschätzt: Welche Faktoren die Baumartenvielfalt beeinflussen

Bearbeitet von Carolin Föste

Die Vielfalt der weltweit vorkommenden Baumarten ist bedroht. Daher haben sich 222 Forschungsinstitutionen zusammengetan, um die Anzahl der Baumarten genauer zu bestimmen. Erforscht wurden dazu Ursachen für die höhere Vielfalt von Wäldern in bestimmten Regionen der Erde. Bislang sei der Mensch als Einflussfaktor unterschätzt worden. Doch wie viele Baumarten gibt es überhaupt?

Der sogenannte Diversitätsgradient entlang der Breitengrade (engl. latitudinal diversity gradient, LDG) spiegelt die Verteilung von Tier- und Pflanzenarten auf der Erde wider. Kurz gesagt lautet die Regel: Je höher der Breitengrad nach Norden und Süden, desto geringer das Artvorkommen. Wie viele Arten in welchen Breitengraden vorkommen, ist dabei von einigen Faktoren abhängig. Systematische Datenauswertungen sollten bisheriges Wissen über die Artenvielfalt von Bäumen verfeinern.

Wie viele Baumarten gibt es weltweit?

Die Forschenden haben dazu neue Schätzungen aufgestellt, die 73.000 Baumarten weltweit beschreiben. Bisher seien Einflussfaktoren und ihre Wirkweise jedoch unzureichend erforscht, stellt die Studie heraus. „Noch nie hat es eine derart umfassende und detaillierte Untersuchung hinsichtlich der Frage gegeben, was das Vorkommen von Baumarten und ihre Vielfalt in den bewaldeten Regionen der Erde verursacht“, sagt der Bayreuther Biologe PD Dr. Andreas Hemp vom Lehrstuhl für Pflanzensystematik. Er und andere an der Studie beteiligte Forschende vermuten, dass rund 9.000 Baumarten bisher unentdeckt geblieben sind. Davon verstecken sich der Annahme nach 40 % in Südamerika.

Hemp und sein Team waren in Afrika tätig und untersuchten Wälder am Kilimanjaro in Tansania. Neben biologischen und klimatischen Einflüssen, wie Niederschlägen und der Temperatur, begrenzen hier, wie auch in anderen Regionen der Erde, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ursachen das Artvorkommen von Bäumen. Ein weltweiter Einflussfaktor ist schließlich auch die (nachhaltige) Waldwirtschaft. Weltweit wurden 1,3 Mio. Probeflächen in verschiedenen Wäldern untersucht.

Tropische Wälder sind stärker durch Menschen beeinflusst

Bioklima, Geländeeigenschaften, Konkurrenzvegetation und Boden – neben der Gesellschaft beeinflussen der Studie nach 47 Faktoren den Reichtum an Baumarten. Zu 82,6 % seien Wälder global von bioklimatischen Faktoren in ihrer Artenvielfalt bestimmt. Die Tropen liegen jedoch weit darunter. 37,1 % seien dort anderen Einflussfaktoren zuzuordnen. Die Forschenden fanden heraus, dass nicht nur die Artenanzahl höher sei als in gemäßigten Breiten, sondern auch die Einflussnahme der Menschen – neben dem Boden und landschaftlichen Besonderheiten.

Einheitliche Datengrundlagen für Waldforschung schaffen

Hemp erläutert: „In unseren Arbeiten haben wir festgestellt, dass sich die Artenzusammensetzung der Wälder am Kilimanjaro und die Anzahl der hier wachsenden Baumarten hauptsächlich in Abhängigkeit von Temperatur und Niederschlag verändern. Bioklimatische Faktoren spielen also durchaus eine dominierende Rolle. Zwar lassen sich in den Wäldern Ostafrikas vielerorts anthropogene Einflüsse, vor allem in Zusammenhang mit legaler oder illegaler Holzentnahme, erkennen. Aber auch zahlreiche Waldgebiete in West- und Mitteleuropa werden seit Jahrhunderten intensiv bewirtschaftet. Deshalb erscheint es nicht unmittelbar plausibel, dass der Mensch in den Regionen um den Äquator einen stärkeren Einfluss auf die Artenvielfalt haben soll als in unseren nördlichen Breiten. Es ist außerdem nicht unproblematisch, dass die Studie auf globale Klimadatenbanken zurückgreift. Besonders in tropischen Gebirgen, in denen sich die klimatischen Verhältnisse auf engem Raum stark verändern und wo Klimastationen weitgehend fehlen, sind die Angaben solcher Datenbanken mit ihrer groben Auflösung sehr unzuverlässig. Hinsichtlich der Gewichtung der Faktoren, welche die Artenvielfalt in tropischen Wäldern bestimmen, sind daher noch weitere, verfeinerte Untersuchungen erforderlich.“

Die Studie fordert daher dazu auf, dass Forstleute und Expertinnen und Experten der Biodiversitätsforschung künftig entsprechende Daten erheben, um die Artenvielfalt der Bäume in den Wäldern der Erde genauer abzubilden.

Die Studienergebnisse wurden im „Nature Ecology and Evolution“ veröffentlicht und sich online nachzulesen.

Quelle: Universität Bayreuth