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Wegen steigender Energiepreise: Nehmen Holzdiebstähle wirklich zu?

Bearbeitet von Rainer Soppa

In den vergangenen Wochen gab es in den verschiedensten Medien Meldungen über Holzdiebstähle aus dem Wald. Fakt ist: Diebstahl von Holz aus dem Wald hat es immer gegeben. In der Regel nehmen Passanten oder Radfahrer herumliegendes Totholz mit, gelegentlich kommt auch mal jemand mit einem Autoanhänger. Wie ist die aktuelle Situation also zu bewerten?

Der Schaden durch solche Holzdiebstähle kann mehrere tausend Euro je Einzelfall erreichen und damit für einzelne Waldeigentümer schon schmerzlich spürbar sein. Aktuell mehren sich die Berichte, wonach besonders Brennholz auch Lkw-weise gestohlen wird. Bereits am 3. Mai berichtete forstpraxis.de über einige dieser dreisten Diebstähle.

Teures Brennholz: Holzdiebstähle folgen Marktlogik

Preise für ofenfertiges Buchenscheitholz von 130 €/srm ab Hof des Produzenten sind aktuell keine Seltenheit. In München verlangt ein Brennholzhändler bereits 300 €/Rm – für Fichte wohlgemerkt. Der Trend zu Holzdiebstählen ist somit auch Folge einer gewissen Marktlogik, so Dr. Jürgen Gaulke, Pressesprecher der AGDW – Die Waldeigentümer. „Je höher der Holzpreis, desto größer die Diebstahlquote.“ Große Betriebe rechneten mit einer Größenordnung um 0,5 bis 2 % des Jahreseinschlags. Der Schaden belaufe sich bundesweit inzwischen auf mehrere Millionen Euro jährlich.

Holzdiebstähle noch kein Massenproblem

Angesichts der Energiekrise wollen viele Menschen einen Vorrat anlegen, manche verhelfen sich dabei kostenlos zum Holz. Bei einer ADGW-Umfrage unter den Landesverbänden 2015 habe das Thema Holzdiebstahl noch keine Rolle gespielt. „Das hat sich definitiv geändert“, so Gaulke. Noch sei das kein Problem auf breiter Ebene. In aller Regel würden kleinere Mengen gestohlen.

Die Zahl der Fälle mit größeren gestohlenen Mengen nehme allerdings zu. Und es gebe erste Einzelfälle, in denen offenbar professionelle Diebe am Werk waren und bis zu 15 Fm Holz mitgehen ließen. „Dafür brauchten die Täter schon ein Spezialfahrzeug, manchmal sogar einen Kran“, sagte Gaulke.

Wie kann man sich vor Holzdiebstählen schützen?

Auch beim Brennholz ergibt es Sinn, die Polter den potenziellen Dieben nicht „auf dem Silbertablett zu präsentieren“ – also nicht an einer gut einsehbaren und zugänglichen Stelle. Verhindern lässt sich ein Diebstahl leider nicht immer. Immer mehr Waldeigentümer wehrten sich daher mit moderner Technik wie GPS-Sendern und Transpondern, die ans Holz gesetzt werden. Bisher wurden mit dieser Technik eher die hochpreisigen Stammholzsortimente geschützt. Besonders in Gegenden, wo es häufiger zu Holzdiebstählen kommt, sollte sich der Einsatz solcher Technik amortisieren. Über das System kann das Holz geortet werden. So werden immer wieder Täter vor Gericht gestellt. Die Strafen bewegen sich bereits bei geringfügigen Diebstählen zwischen 20 und 60 Tagessätzen. Die Höhe des Tagessatzes wird in der Regel anhand des jeweiligen Nettoeinkommens berechnet, das der Täter durchschnittlich an einem Tag verdient oder verdienen könnte.

Rainer Soppa,
mit Material der AGDW