Fichtenschadfläche im Mittelgebirge
Ausblicke wie dieser auf den Südthüringer Wald nahe Eymersborn im April 2022 sind heute keine Seltenheit mehr. Welche Bedeutung behält die Fichte nach dem großflächigen Borkenkäferbefall im Mittelgebirge?
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Welche Bedeutung hat die Fichte in Zukunft?

13. Mai 2022

Wird die Fichte in Mittelgebirgslagen auf geeigneten Standorten weiterhin wirtschaftlich und ökologisch ihre Bedeutung behalten? Ja, sagen die Beteiligten des Verbundvorhabens „Bewirtschaftung der Fichte im Mittelgebirge unter Berücksichtigung des aktuellen Wachstumsgangs und Risikoabschätzungen“ (FIRIS). Das nun abgeschlossene Projekt gibt Hoffnung nach den großflächigen Kalamitäten zwischen 2017 und 2020 – und zeigt Handlungsoptionen auf.

Ziel war es, das Fichtenwachstum im Mittelgebirgsraum von Thüringen und Sachsen zu untersuchen und modellieren, um die Risiken und Auswirkungen biotischer und abiotischer Einflussfaktoren auf die Fichtenbestände abzuschätzen. Dazu entstanden waldbauliche Handlungsoptionen zur Risikominimierung und Wachstumsoptimierung. Die Projekt-Teams setzten sich aus dem Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft Pirna im Staatsbetrieb Sachsenforst und aus dem Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha der ThüringenForst Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) zusammen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) förderte FIRIS von Ende 2016 bis zum Herbst 2021 mit Mitteln aus dem Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe. Die Ergebnisse sollen Forstbetrieben in Mittelgebirgslagen Planungssicherheit geben, berichtet die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR).

Limitierende Faktoren der Fichte

Für die Risikobewertung nahmen die Forschenden Daten der Bundeswaldinventur (BWI) sowie Jahrringzeitreihen zur Hand, für die sie Zuwachsbohrungen entlang eines Messnetzes vornahmen. Daran konnten Wachstumstrends für Fichten in unterschiedlichen Höhenstufen abgeleitet werden. Auch Auswirkungen von Wetterextremen spiegelten sich im Fichtenwachstum wider. „Es hat sich erwiesen, dass extreme Trockenheit bei Fichten in tieferen Lagen zu einem stärkeren Einbruch des Radialwachstums führt als bei Fichten auf höher gelegen Standorten, an denen die Temperatur als wachstumslimitierender Faktor wirkt“, erklärt Dr. Jakob Wernicke vom Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha.

Das bestätigte die Annahme einer erhöhten Ausfallwahrscheinlichkeit durch extreme Trockenheit in Beständen unterhalb der 600-Meter-Grenze, so Wernicke. Anhand der Ergebnisse erfolgte eine Standorts-Leistungs-Modellierung.

Auswirkungen auf Hochrisikobestände

Auch zeigte sich, dass geschlossene Fichtenbestände mit über 60 Jahren und einer Wuchshöhe von 30 Metern ein erhöhtes Windwurf-Risiko haben, so die Forschenden. Trockenheitsbedingte Vitalitätsverluste drohen Hochrisikobeständen ungeeigneter Herkünfte und außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes. Damit einher gehe ein erhöhtes Befallsrisiko durch Sekundärschädlinge wie dem Borkenkäfer.

Waldbauliche Handlungsoptionen für die Fichte

Die Projektbeteiligten empfehlen zur Risikominimierung in Fichtenbeständen die Reduktion der Stammzahl und die Förderung von Einzelbäumen. Eine Mischung mit standortgerechten Baumarten könne das Risiko außerdem streuen und die Waldfunktionen sichern.

„Basierend auf der Risikoanalyse aus dem Projekt kann mit differenzierten Erntenutzungs- und Verjüngungsverfahren der Waldumbau zu standortgerechten Kulturwäldern realisiert werden. Dazu gehört der weitgehend planmäßig vollzogene Abbau von Risikovorräten zu Gunsten von Baumarten- und Strukturvielfalt“, erklärt Dr. Kristian Münder vom Staatsbetrieb Sachsenforst.

Die Erkenntnisse aus FIRIS bestätigen die fachlichen Grundlagen für den Waldumbau der Fichtenforste hin zu Kulturwäldern mit einer standortgerechten Baumartenzusammensetzung und mehr Struktur. Vorwiegend in Hoch- und Kammlagen von Mittelgebirgen werden Fichtenmischbestände wirtschaftlich und ökologisch weiterhin eine große Rolle spielen, darüber sind sich Münder und Wernicke einig.

Quelle: FNR